DFB und DFL kooperieren mit China

Chinas Fußball hat noch viel Nachhilfe nötig

Entwicklung des Fußballs

DFB und DFL kooperieren mit China

Die Zusammenarbeit ist zunächst einmal auf fünf Jahre angelegt. Sie sieht unter anderem vor, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) China in der Ausbildung von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern sowie in der Ligaorganisation unterstützt.

Vertreter der deutschen und der chinesischen Regierung haben am Freitag im Bundeskanzleramt "eine weitreichende Vereinbarung beider Länder zur Zusammenarbeit im Fußball" unterzeichnet. Die zunächst fünf Jahre andauernde Partnerschaft enthält eine "Grundlagenvereinbarung auf Staatsebene" sowie verschiedene Fußballabkommen - Länderspiele des Weltmeisters in Fernost sind innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre vorgesehen. Dafür war die stellvertretende Premierministerin Liu Yandong, die mächtigste Frau der Volksrepublik, eigens nach Berlin gekommen.

"Die Zusammenarbeit zielt auf kontinuierlichen, wechselseitigen Austausch zwischen beiden Ländern ab", teilte der DFB am Freitag mit: "Dabei soll durch umfangreiche Maßnahmen die Entwicklung des chinesischen Fußballs unterstützt werden - etwa in der Ausbildung von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern sowie durch einen Wissensaustausch im Bereich der Liga-Organisation." Tatsächlich sind einzelne Vereine längst weiter: Der Hamburger SV betreibt bereits einen Austausch mit seinem Partnerklub in Shanghai, der FC Bayern hat gerade ein eigenes Büri in Qingdao eröffnet und eröffnet dort ein Nachwuchszentrum.

Erfahrungen einbringen

Das Abkommen schließt an Gespräche zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Staatspräsident Xi Jinping an. DFB und DFL waren maßgeblich in die Vorbereitung des Abkommens eingebunden. "Dass das deutsch-chinesische Abkommen auch auf politischer Ebene so hochranging begleitet wird, zeigt, dass es eine sehr große Bedeutung hat. Gerade auch in China. Man will dort die Talente fördern, die es in diesem großen Land gibt, und baut dabei auf die Erfahrungen des DFB", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: "Das ist eine große Auszeichnung für die Nachwuchsförderung in Deutschland, und wir kooperieren sehr gerne mit unseren chinesischen Freunden. Schulen und Universitäten haben in China einen hohen Stellenwert."

DFB und DFL gelten im Reich der Mitte als eine Art Blaupause für erfolgreiche Fußballstrukturen, davon will der chinesische Verband profitieren. Xi Jinping gilt als begeisterter Fußballfan, entsprechend rüstet das Riesenreich auf. "Die Wiederbelebung des chinesischen Fußballs" nannte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Pläne des Staatspräsidenten, der als leidenschaftlicher Fan "das verzweifelte Sehnen des Volkes" befriedigen will.

Chance und Risiko zugleich

Im Beisein von Angela Merkel vereinbaren Deutschland und China eine Fußball-Kooperation

Im Beisein von Angela Merkel vereinbaren Deutschland und China eine Fußball-Kooperation

Dafür scheint kein Preis zu hoch. Xi Jinping will möglichst bald eine WM ausrichten - dafür wird es mindestens bis 2026, eher bis 2030 dauern, auch wenn sich der chinesische Mischkonzern Wanda als Sponsor beim Weltverband FIFA eingekauft hat. Der staatliche Druck ist groß: Das Erziehungsministerium soll in Kürze 20.000 Fußballschulen schaffen, an der Uni wurde Fußball Teil der Zulassungsprüfungen. Die Super League, in der Vorbilder für den Nachwuchs strahlen sollen, wirft inzwischen mit Geld um sich.

Für den deutschen Fußball ist das Chance und Risiko zugleich. Zum einen eröffnen sich im Reich der Mitte große Chancen, zum anderen könnten aber auch Stars abwandern. "Die DFL unterhält schon lange gute Beziehungen nach China", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Der Chefvermarkter des deutschen Profifußballs sieht im Reich der Mitte auch einen großen Wachstumsmarkt, in dem die Medienerlöse für die Auslandsvermarktung kräftig gesteigert werden können - wenn sich die Chinesen denn für die Bundesliga in der Breite begeistern lassen.

"Es kann nicht schnell genug gehen"

Der chinesische Markt wächst mit enormer Geschwindigkeit, das Interesse für Fußball ist trotz der schwachen Nationalmannschaft riesig - vor allem für die Bundesliga. Laut einer Studie ist Rekordmeister Bayern München der beliebteste Klub in den digitalen Medien, die Eliteklasse die populärste Liga.

Beim Bundestag Anfang November in Erfurt rechnete DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius vor, dass "mehr Chinesen das WM-Finale 2014 verfolgt haben, als Deutschland Einwohner hat" - und in der Hauptstadt Peking war es damals drei Uhr nachts. Als eine chinesische Delegation sich in der Verbandszentrale in Frankfurt das Modell der geplanten DFB-Akademie ansah, da hätten die weitgereisten Gäste es am liebsten gleich mitgenommen, um es in China nachzubauen. Curtius: "Den Chinesen kann es beim Fußball gar nicht schnell genug gehen."

Der Zeit hinterher hinkt nur noch die Nationalmannschaft hinterher - trotz des italienischen Weltmeister-Trainer Marcello Lippi, der sich seinen Posten auch hoch bezahlen lassen dürfte. Die Qualifikation für die WM 2018 ist mittlerweile in weite Ferne gerückt, hinter Usbekistan, Syrien und Katar ist China derzeit Letzter in Asiens Gruppe A und die Teilnahme an der WM 2018 in Russland fast schon wieder verspielt.

dpa, sid, red | Stand: 25.11.2016, 14:43

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