FIFA - Die Taktik der alten Männer

Juan Ángel Napout

Prozess in New York

FIFA - Die Taktik der alten Männer

Die ersten Urteile im FIFA-Korruptionsskandal sind gesprochen. Jetzt soll es drei weiteren früheren Funktionären an den Kragen gehen. Der Unterschied zu den bereits Verurteilten: Sie bestreiten bislang ihre Schuld.

Zuerst traf es einen vergleichsweise "kleinen Fisch". Hector Trujillo, einstiger Generalsekretär des Fußballverbandes von Guatemala, wurde Ende Oktober für schuldig erklärt, bei der Vergabe von TV-Geldern 175.000 Dollar Schmiergelder angenommen zu haben. Acht Monate Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von 415.000 Dollar waren das Strafmaß, das Richterin Pamela Chen vor einem Bundesgericht in New York verhängte. Zuvor hatte Trujillo ausgepackt und unter Tränen im Gerichtssaal seine Verfehlungen gestanden.

Höhere Bestechungssumme, höhere Haftstrafe

Wenige Tage später war Costas Takkas an der Reihe. Die Bestechungssumme lag bei dem Briten mit griechischen Wurzeln bereits deutlich höher. Takkas nahm in seiner Funktion als rechte Hand von FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb Bestechungsgelder in Höhe von drei Millionen Dollar an. Höhere Summe, höhere Strafe, aber ebenfalls geständig: Richterin Chen steckte den 58-Jährigen für 15 Monate hinter Gitter.

Jetzt geht der Blick wieder in den spartanisch eingerichteten Gerichtssaal im New Yorker Ortsteil Brooklyn. Angeklagt sind drei Männer, die hochrangigere Ämter in südamerikanischen Fußballverbänden ausübten als Trujillo und Takkas.

Allen voran Jose Maria Marin. Der mittlerweile 85-Jährige war von 2012 bis 2015 Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF. Mehrere Millionen Dollar an Schmiergeldern soll auch er bei der Vergabe südamerikanischer Turniere angenommen haben. 2014 war Marin parallel Chef des brasilianischen WM-Organisationskomitees. Marin gehörte zu jenen sieben Männern, die bei der spektakulären Verhaftungsaktion im Schweizer Hotel "Baur au Lac" im März 2015 festgenommen wurden, über die später auch FIFA-Chef Sepp Blatter stürzte.

Spekulation auf Freispruch

Neben Marin auf der Anklagebank sitzt Juan Ángel Napout. Der Paraguayer wurde im Frühjahr 2015 zum Präsidenten des südamerikanischen Kontinentalverbandes Conmebol gewählt. Gleichzeitig rückte der 57-Jährige zum FIFA-Vizepräsidenten auf. Eine Kandidatur für das Amt des FIFA-Chefs schloss er im Oktober aus. "Für mich ist es wichtig, hier aufzuräumen", sagte der Fußballfunktionär damals. Zwei Monate später wurde er bei einer zweiten Verhaftungsaktion im "Baur au Lac" festgenommen.

Dritter im Bunde ist Manuel Burga. Der 60-Jährige fungierte als Chef des peruanischen Fußballverbandes und bekleidete einen Direktoren-Posten im Verband Conmebol, Burga gilt in der FIFA aber als weniger einflussreich im Vergleich zu Napout und  Marin.

Der Unterschied zu den bereits verurteilten Funktionären: Das Trio aus Südamerika bestreitet bislang komplett seine Schuld und spekuliert auf Freispruch. Ein riskantes Spiel, denn wenn sie von den zwölf Geschworenen schuldig gesprochen werden sollten, drohen den dreien wesentlich höhere Haftstrafen als den bisher Verurteilten.

Nur nicht zurück ins Gefängnis

Thomas Kistner, FIFA-Experte der "Süddeutschen Zeitung", glaubt daher, dass zumindest Marin in den nächsten Tagen noch auspacken wird. "Er will mit seinen 85 Jahren nicht zurück ins Gefängnis. Man darf ziemlich sicher sein, dass er über seine Amtskollegen aussagen wird", sagte Kistner in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Aussagen also über Marco Polo del Nero, den amtierenden Boss des brasilianischen Verbandes, und über seinen Vorgänger Ricardo Teixeira, der ebenfalls tief im Koruptionssumpf verstrickt ist. "Marin wird kooperieren, auch wenn er sich Moment noch als unschuldig bezeichnet", glaubt Kistner.

Aufgehen soll die Taktik der Richter, dass auch die ganz "dicken Fische" wie Sepp Blatter und Ex-UEFA-Chef Michel Platini verurteilt werden. Es werde nach dem Anti-Mafia-Gesetz verhandelt, so FIFA-Experte Kistner, es gehe um Bandentum und nicht um Einzelfälle. Kistner: "Weil hier ein ganzer Sumpf aufgedeckt werden soll, ist es natürlich hilfreich, dass die Funktionäre und Manager gut vernetzt waren und daher sich jetzt auch die Fälle gut vernetzen lassen."

Stand: 06.11.2017, 13:00

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