Streit um WM in Katar

Theo Zwanziger

Zwanziger darf Katar weiter "Krebsgeschwür" nennen

Streit um WM in Katar

Theo Zwanziger darf Katar wohl weiter ungestraft als "Krebsgeschwür des Fußballs" bezeichnen. Der katarische Fußball-Verband hatte gegen den früheren DFB-Präsidenten geklagt.

Das stellte die 6. Kammer des Düsseldorfer Landgerichts unter Vorsitz von Richter Joachim Matz am Dienstag (02.02.2016) in der mündlichen Verhandlung in ihrer juristischen Einordnung fest. Der katarische Fußball-Verband QFA hatte gegen den früheren DFB-Präsidenten auf Unterlassung geklagt.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei in dieser Sache höher einzustufen als der Ehrschutz der Klägerin. Zwanzigers Äußerung in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk vom 2. Juni 2015 sei "unter dem Gesichtspunkt der freien Meinungsäußerung noch gerechtfertigt".

Ex-CSU-Politiker Gauweiler vertritt katarischen Verband

Der 70-Jährige habe eine Diskussion über die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar anstoßen wollen. Das Urteil wird am 19. April verkündet. Zwanziger war persönlich vor dem Landgericht erschienen, die Gegenseite wurde vom früheren CSU-Politiker Peter Gauweiler vertreten.

"Ich habe nicht eine Sekunde einen Menschen aus Katar beleidigen wollen", beteuerte Zwanziger. Er habe ein System angegriffen und kritisiert, dass sich Katar mit seinem Reichtum solche Vorteile verschaffe. Er habe auch auf Menschenrechtsverletzungen in dem Land hingewiesen.

Gauweiler: "Zwanziger wollte eigene Spuren verwischen"

Die Richter kamen während der mündlichen Verhandlung ins Grübeln, nachdem Gauweiler auf Zwanzigers Aussage einging, mit der Vergabe an Katar habe alles begonnen. Dies sei eine bewusst unwahre Tatsachenbehauptung, sagte Gauweiler. Damit werde der Eindruck erweckt, die korrupte FIFA-Welt habe zuvor nicht existiert. Angesichts der verdächtigen Vergabe der WM 2006 an Deutschland habe Zwanziger mit seinen Vorwürfen "eigene Spuren verwischen wollen".

"Das Argument ist gut, wir denken noch mal darüber nach", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Matz. Zuvor hatte das Gericht noch kundgetan, es komme nicht darauf an, ob Zwanziger von der Vergabe der WM 2006 habe ablenken wollen.

Zwanziger: Gauweilers Behauptung "unterirdisch"

Zwanziger reagierte erbost auf die Behauptung Gauweilers: Dies sei "unterirdisch". Er habe sich jahrelang für eine Reform des Weltfußballverbands FIFA, eine unabhängige Ethikkommission und für Aufklärung auch der Vorgänge um die Vergabe der WM an Deutschland eingesetzt. Von Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe habe er nichts wissen können.

Dies werde durch jüngste vermeintliche Enthüllungen nicht widerlegt, sondern letztlich bestätigt, sagte Zwanziger. Am Wochenende hatten Medien berichtet, dass auf Dokumenten über eine dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung handschriftliche Anmerkungen Zwanzigers entdeckt worden seien.

"Die Schmiergeldteppiche sind erst 2012 bekannt geworden", sagte Zwanziger. Danach habe er sich jahrelang um Aufklärung bemüht. Gauweiler sagte, damit habe Zwanziger soeben gestanden, zum Zeitpunkt des Interviews 2015 bereits gewusst zu haben, dass mit Katar eben nicht "alles begonnen" habe.

Der Fußballverband des Wüstenstaates hatte schon vor Monaten beantragt, dem ehemaligen DFB-Präsidenten die wenig schmeichelhafte Aussage zu verbieten. Es handele sich um eine Kollektivbeleidigung. Nachdem Zwanziger sich geweigert hatte, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wurde er verklagt.

Stand: 02.02.2016, 11:56

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