Sepang - Highspeed, Haarnadeln, Hitze und ein Abschied

Die Strecke in Sepang

Formel 1 gastiert in Malysia

Sepang - Highspeed, Haarnadeln, Hitze und ein Abschied

Die Formel 1 macht Station in Sepang - und das zum letzten Mal. Für die Fahrer heißt es Abschied nehmen von Hochgeschwindigkeitsgeraden, Haarnadel-Kurven und schwüler Hitze.

Die Ausgangslage

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton liegt vor dem 15. Saisonrennen mit 263 Punkten an der Spitze der Gesamtwertung. Sebastian Vettel folgt im Ferrari mit 235 Zählern auf Rang zwei, dahinter rangiert Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas mit 212 Punkten. Der Trend spricht klar für Hamilton, der Brite gewann die drei jüngsten Rennen in Spa, Monza und Singapur.

Vettel unter Druck

Sebastian Vettel steht deshalb unter großem Druck. Schlägt er nicht bald zurück, dann schwinden die Chancen auf seinen ersten WM-Titel mit der Scuderia bedrohlich. Aus einer 14-Punkte-Führung auf Hamilton vor der Sommerpause wurde ein Rückstand von 28 Zählern. Vettel muss zudem noch das Rennen in Singapur verdauen. Da schied er schon nach wenigen Sekunden nach einem Startunfall aus. Und das auf einer Strecke, auf der Ferrari einen Sieg fest eingeplant hatte.

"So einen Rückschlag muss man wegstecken", sagt Vettel, der von der Pole Position ins Rennen gegangen war: "Ich kämpfe weiter." Es gebe "noch genügend Rennen, um den Rückstand aufzuholen. Ich glaube fest daran", sagt er. Auch Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene gibt sich kämpferisch: "Wir versprechen, dass es nicht vorbei ist, es wird nur schwerer. Wir versprechen, bis zur letzten Kurve der Weltmeisterschaft zu kämpfen."

Abschied aus Sepang

Mit dem Rennen verabschiedet sich der Grand Prix nach 18 Jahren Malaysia aus dem Rennkalender. Bei der Premiere 1999 war Sepang das erste Asienrennen außerhalb Japans. Für das Land war das Event in Sachen Werbung und Tourismus ein wichtiger Baustein. Mittlerweile ist das Rennen für den Ausrichter aber zu teuer geworden, das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen und auch die Werbeeffekte lassen zu wünschen übrig. "Ich weiß gar nicht, ob wir es vermissen werden. Alles was ich sehe, sind Flughafen, Hotel, Strecke", sagt Sebastian Vettels Ferrari-Teamkollege Kimi Räikkönen.

Hochgechwindigkeitsgeraden und schnelle Kurven

Der 5,543 Kilometer lange Sepang International Circuit ist technisch anspruchsvoll und abwechslungsreich mit Hochgeschwindigkeitsgeraden, schnellen Kurven und Haarnadeln. Zum Überholen bieten sich einige Chancen. Auf der Start-Ziel-Geraden erreichen die Piloten mit mehr als 310 km/h ihre Höchstgeschwindigkeit - und das alles inmitten eines Palmenhains. Favorit ist Mercedes, das in Sachen Motorstärke und Aerodynamik Vorteile hat. "Die Charakteristik der Strecke mit ihren flüssigen Kurven und langen Geraden sollte unserem Auto gut liegen", sagt Motorsportchef Toto Wolff. 56 Runden müssen die Fahrer absolvieren. Renault-Pilot Nico Hülkenberg freut sich: "Der Kurs ist eine Herausforderung mit seinen vielen Hochgeschwindigkeitskurven und schnellen Kombinationen."

Statistik spricht für Vettel

Die Statistik spricht für Vettel. Der Deutsche ist mit vier Siegen Rekordgewinner, er triumphierte 2010, 2011, 2013 und 2015. Auch Michael Schumacher (2000, 2001, 2004) und sein  Bruder Ralf (2002) standen in Sepang schon oben auf dem Podest. Hamilton holte sich in den vergangenen drei Jahren jeweils die Pole Position, konnte aber nur 2014 gewinnen.

"Wie in der Sauna"

Für die Fahrer gehört Malaysia zu den körperlich herausforderndsten Rennen. Es herrschen Außentemperaturen von mehr als 30 Grad, Cockpittemperaturen um die 50 Grad, und die Luftfeuchtigkeit beträgt mehr als 70 Prozent. "In Malaysia Rennen zu fahren, ist wie in eine milde Sauna zu gehen", sagt der finnische Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. Die Fahrer verlieren während des Rennens rund drei Liter Körperflüssigkeit. Für Lewis Hamilton ist Sepang einer der "härtesten, wenn nicht der härteste" Grand Prix für Wagen und Team. Hinzu kommt das hohe Gewitterrisiko. Der monsunartige Regen hat die Rennwochenenden schon oft durcheinander gewirbelt.

Ein neues Gesicht bei Toro Rosso

Der junge Franzose Pierre Gasly wird erstmals für Toro Rosso an den Start gehen, er ersetzt den Russen Daniil Kwjat. Gasly gilt als Favorit für die Nachfolge des zu Renault wechselnden Spaniers Carlos Sainz und soll deshalb erste Erfahrungen im Cockpit sammeln. Dass die endgültige Trennung von Kwjat damit vollzogen sei, dementierte der Rennstall allerdings.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag, 29.9., 22.50 Uhr
Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 1.10., 18 Uhr

sid/dpa | Stand: 28.09.2017, 11:07

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