Michael Schumacher beendet Formel-1-Karriere

Michael Schumacher

Keine Zukunft in der Königsklasse

Michael Schumacher beendet Formel-1-Karriere

Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher beendet nach der laufenden Saison seine Karriere. Das verkündete der 43-Jährige am Donnerstag (04.10.12) in Suzuka.

Schumacher beendete damit alle Spekulationen über einen möglichen Wechsel zu einem anderen Rennstall. "Ich habe beschlossen, meine Formel-1-Karriere zum Saisonende zu beenden, im Bewusstsein, noch immer mit den Besten der Welt mithalten zu können. Das macht mich stolz, und auch deshalb habe ich mein Comeback nie bereut. Ich kann zufrieden sein mit meiner Leistung der vergangenen drei Jahre und damit, dass ich es geschafft habe, mich kontinuierlich zu steigern. Aber irgendwann kommt die Zeit für den Abschied", sagte Schumacher.

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Michael Schumacher erklärt seinen Rücktritt | 01:23 min | 05.10.2012 | Tagesschau | Das Erste

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Mercedes den auslaufenden Vertrag mit dem Ex-Weltmeister nicht mehr verlängert. Schumachers Nachfolger wird der bisherige McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der einen Dreijahresvertrag erhält. Damit wird der 43-Jährige am 25. November in Sao Paulo sein letztes Formel-1-Rennen bestreiten.

"Ich war mir schon während der letzten Monate nicht mehr sicher, ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder zwei weitere Jahre noch aufbringen kann; und es ist nicht mein Stil, etwas zu tun, wovon ich nicht zu 100 Prozent überzeugt bin", so der Rekordweltmeister weiter. "Deshalb habe ich so lange gezögert, mich festzulegen. Mit meiner heutigen Entscheidung fühle ich mich von diesen Zweifeln befreit. Am Ende habe ich den Anspruch, nicht nur mitzufahren, sondern um Siege zu kämpfen; und die Lust am Fahren nährt sich bekanntlich auch durch Wettbewerbsfähigkeit."

Vettel: "Das ist ein großer Verlust"

Sebastian Vettel bedauert den Rücktritt Schumachers: "Das ist ein großer Verlust", sagte der Red-Bull-Pilot in Suzuka. "Es gab viele Leute, mich eingeschlossen, die sich sehr gefreut hätten, wenn er weitergemacht hätte. Ich hoffe, dass er uns in irgendeiner Funktion erhalten bleibt und wir ihn von Zeit zu Zeit noch sehen." Nette Worte fand auch Nico Rosberg: "Viele Fans haben sich nach seiner Rückkehr wieder für die Formel 1 interessiert. Ich kann mich sehr, sehr glücklich schätzen, dass ich ihn drei Jahre als Teamkollegen hatte."

Zweites Karriere-Ende nach 2006

Schumacher erzielte in seiner Karriere 91 Siege und wurde sieben Mal Weltmeister. Der Kerpener hatte sich 2006 schon einmal aus der Formel 1 zurückgezogen. 2010 war er für den deutschen Autobauer aber in die Königsklasse des Motorsports zurückgekehrt. Bei Mercedes blieben die Erfolge jedoch aus. Schumacher kam in bislang 52 Rennen im Silberpfeil nur einmal aufs Podest, in Valencia wurde er in diesem Sommer Dritter. Ein Sieg war ihm nicht vergönnt.

Michael Schumachers Karriere in Bildern

Trotz seiner drei mageren Jahre bei Mercedes ist Michael Schumacher der König der Rennfahrer. Kein anderer hat die Geschichte der Formel 1 so nachhaltig geprägt wie er. sportschau.de zeigt seine einzigartige Karriere in Bildern.

Michael Schumacher

Unschuldiges Lächeln, jungenhafte Züge und Werbung für ein Pfefferminzbonbon: So präsentiert sich Michael Schumacher, als er am 25. August 1992 sein Debüt in der Formel-1-Rennserie im belgischen Spa-Francorchamps gibt. Es ist der Beginn einer ganz großen Motorsport-Karriere.

Unschuldiges Lächeln, jungenhafte Züge und Werbung für ein Pfefferminzbonbon: So präsentiert sich Michael Schumacher, als er am 25. August 1992 sein Debüt in der Formel-1-Rennserie im belgischen Spa-Francorchamps gibt. Es ist der Beginn einer ganz großen Motorsport-Karriere.

Der erste Grand-Prix-Sieg lässt nicht lange auf sich warten. Ein Jahr später gewinnt Schumacher in Spa sein erstes Formel-1-Rennen. Die Strecke in den  Ardennen liegt ihm bis heute besonders am Herzen. "Ich liebe einfach diese großartige Natur dort und die daraus resultierende Streckenführung mit den Aufs und Abs. Für mich ist Spa nach wie vor mein Wohnzimmer, denn hier haben sich so viele Dinge abgespielt, die für meine sportliche Karriere bedeutsam waren", sagt der siebenmalige Weltmeister noch heute.

Sein zweites Jahr in der Formel 1 beendet Schumacher als beachtlicher Dritter. Schon früh legt der Heißsporn den Respekt vor den Etablierten ab. Nach einer Startkollision beim Frankreich-GP mit Ayrton Senna wies ihn die brasilianische Legende zurecht: "Schumacher ist ein dummer Junge." Dieser entgegnete selbstbewusst: "Mich hat niemand in die Schranken zu weisen. Meine Grenzen setze ich mir selber."

Die Erfolgsleiter kannte offenbar keine Grenzen. 1994 ist Schumacher am vorläufigen Ziel angelangt. Im australischen Adelaide wird er als erster Deutscher Formel-1-Weltmeister überhaupt.

Dabei macht ihn ein Unfall zum Champion. Beim Australien-GP kollidiert er mit seinem Widersacher, dem Briten Damon Hill. Schumachers Benetton steigt in die Luft, landet aber wieder auf den Rädern. Die Kontrahenten scheiden beide aus. Dadurch ist Schumacher mit einem Pünktchen Vorsprung Sieger vor Hill - und Deutschland plötzlich im Formel-1-Fieber.

So umstritten Schumachers menschliche Eigenschaften in der frühen Phase seiner Laufbahn sind, so unumstritten waren seine fahrerischen Qualitäten. Mit kompromisslosem Einsatz, hoher Risikobereitschaft und aggressiver Fahrweise macht er sich schnell einen Namen.

Weitere Erfolge bleiben nicht aus. Schumacher bestätigt seine fahrerische Vormachtstellung und holt sich 1995 die Titelverteidigung. Unvergessen: Der Ausnahmefahrer siegt vor 120.000 Fans auf dem Hockenheim-Ring. Damit gewinnt erstmals ein deutscher Fahrer einen Grand Prix auf deutschem Boden.

Auch privat läuft alles rund. Am 1. August 1995 heiratet Michael Schumacher in Kerpen-Manheim seine Freundin Corinna Betsch, eine gelernte Einzelhandelskauffrau.

Ein Jahr später - 1996 - entschließt sich Schumacher, den Rennstall zu wechseln. Er unterschreibt für zwei Jahre bei Ferrari und sollte den traditionsreichen italienischen Rennstall zu langersehnten Erfolgen führen.

Doch auf die ganz großen Triumphe müssen Schumacher und die Tifosi zunächst warten. 1997 gilt der Deutsche als großer Anwärter auf den Titel. Doch es entwickelt sich ein hart geführtes Duell mit dem Kanadier Jacques Villeneuve. Das letzte Rennen in Jerez muss die Entscheidung bringen. Beide Kontrahenten legen Runde um Runde im Gleichschritt zurück, ehe Villeneuve den entscheidenden Angriff wagt. Beide Autos berühren sich. Schumacher fliegt von der Strecke, der Kanadier ist Weltmeister.

Zwei Jahre später trifft es Schumacher noch härter.  Beim GP von England in Silverstone rast er wegen eines Bremsdeffekts von der Piste und bricht sich das rechte Bein. Wieder wird es nichts mit der Weltmeisterschaft für Schumacher und Ferrari.

Im Jahr 2000 ist es endlich soweit. Im fünften Jahr bei Ferrari gelingt Schumacher der große Wurf - Weltmeister im roten Renner! Der deutsche Pilot ist von Beginn der Saison an der überragende Mann und nur Mitte der Serie kurz in Gefahr, als er dreimal ausfällt.

Mit drei weiteren Siegen in Folge macht Schumacher jedoch alles klar und stürzt Maranello, die Heimat von Ferrari, und ganz Italien in einen roten Freudentaumel.

Schumacher soll fortan die Formel-1-Szene bestimmen wie kein zweiter Fahrer zuvor. Hatte man 2000 Zweifel angemeldet, ob "Schumi" wohl noch bester Fahrer der Szene sei oder vielleicht doch Doppel-Weltmeister Mika Häkkinen, so gibt der Deutsche Jahr für Jahr den Kritikern die passende Antwort.

Bis zum Jahr 2004 lässt Michael Schumacher vier weitere Weltmeister-Titel folgen und avanciert mit insgesamt sieben WM-Siegen zum Rekord-Champion der Formel-1-Geschichte. Bemerkenswert: Eine vermeintliche Erfolgsmüdigkeit stellt sich nicht ein. "Ich brauche nicht ein Ziel wie einen Titel, um mich zu motivieren. Es sind die Rennen, die das tun", betont er immer wieder.

Nach einem dritten Rang im Jahr 2005 ist ein Jahr später dann doch Schluss. Mit der Vize-Weltmeisterschaft verabschiedet sich Michael Schumacher im Spätherbst 2006 von Ferrari und gibt sein Karriere-Ende bekannt.

"Ich bin angekommen am Ende des Kreises", stellt Schumacher in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Oktober 2006 fest. In Sao Paulo fährt er zum Serienabschluss sein letztes Rennen für Ferrari, bei dem er nach zahlreichen unglücklichen Umständen noch einmal Vierter wird. Ferrari-Teamchef Jean Todt schwärmt: "Er ist ein einmaliger Rennfahrer." Doch nicht alle Reaktionen auf den Rücktritt sind positiv. "Ein Gott, ein Teufel", überschreibt beispielsweise die FAZ ihren Abschiedsartikel.

Lange hält es Schumacher im Ruhestand aber nicht aus. Nach drei Jahren gibt er am 23. Dezember 2009 sein Comeback bekannt, allerdings nicht für Ferrari, sondern bei Mercedes. Sein erstes Rennen nach der Rückkehr verläuft unspektakulär. Beim Großen Preis von Bahrain wird Schumacher Sechster. Ohnehin kann der frühere Champ in seiner zweiten Karriere an die großen Erfolge von einst nicht mehr anknüpfen. Mittelplätze sind für den mittlerweile 42-Jährigen das tägliche Brot. Mehr als drei vierte Plätze springen in der Saison 2010 nicht für ihn heraus.

Zu seinem 20. Jubiläum in der Formel 1 fährt Michael Schumacher 2011 in Spa auf den fünften Platz.

Nach einem verheißungsvollen dritten Platz im Qualifying wird Schumacher beim Großen Preis von Malaysia 2012 in Sepang von Lotus-Pilot Romain Grosjean früh in einen Dreher geschickt und beendet das Rennen auf dem zehnten Rang.

In Shanghai geht Schumacher 2012 als Zweiter des Qualifyings erstmals für Mercedes aus der ersten Startreihe ins Rennen. Beim Sieg seines Teamkollegen Nico Rosberg scheidet er allerdings frühzeitig aus.

Schumacher legt 2012 im Qualifying zum Großen Preis von Monaco zwar die schnellste Runde hin, geht aber dennoch nur von Startplatz sechs ins Rennen. Der Rekord-Weltmeister wird zurückversetzt, weil er zuvor beim Rennen in Barcelona einen Unfall mit Bruno Senna verursacht hatte.

Nach einer Aufholjagd heimst der von Platz zwölf gestartete Schumacher am Ende des Großen Preises von Europa in Valencia 2012 seine erste Podestplatzierung seit seinem Comeback ein.

Der 29. Juli 2012 ist ein schwarzer Tag in Schumachers Karriere: In Budapest verursacht er durch einen haarsträubenden Fehler einen Startabbruch. Der 43-Jährige bleibt bei der Aufstellung zum Rennen statt auf dem 17. auf dem 19. Platz stehen.

Schumacher fährt in seinem 300. Formel-1-Rennen beim Großen Preis von Belgien in Spa auf den siebten Rang.

Vor dem Rennstart in Singapur im September 2012 versäumt Schumacher die Schweigeminute für den verstorbenen Formel-1-Rennarzt Sid Watkins, weil er dringend auf die Toilette muss. Im Rennen verursacht der Deutsche dann einen Crash mit dem Franzosen Jean-Eric Vergne und sorgt für weitere Negativschlagzeilen - unter anderem, weil er Vergne in einem Interview "Jean-Marc" nennt.

Fünf Tage später gibt Mercedes die Trennung vom Rekord-Weltmeister bekannt. Sein Nachfolger wird der bisherige McLaren-Pilot Lewis Hamilton. Einzigartig bleiben Schumachers Formel-1-Rekorde. Er fuhr die meisten WM-Titel ein (7), die meisten Grand-Prix-Siege (91), die meisten Saisonsiege (13 in 2004), die meisten Podiumsplätze (154), die meisten Pole Positionen (68), die meisten schnellsten Rennrunden (77), die meisten Hattricks aus Pole, Sieg und schnellster Rennrunde (22) und die meisten Siege beim gleichen Grand Prix (8 in Frankreich). Zudem hat er mit Abstand die meisten WM-Punkte aller Formel-1-Piloten geholt.

Michael Schumacher verabschiedet sich von der Formel 1 Play-Icon Audio-Icon

Schumacher verabschiedet sich von Formel-1-Bühne | 01:12 min | 04.10.2012 | WDR 2 Westzeit

dpa/sid | Stand: 04.10.2012, 09:53

Formel 1 | Fahrer-WM

Name P
1. Sebastian Vettel 89
2. Kimi Räikkönen 85
3. Fernando Alonso 72
4. Lewis Hamilton 50
5. Felipe Massa 45
  ...  
13. Adrian Sutil 6
14. Nico Hülkenberg 5
15. Jean-Eric Vergne 1

Formel 1 | Konstrukteurs-WM

Team P
1. Red Bull 131
2. Ferrari 117
3. Lotus 111
4. Mercedes 72
  ...  
5. Force India 32
6. McLaren 29
7. Toro Rosso 8
8. Sauber 5
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