Vettel greift wieder ein ins Titelrennen

Button feiert mit Sebastian Vettel (l.)

Großer Preis der Formel 1 von Singapur

Vettel greift wieder ein ins Titelrennen

Sebastian Vettel hat in Singapur den Überblick bewahrt und sich in der Hitze der Nacht eindrucksvoll im Titelkampf zurückgemeldet. Der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre gewann nach dem Ausfall des führenden Lewis Hamilton das spektakuläre und turbulente Nachtrennen unter 1.500 Flutlichtern.

"Wir sind zurück in der WM", sagte Vettel via Boxenfunk und ließ einen seiner berühmten Jubelschreie los. Danach widmete er seinen Sieg dem in der vergangenen Woche im Alter von 86 Jahren verstorbenen langjährigen Rennarzt Prof. Sid Watkins. Durch seinen zweiten Saisonsieg und dem ersten Erfolg nach neun Rennen schwang sich der Red-Bull-Pilot wieder zum ersten Verfolger von WM-Spitzenreiter Fernando Alonso auf. Der Ferrari-Pilot hat nach Platz drei im asiatischen Stadtstaat noch 29 Punkte Vorsprung auf Vettel, der sich von Rang vier auf Platz zwei der Gesamtwertung verbesserte.

Vettel musste seine Siegesfeier dabei länger unterbrechen. Die Rennkommissare sprachen ihn erst im Anschluss vom Vorwurf der Behinderung des zweitplatzierten Jenson Button frei. Der Titelverteidiger hatte sich zuvor 40 Minuten lang für den Vorfall rechtfertigen müssen. Der McLaren-Pilot hatte sich von Vettel am Ende der ersten Safety-Car-Phase ausgebremst gefühlt, als er nur knapp einen Unfall mit dem Deutschen vermeiden konnte. Sein Teamkollege Mark Webber wurde nachträglich mit einer 20-Sekunden-Zeitstrafe belegt, weil er im Rennen die Strecke kurzfristig verlassen hatte. Der Australier fiel durch die Strafe auf Platz elf zurück; Sauber-Fahrer Sergio Perez rückte dafür auf Rang zehn vor.

Vettels Helm hilft beim Siegen, Strafe für Schumi

Vettels mit 24 LED-Leuchten bestückter "Glitzerhelm", mit dem er nach eigener Aussage "wie eine Discokugel" aussah, wirkte also direkt beim ersten Einsatz als Glücksbringer. Auf dem für 3.500 Euro umgebauten Helm zeigten je acht Lichter die verschiedenen Tierkreiszeichen Vettels und seiner Familie an. "Die Strecke ist ein echter Killer, und wir haben natürlich auch von Lewis' Ausscheiden profitiert", sagte Vettel auf dem Podium: "Jetzt genießen wir erst mal den Tag, und dann schauen wir mal, was noch geht." Watkins lobte er als "sehr speziellen Mann, dem wir zu verdanken haben, dass wir heute so sicher fahren."

Neben Hamiltons Ausfall hatten gleich zwei Safety-Car-Phasen innerhalb kurzer Zeit für Tumulte gesorgt. Die zweite davon verursachte Rekordweltmeister Michael Schumacher, der durch den Unfall mit dem Franzosen Jean-Eric Vergne (Toro-Rosso) vor der Entscheidung über seine Zukunft wenig Werbung in eigener Sache betrieb. Schumacher wird nach seinem Auffahrunfall beim nächsten Grand Prix in Japan um zehn Startplätze zurückversetzt. Der Mercedes-Pilot habe seinen Fehler bei dem Crash mit Toro-Rosso-Fahrer Jean-Eric Vergne sofort eingeräumt, teilte der Weltverband FIA mit. Schumacher habe die Veränderung der Bremskraft seines Autos durch die vorangegangene Safety-Car-Phase unterschätzt, hieß es weiter. Die Strafe fiel deshalb so hart aus, weil es bereits Schumachers zweites Vergehen in dieser Saison war.

Schumacher war nach der spektakulären Kollision mit Vergne sichtbar genervt. "Ich muss analysieren, was da passiert ist", sagte er, nachdem er scheinbar ohne Reaktion Vergnes Toro Rosso ins Heck gefahren war: "Ich habe nicht zu spät gebremst, sondern eher einen Tick zu früh, aber die Verzögerung kam viel zu spät, keine Ahnung, warum." Vielleicht sei der Reifendruck zu niedrig gewesen, vielleicht habe das Auto aufgesetzt - zunächst müsse man mal den Grund herausfinden, bevor man über eine Strafe nachdenke, sagte Schumacher.

Zweiter hinter Vettel wurde Jenson Button im McLaren. Nico Rosberg belegte im Mercedes Rang fünf, Timo Glock im Marussia Rang Zwölfter. Der WM-Dritte Kimi Räikkönen (Lotus) beendete das Rennen auf Platz sechs.

Formel 1- Bilder vom Rennen in Singapur

Sebastian Vettel feiert in Singapur seinen zweiten Saisonerfolg.

Bilder vom Grand Prix in Singapur

Attraktives Rahmeprogramm beim Formel-1-Rennen in Singapur. Das Rennen auf den Straßen des Stadtstaates wird 2012 zum fünften Mal ausgetragen.

Attraktives Rahmeprogramm beim Formel-1-Rennen in Singapur. Das Rennen auf den Straßen des Stadtstaates wird 2012 zum fünften Mal ausgetragen.

Temperaturen um 30 Grad auch in der Nacht: Sebastian Vettel kühlt vor dem Grand Prix seinen Kopf.

Während beim start in den vorderen Reihen alles glatt läuft, qualmt es weiter hinten im Feld: Beim Kampf um die Positionen wird kein Zentimeter veschenkt.

Sebastian Vettel übernimmt knapp zur Hälfte des Rennens die Führung und gibt diese nicht mehr ab. Der amtierenden Weltmeister feiert auf dem Siegerpodest mit dem Zweiten, Jenson Button.

Michael Schumacher kommt in Singapur nicht ins Ziel. Der siebenmalige Champion verursacht eine Crash und scheidet aus.

Schumacher verbremst sich und kracht Jean-Eric Vergne ins Heck. Zusammen mit dem Toro-Rosso-Piloten, jüngster Fahrer im Feld, macht sich Schumacher auf den Weg in die Boxengasse.

Skepischer Blick von Fernando Alonso: Der Spanier wird zwar in Singapur Dritter. Doch Vettel rückt dem Führenden in der Gesamtwertung immer weiter auf die Pelle.

"Es hat lange genug dauert, bis ich einmal wieder gewinnen konnte", sagt Vettel nach dem Rennen. Auf dem Siegerpodest ist der zweimalige Champion sichtlich angefasst.

Gedenken an Prof. Sid Watkins

Vor dem Start hatten die Fahrer und Teamchefs ihres verstorbenen "Doktor Sid" gedacht. Hamilton war beim Start für Vettel nicht zu erreichen, doch den Überraschungs-Zweiten Pastor Maldonado (Williams) kassierte der Weltmeister wie erhofft gleich in der zweiten Kurve. Auch Button zog am Venezolaner vorbei, Alonso blieb hinter dem Williams-Piloten Fünfter. Die Silberpfeile duellierten sich direkt nach dem Start, Rosberg parierte Schumachers Angriff und blieb Neunter.

Vettel hielt zunächst den Kontakt zu Hamilton, danach ließ das Feld etwas abreißen. Nach acht Runden lag der Weltmeister nur 1,7 Sekunden hinter dem Führenden, dessen Teamkollege Button führte mit fünf weiteren Sekunden Rückstand das Verfolgerfeld an. Ein Fahrfehler des Hessen kostete ihn dann etwa zwei Sekunden. Durch den direkt folgenden Boxenstopp fiel er dann auf Rang zehn zurück und steckte fortan auch noch im Verkehr fest.

Als nach 15 Umläufen die gesamte Spitzengruppe den ersten Boxenstopp absolviert hatte, fand sich Vettel aber wiederum als Zweiter hinter Hamilton wieder. Die Abstände waren fast exakt dieselben wie vor den Stopps. Hülkenberg, der als Letzter frische Reifen holte, hielt auf dem zwischenzeitlichen fünften Platz Alonso auf, der ihn erst in der 17. Runde überholte.

Hamiltons McLaren bleibt liegen

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Der Schock für Hamilton dann in der 23. Runde: Sein McLaren blieb wegen eines Getriebeschadens liegen, Vettel erbte die Führung mit zu diesem Zeitpunkt rund 3,5 Sekunden Vorsprung auf Button. Eine weitere Wendung bekam das Rennen nach etwas mehr als der Hälfte, als der Inder Narain Karthikeyan durch seinen Unfall eine Safety-Car-Phase auslöste. In dieser schied auch Maldonado mit einem Hydraulik-Schaden aus. Erst nach sechs Runden ging das Safety Car von der Strecke. Nun war klar, dass die geplanten 61 Runden innerhalb der Zwei-Stunden-Frist nicht gefahren werden können.

Zumal das Rennen kurz darauf schon wieder neutralisiert werden musste, diesmal hatte Schumacher die Safety-Car-Phase verursacht. Nach dem Restart regte sich Button über den Boxenfunk über Vettel auf, dem er beinahe ins Heck gerauscht wäre. "Das war fast ein Start/Stopp-Spielchen", schimpfte der Brite. Kurz darauf flogen auch bei einer Berührung von Hülkenberg und Kamui Kobayashi Autoteile durch die Luft. Auch hier war der Deutsche schuld. "Das hat Nico selbst verbockt", sagte Experte Marc Surer bei Sky. Hülkenberg und der Japaner konnten das Rennen aber nach einem Boxenstopp beenden.

sid | Stand: 23.09.2012, 19:44

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