Lewis Hamilton rast auf den WM-Titel zu

Lewis Hamilton feiert mit Max Verstappen (l.) und Daniel Ricciardo auf dem Siegerpodest

Grand Prix in Japan

Lewis Hamilton rast auf den WM-Titel zu

Die nächste Ferrari-Panne hat Sebastian Vettel wohl endgültig um den WM-Titel gebracht. Sein Rivale Lewis Hamilton im Mercedes gewann den Großen Preis von Japan und könnte sich schon beim US-Rennen in zwei Wochen in Austin zum Weltmeister krönen.

"Schon gegen Ende der Formationsrunde war keine Leistung da, wir haben versucht, das irgendwie zu retten, es ging aber nicht", sagte Vettel mit versteinerter Miene. "Die Enttäuschung ist schon riesengroß." Vettel musste in Suzuka bereits in der vierten Runde aufgeben - ein Problem mit der Zündkerze brachte ihn um jede Chance. Hamilton gewann am Sonntag (08.10.2017) vor dem Red-Bull-Duo Max Verstappen (Niederlande) und dem Australier Daniel Ricciardo. Der Brite geht mit einem Vorsprung von 59 Punkten auf Vettel in die letzten vier Saisonrennen. Holt er beim nächsten Rennen in Austin 16 Punkte mehr als der Deutsche, dann ist der Titelkampf schon entschieden.

Hülkenberg nicht im Ziel, Wehrlein 15.

Auch für die übrigen Deutschen war es ein verlorener Tag. Nico Hülkenberg im Renault schied ebenfalls aus, Sauber-Pilot Pascal Wehrlein wurde 15. und damit Letzter.

Niki Lauda bremst die Euphorie

"Ich konnte ja nur davon träumen, in dieser Saisonphase so einen Vorsprung in der WM-Wertung zu haben", sagte Hamilton bei der Siegerehrung, "aber unser Team macht einen Super-Job, sowohl an der Box als auch daheim in der Fabrik. Da wird wirklich auf jedes Detail geachtet, dafür bin ich den Jungs unglaublich dankbar." Team-Vorstand Niki Lauda mahnte allerdings am "Sky"-Mikrofon vor zu frühem Jubel: "Ich rechne immer mit Sebastian Vettel und Ferrari. Gewonnen ist erst, wenn man den Titel in der Hand hat."

Pech- und Pannenserie bei Ferrari

Besonders Vettel dürfte der Rückfall in schlimmste Ferrari-Zeiten einige Kopfschmerzen bereiten. In den vergangenen drei Wochen brachte ihn eine andauernde Pech- und Pannenserie auf der Asientour um seine zuvor ziemlich guten Chancen auf den ersten Titel mit der Scuderia. In Singapur war Vettel als Pole-Setter durch einen unnötigen Startunfall ausgeschieden - dieses Rennen hätte er bei normalem Verlauf wohl gewonnen. Vor einer Woche warfen den 30-Jährigen in Malaysia Antriebsprobleme im Qualifying ans Ende des Feldes zurück, mit dem schnellsten Auto wurde er im Rennen noch Vierter - auch in Sepang hätte Vettel gewinnen können.

Hektik vor dem Start

In Suzuka stand der Hesse auf dem zweiten Startplatz hinter Hamilton - und schon wieder brach Hektik bei der Scuderia aus. Kurz vor Rennbeginn wurde gewerkelt, die Zündkerze war das Problem. Am Start hielt sich Vettel noch hinter Hamilton auf Rang zwei, "aber schon da hatte ich keine Leistung, sonst wäre ich vorbeigekommen", sagte er später. Im weiteren Verlauf der ersten Runde hatte Vettel dann keine Chance, die Verfolger um Max Verstappen und Valtteri Bottas hinter sich zu halten - auf den Geraden fehlte Geschwindigkeit, die Konkurrenz zog locker vorbei. Vettel drehte ein paar weitere Runden, doch bald kam die Anweisung über Funk: "Sebastian, komm an die Box. Es geht nicht mehr weiter."

Trost vom Chef

Noch eine ganze Weile saß der Deutsche anschließend resigniert in seinem Boliden, während das Team bereits die Motorabdeckung an dem SF70H entfernte. Anschließend redete Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene auf Vettel ein, umarmte ihn, doch der gefallene Mitfavorit zuckte nur mit den Schultern. "Wir sind alle am Limit, manchmal gehen Dinge halt kaputt", sagte er wenig später, "normalerweise haben wir immer alles im Griff, aber manchmal geht es schief." Über Konsequenzen innerhalb des Teams wollte Vettel in Suzuka noch nicht sprechen: "Das ist Quark, die Jungs sind alle voll motiviert. Aber manchmal trifft es einen halt."

Es war nun allerdings schon der dritte in einer Reihe von Fehlern, die den viermaligen Weltmeister wohl um den Titel gebracht haben. Hamilton konnte die Red Bulls das gesamte Rennen über zwar nicht abschütteln, brachte seinen achten Saisonsieg letztlich aber sicher ins Ziel.

sid/dpa/red | Stand: 08.10.2017, 09:03

Formel 1 | Fahrer-WM

Name P
1. Lewis Hamilton 306
2. Sebastian Vettel 247
3. Valtteri Bottas 234
4. Daniel Ricciardo 192
5. Kimi Räikkönen 148
Darstellung: