Formel 1 - Vettel siegt im Fürstentum

Sebastian Vettel auf der Zielgeraden in Monaco

Großer Preis von Monaco

Formel 1 - Vettel siegt im Fürstentum

Sebastian Vettel hat 16 Jahre nach Michael Schumachers Triumph wieder für einen Ferrari-Sieg in Monaco gesorgt und den schwächelnden Lewis Hamilton in der WM vorerst distanziert.

Dank einer cleveren Strategie und einer makellosen Leistung zog Vettel am Sonntag (28.05.17) in Monte Carlo im Teamduell an dem von der Pole Position gestarteten Kimi Räikkönen vorbei. Der viermalige Formel-1-Weltmeister baute durch den 45. Sieg seiner Karriere und den dritten in dieser Saison seinen WM-Vorsprung auf Hamilton auf 25 Punkte aus.

"Das Auto ist fantastisch. In den entscheidenden zwei Runden habe ich alles gegeben. Das Auto hat es gerichtet", funkte Vettel an seine Box. "Es war unglaublich, ein sehr intensives Rennen. Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Bei den Boxenstopps war nicht viel Planung möglich", führte Vettel nach der Pokalübergabe aus.

Hamilton holt sechs Plätze auf

Vorjahressieger Hamilton raste nach einer verkorksten Qualifikation vom 13. Startplatz immerhin auf den siebten Platz. "Auf mehr konnte ich nicht hoffen", sagte ein zufriedener Hamilton nach dem Rennen: "Unglaublich, dass ich überhaupt noch Punkte eingefahren habe."

Sebastian Vettel in Monaco nicht zu schlagen

Sportschau | 28.05.2017 | 00:37 Min.

Teamkollege Valtteri Bottas verpasste als Vierter hinter Daniel Ricciardo im Red Bull ebenfalls das Podest: Ein herber Rückschlag der erfolgsverwöhnten "Silberpfeile" im Kampf gegen Ferrari, das erstmals seit Hockenheim 2010 einen Doppelerfolg bejubeln durfte und nun auch die Konstrukteurswertung anführt.

"Ferrari muss man gratulieren. Für uns ist das Rennen nicht gut gelaufen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hinterher: "Hoffentlich war das unser schlechtestes Wochenende."

Spektakulärer Crash von Wehrlein

Für die beiden weiteren deutschen Piloten endete das Rennen vorzeitig: Nico Hülkenberg musste seinen rauchenden Renault schon früh abstellen, Pascal Wehrlein landete nach einem heftig aussehenden Abflug fast kopfüber mit seinem Sauber in den Reifenstapeln. Umgehend erkundigte sich auch Vettel noch im Auto nach Wehrleins Befinden.

Der ehemalige DTM-Champion, der wegen eines Unfalls beim "Race of Champions" im Januar mit Verspätung in die Saison gestartet war, gab aber schnell Entwarnung und stieg unverletzt aus seinem Auto aus. "Soweit bin ich ok, im Auto habe ich nichts mitbekommen, bis ich mich überschlagen habe", sagte Wehrlein nach dem Rennen und griff Jenson Button scharf an: "Es war völlig unnötig, so eine Aktion zu starten".

Er war durch eine Berührung der Räder mit dem McLaren-Honda Buttons ausgehoben worden - sein Auto landete im 90-Grad-Winkel am Reifenstapel. "Ich dachte es gibt genug Platz, dann hat er reingezogen und es kam zur Kollision. Ich bin froh, dass es ihm gut geht", reagierte Button auf die Szene. Der Brite war durch die Teilnahme von Fernando Alonso beim Indy 500 für ein Rennen zurückgekehrt.

Nur 13 Autos erreichen das Ziel

Teamkollege und Neuling Stoffel Vandoorne setzte seinen McLaren Honda kurz vor Rennende ebenso in die Bande wie Wehrleins Teamkollege Marcus Ericsson. Letztlich beendeten nur 13 Fahrer das Rennen, sieben schieden aus.

Erfolgreich war der Rennsonntag bei den "kleinen Teams" vor allem für Haas. Romain Grosjean (8.) und Kevin Magnussen (10.) fuhren beide in die Punkte. Auch Felipe Massa strich auf Rang neun zwei Punkte für Williams ein. Carlos Sainz Jr. fuhr seinen Toro Rosso mit einer starken Vorstellung auf Position sechs.

Ein Nachspiel könnte das Rennen für Force-India-Pilot Sergio Perez haben. Der Mexikaner verursachte kurz vor Schluss eine Kollision mit Daniil Kwjat. Der Russe schied aus, auch Perez verlor einige Plätze. Womöglich droht ihm für den Großen Preis von Kanada sogar noch eine nachträgliche Strafe.

Alles in der Reihe nach dem Start

Vettels Hoffnung beim Start, von Position zwei aus Räikkönen zu überholen, war nach gut 200 Metern dahin. Er kam an den Pole-Mann bis zur Sainte Devote, der ersten von 19 Kurven auf dem nur gut 3,3 Kilometer langen Kurs, nicht ran. Platz zwei gegen Bottas im Mercedes und die folgenden Rivalen konnte er aber problemlos verteidigen.

Immerhin schadlos überstand Hamilton den Start. Nach dem Qualifikations-Desaster mit einem hilflosen Fahrer und einem ratlosen Team konnte er zunächst nur einen Platz gut machen. Viel passierte auch in der Folge nicht - Ferrari fuhr ein einsames Rennen. Richtig nah dran kam Vettel seinem finnischen Teamkollegen aber zunächst nicht.

Spekulationen um eine Teamorder machten schnell die Runde. "Nee, möchte ich nicht", hatte Vettel, der bis dahin erst einmal in Monte Carlo (2011) hatte gewinnen können, aber vor dem sechsten Saisonrennen schon betont.

Boxenstopps bringen Platzverschiebungen

Nach der Hälfte des Rennens begann dann die Zeit der Boxenstopps: Und Vettel machte bei zwei sehr schnellen Runden auf alten Reifen Zeit gut, nachdem Räikkönen vor ihm zum Reifenwechsel gekommen war. Dann kam auch er rein, exakt zur Hälfte des Rennens. Es klappte: Vettel kam ein paar Meter vor Räikkönen zurück auf die Strecke, zudem zog Ricciardo an Bottas vorbei.

Dabei schien es zu bleiben, bis das Safety Car wegen des Wehrlein-Unfalls rausmusste. Noch einmal wurde es spannend. Das Feld wurde wieder zusammengestaucht, beim Neustart erwies sich Vettel aber wie schon vorher als überlegen. Dahinter verteidigten auch die gegen einen Vettel in Weltmeister-Form machtlosen Verfolger zumindest ihre Plätze.

dpa/msc | Stand: 28.05.2017, 20:40

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