Weltmeister Rosberg meldet sich zum Feiern ab

Nico Rosberg

Formel 1 - Nach der WM-Entscheidung in Abu Dhabi

Weltmeister Rosberg meldet sich zum Feiern ab

Nach dem Gewinn des WM-Titels will Nico Rosberg richtig feiern: "Ich melde mich für die nächsten Tage ab", sagte der Mercedes-Pilot nach einem der anstrengendsten Rennen seiner Karriere.

Der Mercedes-Pilot sicherte sich am Sonntag beim Saisonfinale in Abu Dhabi den zweiten Platz hinter seinem Mercedes-Teamkollegen und letzten Titelrivalen Lewis Hamilton (England) und gewann mit fünf Punkten Vorsprung die ersehnte Meisterschaft. Nach elf langen Jahren in der Königsklasse ist der Wiesbadener damit der dritte deutsche Weltmeister nach Rekordchampion Michael Schumacher (7 Titel) und Sebastian Vettel (4). "Das war nicht das schönste Rennen in meinem Leben", sagte Rosberg auf dem Siegerpordest, "erst der Start und dann die Jungs in meinem Nacken am Ende, das war nicht schön. Aber ich bin froh in die Fußstapfen meines Vaters treten zu können." Vater Keke Rosberg hatte 1982 den WM-Titel erringen können.

Rosberg zollte Hamilton "großen Respekt. Du warst ein sehr harter Gegner." Hamilton gratulierte fair zurück, nachdem er seinem früheren Kart-Kumpel die Hand gereicht hatte: "Großer Glückwunsch an Nico für die erste Meisterschaft. Guter Job, Mann."

Grandioses Überholmanöver gegen Verstappen

Mitentscheidend für Rosbergs WM-Triumph in der hell erleuchteten Wüstennacht war ein entschlossenes Überholmanöver gegen den letztlich viertplatzierten Niederländer Max Verstappen (Red Bull) in der 20. Runde. Dritter wurde nach einem starken Schlussspurt Sebastian Vettel im Ferrari. Nico Hülkenberg (Force India) holte sich Rang sieben, Pascal Wehrlein kam auf Platz 14 ins Ziel.

Hamilton war mit zwölf Punkten Rückstand auf Rosberg in das 21. Rennen der Saison gestartet. Der WM-Spitzenreiter hätte in der Wüstennacht von Abu Dhabi das Podium verfehlen müssen, damit Hamilton noch eine Chance auf seinen vierten Titel gehabt hätte und damit den dritten in Folge im heißkalten Stallduell mit Rosberg gefeiert hätte.

Hamilton fuhr absichtlich langsam - Wolff will "reinschlagen"

Der Brite ließ nichts unversucht. Am Ende fuhr er sogar absichtlich langsam, um Rosberg auszubremsen und den Verfolgern die Chance zu geben, diesen zu attackieren. Mehrfach forderte die Mercedes-Box Hamilton eindringlich auf, wieder schneller zu fahren, letztlich schaltete sich sogar Technikchef Paddy Lowe ein. "Wir sahen den Rennsieg in Gefahr", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei sky, "und das haben wir Lewis gesagt. Aber das hat er missachtet." Wolff kündigte Konsequenzen für Hamilton an: "Da müssen wir jetzt reinschlagen." Wie diese Konsequenzen aussehen, dazu äußerte sich Wolff nicht.

Verstappen crasht und pflügt dann durchs Feld

Der von Platz zwei gestartete Rosberg verlor den Start gegen Pole-Setter Hamilton, hielt aber alle Kontrahenten zunächst hinter sich. Verstappen fiel nach einer Kollision in der ersten Runde auf Rang 16 zurück, wurde mit einer alternativen Reifenstrategie und einer starken Fahrt aber schnell zur potenziellen Gefahr für Rosberg, der die Situation bravourös und im Stile eines Champions löste.

In der zweiten Rennhälfte schloss Rosberg gar zu Hamilton auf, verzichtete aber auf einen ernsthaften Überholversuch, um kein mögliches Ausscheiden oder eine Strafe zu riskieren. Rosberg holte den zweiten Formel-1-Titel in die Rennfahrerfamilie: Vor 34 Jahren hatte sein Vater Keke triumphiert, der in Abu Dhabi nicht an der Strecke war.

Zweites Vater-Sohn-Weltmeister-Paar nach den Hills

Rosberg junior ist erst der zweite Weltmeister-Sohn, der es in der Königsklasse ebenfalls ganz nach oben geschafft hat. Zuvor war dies nur Damon Hill (1996) gelungen, der auf seinen Vater Graham Hill (1962, 1968) folgte. Ex-Champion Jenson Button (Großbritannien), der in Abu Dhabi seinen 305. und letzten Grand Prix bestritt, schied nach einem Aufhängungsschaden an seinem McLaren in der 13. von 55 Runden aus.

Hamilton hatte das gesamte Wochenende mit Psychokniffen daran gearbeitet, seinen Dauerrivalen aus dem Konzept zu bringen. "Wenn er tatsächlich das Etikett Weltmeister erhält, dann muss das nicht heißen, dass auch ich ihn so sehe", hatte Hamilton am Freitag erklärt und sich angesichts seiner großen technischen Probleme in der Saison als den moralischen Weltmeister bezeichnet.

Stand: 27.11.2016, 17:01

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