Pirelli liefert neue Reifen für Nürburgring-Grand-Prix

Mechaniker mit Pirelli-Reifen

Sicherheitsdebatte in der Formel 1

Pirelli liefert neue Reifen für Nürburgring-Grand-Prix

Angesichts des drohenden Fahrer-Streiks hat die Formel 1 reagiert. Pirelli liefert schon für das Rennen am Nürburgring überarbeitete Reifen.

Am Tag nach dem Rennen von Silverstone mit vier geplatzten Hinterreifen gab sich Exklusivhersteller Pirelli noch ratlos. Am Dienstag (02.07.13) präsentierten die Italiener nun doch überraschend schnell Antworten, nachdem der Automobil-Weltverband FIA den Druck erhöht hatte und die Fahrer laut über einen möglichen Streik nachdachten. Die Pneus, die den Fahrern in Silverstone gleich reihenweise um die Ohren flogen, haben ausgedient. Für das Rennen am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring wird Pirelli nun überarbeitete Reifen liefern. Dies bestätigte Pirelli am Donnerstag.

Dabei soll ein Stahlband in der Innenschulter der Reifen wieder durch Kevlar ersetzt werden. Das Stahlband heizt sich mehr auf als Kevlar. Die Temperaturen übertragen sich auf die Lauffläche der Reifen, wodurch sich die Gummifläche ablöst. Reifen mit Kevlar-Gürtel wollte Pirelli bereits Anfang Juni in Kanada einsetzen. Dies war aber am Veto von Ferrari, Lotus und Force India gescheitert.

Komplett neue Reifen für Ungarn-Grand-Prix

"Die bestürzenden Vorfälle haben die von uns bereits unterbreiteten Vorschläge nötig gemacht", erklärte Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery. Für die verheerenden Reifenplatzer in Silverstone seien laut Pirelli mehrere Faktoren veantwortlich gewesen, unter anderem falsch montierte Hinterreifen und ein zu geringer Druck der sensiblen Gummimischungen. Extreme Sturzwinkel auf der Strecke in Silverstone und aggressive Bordsteine in schnellen Kurven hätten die Probleme noch verstärkt. Der Hersteller stellte jedoch klar, dass die 2013er Pneus keineswegs die Fahrsicherheit gefährden würden, wenn sie korrekt genutzt werden.

Für das Rennen in Budapest Ende Juli will Pirelli außerdem eine komplett neue Reifenmischung an den Start bringen, die sich aus den Vorjahresmodellen und den aktuellen Pneus zuammensetzt. Damit dies nicht wieder am Einspruch der Teams zu scheitern droht, hat die FIA ein Machtwort gesprochen: Die Regelhüter haben angekündigt, den entsprechenden Passus im Technischen Regelwerk, der ein einstimmiges Votum der Teams vorsieht, kurzerhand zu ändern. "Unsere Priorität ist, die Sicherheit für alle in der Formel 1 zu gewährleisten und wir glauben, dass die Vorfälle in Silverstone ernsthafte Sicherheitsbedenken für die Fahrer bedeuten", sagte FIA-Präsident Jean Todt, der für den Mittwoch auf dem Nürburgring eine weitere Krisensitzung einberufen hat.

Testverbot gelockert - neuer Streit vorprogrammiert?

Außerdem lockerte die FIA das Testverbot für die laufende Saison. Beim eigentlichen Nachwuchsfahrer-Test (17. bis 19. Juli) auf dem Kurs in England wollen die Rennkommissare nun auch die Stammpiloten hinters Steuer lassen. Die FIA behält sich auch noch vor, die Testfahrten um einen Tag zu verlängern. Der Weltverband wird nach Angaben des Fachmagazins "Autosport" sogar eigene Beobachter zu den Probefahrten Mitte Juli schicken. Damit soll sichergestellt werden, dass die Teams nicht heimlich an der Weiterentwicklung ihrer aktuellen Autos arbeiten.

Dies hatte erst kürzlich zum Steit zwischen Mercedes und Red Bull geführt. Der deutsche Rennstall wird infolgedessen an den kommenden Tests auch nicht teilnehmen. Das Team um Silverstone-Sieger Nico Rosberg war wegen eines Privattests für Exklusiv-Ausrüster Pirelli bereits Mitte Mai von Testfahrten ausgeschlossen worden. Die Silberpfeile hätten nun im "Interesse des Sports" akzeptiert, auch weiterhin auf die Zusatzfahrten zu verzichten.

mixa/dpa/sid | Stand: 02.07.2013, 21:30

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