Mercedes trennt sich von Michael Schumacher

Mercedes-Pilot Michael Schumacher

Hamilton wird Nachfolger

Mercedes trennt sich von Michael Schumacher

Ist es das Karriereende? Michael Schumachers Vertrag beim deutschen Formel-1-Rennstall Mercedes wird nicht verlängert. Seine Nachfolge tritt Lewis Hamilton an.

Michael Schumachers auslaufender Vertrag mit den Silberpfeilen wird nicht mehr verlängert. Das bestätigte der Formel-1-Rennstall am Freitag (28.09.2012). Schumachers Nachfolger wird der bisherige McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der einen Dreijahresvertrag erhält. "Mit der Verpflichtung des Weltmeisters von 2008 beginnt für das Mercedes AMG Petronas Formel-1-Team ein neues Kapitel. Lewis wird Michael Schumacher ersetzen, der während der letzten drei Jahre maßgeblich zur Entwicklung des Silberpfeil-Teams beigetragen hat. In dieser Zeit erzielte das Team einen ersten Meilenstein des Erfolgs in der neuen Silberpfeil-Ära durch Nico Rosbergs Sieg im Grand Prix von China", teilte der Rennstall mit.

Surer: "Michael tut mir ein bisschen leid"

Mercedes-Fahrer Nico Rosberg freut sich auf seinen neuen Kollegen: "Sehr cool, dass Lewis mein neuer Teamkollege wird. Das wird eine weitere große Herausforderung", twitterte Rosberg. Formel-1-Experte Marc Surer hingegen bedauerte, dass Schumacher seinen Platz bei Mercedes für Hamilton räumen muss: "Michael tut mir ein bisschen leid", sagte der Schweizer im Gespräch mit Sky Sport News HD. Er erlebe jetzt bei Mercedes die gleiche Situation wie vor ein paar Jahren bei Ferrari. "Damals musste er für Kimi Räikkönen Platz machen, jetzt für Hamilton. Die Tatsache, dass er selbst eine Entscheidung für Oktober angekündigt hatte, zeigt, dass er nicht ganz freiwillig geht", sagte Surer.

Ottke: "Er ist und bleibt der Größte"

Auch andere Sportler ließ Schumachers Aus bei Mercedes nicht kalt. "Das ist ein reisengroßer Verlust. Michael ist natürlich ein extremer Sympathieträger. Jetzt müssen andere einspringen. Ich hoffe natürlich, dass Sebastian (Vettel, d. Red.) das macht", sagte Diskus-Olympiasieger Robert Harting. "Falls er wirklich kein Cockpit bekommt, wünsche ich ihm, dass er mit sich im Reinen ist und auf eine gute Karriere zurückblicken kann. Er ist die Nummer eins im deutschen Rennsport und hat Unglaubliches geleistet", sagte der dreimalige Biathlon-Olympiasieger Michael Greis. Das ist schon dramatisch, weil er ist und bleibt der Größte. Aber ich glaube, es reicht langsam auch. Jetzt muss er einen neuen Lebensabschnitt finden. Einer der ganz Großen tritt ab von der Sportbühne", bilanzierte Ex-Boxer Sven Ottke.

Perez wird Nummer zwei bei McLaren

Schumacher kommentierte sein Aus so: "Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-F1-Team, die leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alle gewünscht hatten." Und er fügte hinzu: "Ich wünsche Lewis alles Gute und der gesamten Mannschaft den Erfolg, für dessen Aufbau wir so hart gearbeitet haben. Jetzt werde ich mich auf die kommenden Rennen konzentrieren." McLaren hat auch schon einen Nachfolger für Hamilton. Die Briten verpflichteten für 2013 den Mexikaner Sergio Perez als zweiten Fahrer neben Ex-Weltmeister Jenson Button.

Managerin: Weiterer Wechsel "heute einfach kein Thema"

Hamilton sagte zu seinem Wechsel: "Es ist für mich jetzt die Zeit gekommen, eine neue Herausforderung anzunehmen, und ich freue mich, ein neues Kapitel damit zu beginnen, für Mercedes AMG Petronas zu starten." Schumachers Karriere könnte damit nach dem letzten Saisonrennen am 25. November in Sao Paulo enden. Oder geht sie in einem anderen Rennstall weiter? "Das ist heute einfach kein Thema", sagte seine Managerin Sabine Kehm am Freitag zu einem möglichen weiteren Wechsel des einstigen Ferrari-Stars.

Michael Schumachers Karriere in Bildern

Trotz seiner drei mageren Jahre bei Mercedes ist Michael Schumacher der König der Rennfahrer. Kein anderer hat die Geschichte der Formel 1 so nachhaltig geprägt wie er. sportschau.de zeigt seine einzigartige Karriere in Bildern.

Michael Schumacher

Unschuldiges Lächeln, jungenhafte Züge und Werbung für ein Pfefferminzbonbon: So präsentiert sich Michael Schumacher, als er am 25. August 1992 sein Debüt in der Formel-1-Rennserie im belgischen Spa-Francorchamps gibt. Es ist der Beginn einer ganz großen Motorsport-Karriere.

Unschuldiges Lächeln, jungenhafte Züge und Werbung für ein Pfefferminzbonbon: So präsentiert sich Michael Schumacher, als er am 25. August 1992 sein Debüt in der Formel-1-Rennserie im belgischen Spa-Francorchamps gibt. Es ist der Beginn einer ganz großen Motorsport-Karriere.

Der erste Grand-Prix-Sieg lässt nicht lange auf sich warten. Ein Jahr später gewinnt Schumacher in Spa sein erstes Formel-1-Rennen. Die Strecke in den  Ardennen liegt ihm bis heute besonders am Herzen. "Ich liebe einfach diese großartige Natur dort und die daraus resultierende Streckenführung mit den Aufs und Abs. Für mich ist Spa nach wie vor mein Wohnzimmer, denn hier haben sich so viele Dinge abgespielt, die für meine sportliche Karriere bedeutsam waren", sagt der siebenmalige Weltmeister noch heute.

Sein zweites Jahr in der Formel 1 beendet Schumacher als beachtlicher Dritter. Schon früh legt der Heißsporn den Respekt vor den Etablierten ab. Nach einer Startkollision beim Frankreich-GP mit Ayrton Senna wies ihn die brasilianische Legende zurecht: "Schumacher ist ein dummer Junge." Dieser entgegnete selbstbewusst: "Mich hat niemand in die Schranken zu weisen. Meine Grenzen setze ich mir selber."

Die Erfolgsleiter kannte offenbar keine Grenzen. 1994 ist Schumacher am vorläufigen Ziel angelangt. Im australischen Adelaide wird er als erster Deutscher Formel-1-Weltmeister überhaupt.

Dabei macht ihn ein Unfall zum Champion. Beim Australien-GP kollidiert er mit seinem Widersacher, dem Briten Damon Hill. Schumachers Benetton steigt in die Luft, landet aber wieder auf den Rädern. Die Kontrahenten scheiden beide aus. Dadurch ist Schumacher mit einem Pünktchen Vorsprung Sieger vor Hill - und Deutschland plötzlich im Formel-1-Fieber.

So umstritten Schumachers menschliche Eigenschaften in der frühen Phase seiner Laufbahn sind, so unumstritten waren seine fahrerischen Qualitäten. Mit kompromisslosem Einsatz, hoher Risikobereitschaft und aggressiver Fahrweise macht er sich schnell einen Namen.

Weitere Erfolge bleiben nicht aus. Schumacher bestätigt seine fahrerische Vormachtstellung und holt sich 1995 die Titelverteidigung. Unvergessen: Der Ausnahmefahrer siegt vor 120.000 Fans auf dem Hockenheim-Ring. Damit gewinnt erstmals ein deutscher Fahrer einen Grand Prix auf deutschem Boden.

Auch privat läuft alles rund. Am 1. August 1995 heiratet Michael Schumacher in Kerpen-Manheim seine Freundin Corinna Betsch, eine gelernte Einzelhandelskauffrau.

Ein Jahr später - 1996 - entschließt sich Schumacher, den Rennstall zu wechseln. Er unterschreibt für zwei Jahre bei Ferrari und sollte den traditionsreichen italienischen Rennstall zu langersehnten Erfolgen führen.

Doch auf die ganz großen Triumphe müssen Schumacher und die Tifosi zunächst warten. 1997 gilt der Deutsche als großer Anwärter auf den Titel. Doch es entwickelt sich ein hart geführtes Duell mit dem Kanadier Jacques Villeneuve. Das letzte Rennen in Jerez muss die Entscheidung bringen. Beide Kontrahenten legen Runde um Runde im Gleichschritt zurück, ehe Villeneuve den entscheidenden Angriff wagt. Beide Autos berühren sich. Schumacher fliegt von der Strecke, der Kanadier ist Weltmeister.

Zwei Jahre später trifft es Schumacher noch härter.  Beim GP von England in Silverstone rast er wegen eines Bremsdeffekts von der Piste und bricht sich das rechte Bein. Wieder wird es nichts mit der Weltmeisterschaft für Schumacher und Ferrari.

Im Jahr 2000 ist es endlich soweit. Im fünften Jahr bei Ferrari gelingt Schumacher der große Wurf - Weltmeister im roten Renner! Der deutsche Pilot ist von Beginn der Saison an der überragende Mann und nur Mitte der Serie kurz in Gefahr, als er dreimal ausfällt.

Mit drei weiteren Siegen in Folge macht Schumacher jedoch alles klar und stürzt Maranello, die Heimat von Ferrari, und ganz Italien in einen roten Freudentaumel.

Schumacher soll fortan die Formel-1-Szene bestimmen wie kein zweiter Fahrer zuvor. Hatte man 2000 Zweifel angemeldet, ob "Schumi" wohl noch bester Fahrer der Szene sei oder vielleicht doch Doppel-Weltmeister Mika Häkkinen, so gibt der Deutsche Jahr für Jahr den Kritikern die passende Antwort.

Bis zum Jahr 2004 lässt Michael Schumacher vier weitere Weltmeister-Titel folgen und avanciert mit insgesamt sieben WM-Siegen zum Rekord-Champion der Formel-1-Geschichte. Bemerkenswert: Eine vermeintliche Erfolgsmüdigkeit stellt sich nicht ein. "Ich brauche nicht ein Ziel wie einen Titel, um mich zu motivieren. Es sind die Rennen, die das tun", betont er immer wieder.

Nach einem dritten Rang im Jahr 2005 ist ein Jahr später dann doch Schluss. Mit der Vize-Weltmeisterschaft verabschiedet sich Michael Schumacher im Spätherbst 2006 von Ferrari und gibt sein Karriere-Ende bekannt.

"Ich bin angekommen am Ende des Kreises", stellt Schumacher in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Oktober 2006 fest. In Sao Paulo fährt er zum Serienabschluss sein letztes Rennen für Ferrari, bei dem er nach zahlreichen unglücklichen Umständen noch einmal Vierter wird. Ferrari-Teamchef Jean Todt schwärmt: "Er ist ein einmaliger Rennfahrer." Doch nicht alle Reaktionen auf den Rücktritt sind positiv. "Ein Gott, ein Teufel", überschreibt beispielsweise die FAZ ihren Abschiedsartikel.

Lange hält es Schumacher im Ruhestand aber nicht aus. Nach drei Jahren gibt er am 23. Dezember 2009 sein Comeback bekannt, allerdings nicht für Ferrari, sondern bei Mercedes. Sein erstes Rennen nach der Rückkehr verläuft unspektakulär. Beim Großen Preis von Bahrain wird Schumacher Sechster. Ohnehin kann der frühere Champ in seiner zweiten Karriere an die großen Erfolge von einst nicht mehr anknüpfen. Mittelplätze sind für den mittlerweile 42-Jährigen das tägliche Brot. Mehr als drei vierte Plätze springen in der Saison 2010 nicht für ihn heraus.

Zu seinem 20. Jubiläum in der Formel 1 fährt Michael Schumacher 2011 in Spa auf den fünften Platz.

Nach einem verheißungsvollen dritten Platz im Qualifying wird Schumacher beim Großen Preis von Malaysia 2012 in Sepang von Lotus-Pilot Romain Grosjean früh in einen Dreher geschickt und beendet das Rennen auf dem zehnten Rang.

In Shanghai geht Schumacher 2012 als Zweiter des Qualifyings erstmals für Mercedes aus der ersten Startreihe ins Rennen. Beim Sieg seines Teamkollegen Nico Rosberg scheidet er allerdings frühzeitig aus.

Schumacher legt 2012 im Qualifying zum Großen Preis von Monaco zwar die schnellste Runde hin, geht aber dennoch nur von Startplatz sechs ins Rennen. Der Rekord-Weltmeister wird zurückversetzt, weil er zuvor beim Rennen in Barcelona einen Unfall mit Bruno Senna verursacht hatte.

Nach einer Aufholjagd heimst der von Platz zwölf gestartete Schumacher am Ende des Großen Preises von Europa in Valencia 2012 seine erste Podestplatzierung seit seinem Comeback ein.

Der 29. Juli 2012 ist ein schwarzer Tag in Schumachers Karriere: In Budapest verursacht er durch einen haarsträubenden Fehler einen Startabbruch. Der 43-Jährige bleibt bei der Aufstellung zum Rennen statt auf dem 17. auf dem 19. Platz stehen.

Schumacher fährt in seinem 300. Formel-1-Rennen beim Großen Preis von Belgien in Spa auf den siebten Rang.

Vor dem Rennstart in Singapur im September 2012 versäumt Schumacher die Schweigeminute für den verstorbenen Formel-1-Rennarzt Sid Watkins, weil er dringend auf die Toilette muss. Im Rennen verursacht der Deutsche dann einen Crash mit dem Franzosen Jean-Eric Vergne und sorgt für weitere Negativschlagzeilen - unter anderem, weil er Vergne in einem Interview "Jean-Marc" nennt.

Fünf Tage später gibt Mercedes die Trennung vom Rekord-Weltmeister bekannt. Sein Nachfolger wird der bisherige McLaren-Pilot Lewis Hamilton. Einzigartig bleiben Schumachers Formel-1-Rekorde. Er fuhr die meisten WM-Titel ein (7), die meisten Grand-Prix-Siege (91), die meisten Saisonsiege (13 in 2004), die meisten Podiumsplätze (154), die meisten Pole Positionen (68), die meisten schnellsten Rennrunden (77), die meisten Hattricks aus Pole, Sieg und schnellster Rennrunde (22) und die meisten Siege beim gleichen Grand Prix (8 in Frankreich). Zudem hat er mit Abstand die meisten WM-Punkte aller Formel-1-Piloten geholt.

Nur ein Podiumsplatz

Schumacher, siebenmaliger Formel-1-Weltmeister, war 2010 nach einer dreijährigen Pause in die Königsklasse des Motorsports zurückgekehrt. Er konnte aber zu keinem Zeitpunkt an seine früheren Leistungen anknüpfen. Entsprechend mager liest sich die Bilanz des Kerpeners bei den Silberpfeilen: Mehr als die Bestzeit in der Qualifikation beim Klassiker in Monte Carlo und der dritte Platz in Valencia sprangen für ihn im Mercedes-Rennwagen bislang nicht heraus. Sechs Rennen stehen in dieser Saison noch an.

Grundlagenvertrag unterzeichnet

Im Zuge der Verpflichtung von Hamilton gab Mercedes zudem bekannt, dass man den neuen Formel-1-Grundlagenvertrag unterzeichnet habe. Er regelt die Verteilung der Vermarktungseinnahmen und soll bis 2020 gelten. Der schwäbische Autobauer hatte mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone lange um die Konditionen für einen Verbleib in der Königsklasse des Motorsports gerungen. Mercedes war verärgert darüber, dass Ecclestone den Rivalen Ferrari, McLaren und Red Bull höhere Bonuszahlungen gewähren wollte.

Lauda im Aufsichtsrat

Darüber hinaus teilte Mercedes mit, dass der dreimalige Weltmeister Niki Lauda Aufsichtsratsvorsitzender des Teams wird. Der Österreicher hatte im Ringen um den Grundlagenvertrag den Kompromiss zwischen Mercedes und Chefvermarkter Ecclestone vermittelt. "Ich habe mir das gut überlegt und werde meine Aufgabe in den nächsten Wochen mit voller Kraft angehen", sagte der 63-Jährige. Er sitze als Chairman über dem Team und werde so gut es geht seine Erfahrungen einbringen, "damit wir möglichst bald ein richtig schnelles Auto kriegen".

Stand: 28.09.2012, 14:06

Formel 1 | Fahrer-WM

Name P
1. Sebastian Vettel 89
2. Kimi Räikkönen 85
3. Fernando Alonso 72
4. Lewis Hamilton 50
5. Felipe Massa 45
  ...  
13. Adrian Sutil 6
14. Nico Hülkenberg 5
15. Jean-Eric Vergne 1

Formel 1 | Konstrukteurs-WM

Team P
1. Red Bull 131
2. Ferrari 117
3. Lotus 111
4. Mercedes 72
  ...  
5. Force India 32
6. McLaren 29
7. Toro Rosso 8
8. Sauber 5
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