Vettel vorne dabei - Schumacher mit Unfall

Sebastian Vettel beim Training in Hockenheim

Freies Training zum Großen Preis von Deutschland

Vettel vorne dabei - Schumacher mit Unfall

Beim verregneten Freien Training in Hockenheim landete Sebastian Vettel auf Platz drei. Michael Schumacher und andere Favoriten hatten mit der nassen Fahrbahn zu kämpfen. Am besten kam Pastor Maldonado zurecht.

Michael Schumacher winkte mit dem Helm in der Hand erst einmal seinen Fans zu, dann suchte er die Wiese nach Wrackteilen ab und schaute seinem am Traktor hängenden Silberpfeil wehmütig hinterher. Mit seinem Unfall durch eine kurze Unkonzentriertheit hatte der Rekordweltmeister nach insgesamt nahezu 177 wertlosen Minuten für ein vorzeitiges Trainingsende auf dem Hockenheimring gesorgt.

Der 43-Jährige blieb nach seinem leichten Einschlag in die Barriere unverletzt, sein Mercedes war jedoch schwer gezeichnet. "Ich war ganz einfach nicht voll konzentriert", erklärte Schumacher selbstkritisch: "Ich war am Funk und habe am Auto noch etwas verstellt. Da bin ich dann auf die weiße Linie gekommen. Es tut mir leid, dass ich den Jungs durch meinen Fehler mehr Arbeit verschafft habe." Mercedes-Sportchef Norbert Haug sah in dem Crash kein großes Drama: "Das ist nicht schön, aber so etwas passiert. Das Auto werden wir wieder hinbekommen."

Viel Regen, wenige Erkenntnisse

Weltmeister Sebastian Vettel zeigte Verständnis für den Fehler seines einstigen Idols. "Es ist rutschig, sehr glatt und schwer einzuschätzen, was in der nächsten Kurve passiert. Und wenn man eine blöde Stelle erwischt, so wie der Michael, kann es auch mal neben die Strecke gehen", sagte Vettel. Der siebenmalige Champion Schumacher hatte unmittelbar vor seinem Crash über Funk noch Probleme mit der Bodenfreiheit gemeldet. Das Training wurde nach dem Unfall des Publikumslieblings rund drei Minuten vor dem geplanten Ende nicht mehr fortgesetzt.

Doch auch die Zeit auf der Strecke war aufgrund der äußeren Bedingungen ein Muster ohne Wert und brachte den Piloten kaum Erkenntnisse für das Rennen am Sonntag (22.07.12). Nach leichten Schauern hatte sich Vettel am Morgen mit Rang zwölf begnügt, auf extrem nasser Piste am Nachmittag wurde er wenigstens Dritter. Für Sonntag wird in Hockenheim allerdings kein Regen erwartet, für das Qualifying am Samstag gibt es keine eindeutigen Vorhersagen. Vettel war dennoch nicht ganz unzufrieden. "Es passt so weit, aber wir hätten uns mehr Runden im Trockenen wünschen. Es ist schwer, einen guten Vergleich zu ziehen, aber das war schließlich für alle so", meinte er gelassen.

Alonso enttäuschend

Mercedes stellte derweil in beiden Einheiten zumindest den besten Deutschen: Am Morgen Schumacher auf Platz vier, am Nachmittag Nico Rosberg als Zweiten. Rosberg wird allerdings nach dem Qualifying wegen eines Getriebewechsels um fünf Plätze zurückversetzt werden. "Das ist echt schade", sagte Rosberg, der sonst guter Dinge ist: "Ich bin recht zuversichtlich, denn es lief bei allen Bedingungen recht gut."

Die Bestzeit im 2. Freien Training sicherte sich am Freitag Pastor Maldonado im Williams-Renault. Die Zeiten vom Morgen verbesserte nach den starken Regenfällen kurz vor Beginn und eine halbe Stunde vor Ende der zweiten Einheit keiner der
Fahrer, so hatte auch der WM-Führende Fernando Alonso seine Probleme und landete im Ferrari nur auf dem 20. Platz. Überraschen konnte Nico Hülkenberg im Force-India-Mercedes, der die sechstbeste Zeit fuhr.

Kommt Bernie Ecclestone?

Spannend war am Freitag (20.07.12) auch die Frage: Wann wird Bernie Ecclestone kommen, wenn überhaupt? Eine Antwort von offizieller Seite blieb vorerst aus. "Ich kann es nicht sagen, ich weiß es ehrlich nicht", sagte der Geschäftsführer der Hockenheimring AG, Georg Seiler, der Nachrichtenagentur dpa. Zu Monatsbeginn hatte Ecclestone angekündigt, dass er wie geplant nach Deutschland reisen werde. "Natürlich fahre ich nach Hockenheim". Spekuliert wurde nun, dass Ecclestone am Samstag sein Motorhome im Fahrerlager auf dem Kurs in Nordbaden beziehen könnte.

Was die Situation so pikant macht, ist, dass weiter südlich die Münchner Staatsanwaltschaft mit Hochdruck an einer Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel 1 arbeitet. Der bereits wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilte Gerhard Gribkowksy hat umfassend gegen den Briten ausgesagt. Der Ex-Vorstand der BayernLB hat den 81-Jährigen, der seit fast vier Jahrzehnten die Formel-1-Finanzwelt lenkt, nach Medieninformationen dabei erneut schwer belastet. Das berichteten übereinstimmend Süddeutsche Zeitung und Münchner Merkur. Ecclestone beteuerte dagegen mehrfach seine Unschuld. Dass er Gribkowsky bestochen oder geschmiert haben soll, bezeichnete er als "Unsinn". Er sei erpresst worden von Gribkowsky.

Stand: 20.07.2012, 15:57

Darstellung: