Massa - der Abschied des letzten Brasilianers

Felipe Massa mit seinen Fans

Weltmeister der Herzen tritt ab

Massa - der Abschied des letzten Brasilianers

Einer der letzten alten Recken verlässt die Formel 1. In Sao Paulo fährt Felipe Massa jetzt sein letztes Heimrennen. Diesmal soll der Abschied endgültig sein. Das Land sucht nun neue Rennsport-Helden.

Felipe Massa weiß ziemlich genau, was auf ihn zukommt. Am Sonntag (12.11.2017) tritt der Brasilianer in Sao Paulo zu seinem letzten Heimrennen als Formel-1-Pilot an, und er hat darin eine gewisse Übung. Vor zwölf Monaten nämlich hatte Massa schon einmal höchst emotional "Adeus" gesagt zu seinen Fans und zur Königsklasse, er ließ seinen Tränen freien Lauf, als die ganze Boxengasse Spalier stand und applaudierte.

"Jeder weiß ja, dass ich mich vor einem Jahr schon von der Formel 1 verabschiedet hatte", sagt der 36-Jährige, "aber nun geht meine Karriere wirklich zu Ende." Wenn er beim Saisonfinale in Abu Dhabi endgültig aus seinem Auto steigt, hat er 270 Rennen hinter sich. Stand jetzt wird damit in der nächsten Saison kein Fahrer aus Brasilien an den Start gehen.  Das rennsportbegeisterte Land sucht jetzt einen neuen Helden.

Verlängerte Ehrenrunde

Die Saison 2017 war dabei nicht viel mehr als eine verlängerte Ehrenrunde. Der Rücktritt Nico Rosbergs bei Mercedes hatte im vergangenen Winter den Fahrermarkt aufgewirbelt. Weil Williams-Pilot Valtteri Bottas dessen Platz einnahm, benötigte der Rennstall doch noch einmal die Dienste des Routiniers. "Wir wissen zu schätzen, dass er noch einmal zurückgekommen ist, nachdem er so einen emotionalen Abschied im vergangenen Jahr erlebt hatte", sagte Claire Williams, stellvertretende Teamchefin.

Die Karriere des Mannes aus Sao Paulo begann 2002 beim Schweizer Traditionsrennstall Sauber, 2006 wechselte er zu Ferrari, es folgten seine erfolgreichsten Jahre. In nur einer gemeinsamen Saison bei der Scuderia sei Rekord-Weltmeister Michael Schumacher "wie ein Lehrer" gewesen, erinnert sich Massa: "Er hat mir viel gegeben und immer versucht, mir zu helfen".

Zwei Siege in Sao Paulo

Nach Schumachers Abschied stand Massa auf eigenen Beinen, weckte in seiner brasilianischen Heimat mit insgesamt elf Grand-Prix-Siegen zumindest hin und wieder Erinnerungen an Größen wie Ayrton Senna und Nelson Piquet. Fünf Mal schaffte er es in seiner Karriere auf einen der ersten drei Plätze in Brasilien. Kein Senna, kein Emerson Fittipaldi, kein Piquet und kein Rubens Barrichello kommen da ran. Zweimal beendete Massa das Rennen in seiner Heimatstadt sogar als Sieger: 2006 und 2008.

2008 den Titel knapp verpasst

In jenem Jahr hätte er sich fast ein eigenes Denkmal gebaut. Rund 30 Sekunden lang feierte Massa beim Saisonfinale - ausgerechnet in Sao Paulo - schon den vermeintlichen Titelgewinn. Die Tribünen erzitterten, die Ferrari-Box bebte im Jubel über Weltmeister Massa. Und plötzlich gefroren die Mienen bei allen, die es mit dem Brasilianer hielten. Lewis Hamilton hatte kurz vor dem Ziel Timo Glock überholt und so doch noch den für ihn entscheidenden fünften Platz eingefahren. Mit einem Punkt Rückstand musste Massa sich geschlagen geben, er war dann doch nur Weltmeister der Herzen.

Glock brachte es an diesem Tag übrigens ebenfalls zu einiger Berühmtheit in Brasilien, mit unangenehmen Folgen. "Alle sahen mich als Spielverderber, ich bekam sogar Drohungen", erinnerte sich der Deutsche später.

Metallfeder im Helm

Der gefährlichste Moment in Massas Karriere hatte bleibenden Einfluss auf die Formel 1. Im Qualifying in Ungarn 2009 schlug eine Metallfeder bei hohem Tempo gegen seinen Helm, Massa erlitt einen Schädelbruch, wurde notoperiert und konnte in der restlichen Saison nicht mehr antreten. Die Helme der Piloten wurden daraufhin im Bereich des Visiers überarbeitet und damit noch sicherer gemacht.

Auch diese Erinnerungen dürften am Sonntag noch einmal aufleben, wenn Massa zum wirklich letzten Mal Abschied von seinen Fans nimmt. "Ich nehme viele großartige Erinnerungen mit", sagt er. Und wahrscheinlich werden wieder Tränen fließen. Trotz aller Übung.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 18 Uhr

Stand: 09.11.2017, 11:07

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