Rosberg macht Hamilton zum Weltmeister

Lewis Hamilton (rechts) und Nico Rosberg

Formel-1-Grand-Prix in Austin

Rosberg macht Hamilton zum Weltmeister

Lewis Hamilton hat sich im mitreißenden US-Thriller von Austin auch von seinen wie entfesselt fahrenden deutschen Verfolgern nicht stoppen lassen und sich erneut Formel-1-Weltmeister gekrönt.

Der 30 Jahre alte Brite trotzte am Sonntag (25.10.15) selbst mehrfachen Safety-Car-Phasen und gewann zum Abschluss eines völlig chaotischen Rennwochenendes den Großen Preis der USA vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg und dem Ferrari-Piloten Sebastian Vettel.

Damit ist Hamilton nach dem 43. Karrieresieg der dritte Titel seiner Karriere nach 2008 und 2014 in den noch ausstehenden drei Saisonrennen nicht mehr zu nehmen. Nico Hülkenberg hoffte in Texas vergeblich auf Punkte. Nach einer Karambolage mit Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo war für den Force-India-Mann nach 36 von 56 Runden Schluss.

Wetter-Kapriolen am Wochenende

Das Wetter hatte Hamilton & Co. schon das gesamte Wochenende auf eine Geduldsprobe gestellt. So musste das Qualifying wegen Regens und Sturms über Texas von Samstag auf Sonntag verlegt werden, ehe schließlich die finale Ausscheidung um die besten zehn Plätze abgesagt wurde. Nutznießer war Rosberg, der sich vor seinen britischen Teamkollegen auf die Pole setzen konnte.

"Da ist irgendwas falsch mit den Vorderreifen", klagte der Deutsche vor dem Start im halbwegs Trockenen über fehlenden Grip. Und aus der dritten Pole in Serie konnte der gebürtige Wiesbadener in einem hochspannenden Rennen keinen Profit ziehen. Das war allerdings nicht nur seine eigene Schuld.

Rüffel von Wolff für Hamilton

Hamilton zwängte sich mit einem knallharten Manöver an seinem Teamkollegen vorbei und setzte sich nach dem 40 Meter steilen reinen Aufstieg an die Spitze des Feldes. Beide Silberpfeile touchierten sich sogar mit den Vorderrädern, Rosberg wurde neben die Piste gedrängt und fiel erstmal auf Fünf zurück.

Von Mercedes-Sportchef Toto Wolff gab es dafür trotz Siegerlaune einen Rüffel: "Das war zu hart von Lewis. Dafür hat er sich auch über Boxenfunk entschuldigt. Später wäre deshalb Nico der verdiente Sieger gewesen, aber er hat sich durch seinen eigenen Fehler um den Erfolg gebracht. Das ist hart für ihn, da werden wir ihn die nächsten Tage wieder aufbauen müssen."

Rosberg sauer und fassungslos

Rosberg war hinterher stinksauer. Als ihm Hamilton seine Siegerkappe zuwarf, schmiss Rosberg diese kurzerhand in Richtung Hamilton zurück. Auch das Mitfeiern bei der Champagner-Party verweigerte der Deutsche und zeigte sich fassungslos: "Was mich sehr nervt, ist das Verhalten meines Teamkollegen. Ich glaube, dass ich beim Start auch ein Recht auf ein Stück Strecke hatte, aber dass der mich rausdrängt und sogar einfach in mich reinfährt, ging ein Stück zu weit."

Zu seinem folgenschweren Dreher kurz vor Schluss sagte Rosberg: "Das ist mir auch noch nie passiert. Meine Hinterreifen haben durchgedreht, wir müssen analysieren, ob das ein Fahrfehler oder ein technisches Problem war."

Viele Fahrfehler und Überholmanöver

Nach dem Einsatz des Virtuellen Safety Cars in Runde fünf hatte Rosberg als Zweiter die Jagd auf Hamilton aufgenommen. Doch der Deutsche verbremste sich acht Umläufe später, Ricciardo schlüpfte vorbei. Kurze Zeit später kassierte der Australier sogar Hamilton.

Rosberg kämpfte, überholte Hamilton und nahm nun Ricciardo ins Visier. Nach seinem ersten Reifenwechsel reihte sich der Brite dann nur als Vierter vor Vettel wieder ein. Immer wieder verbremsten sich die Piloten jedoch, verließen unfreiwillig ihre Ideallinien, es gab spektakuläre Positionskämpfe ohne Ende.

Immer wieder Safety Car

Auf den profillosen Slicks wurde die Dominanz der Silberpfeile aber wieder offensichtlich. Hamilton überholte Ricciardo fast mühelos und machte Druck auf Spitzenreiter Rosberg. Vettel war Fünfter, Hülkenberg schon Siebter. Zur Halbzeit kam das Safety Car raus, das Feld zog sich zusammen. Rosberg behauptete auch nach dem Neustart vor Hamilton seine Führung. Vettel setzte sich nach einem Zweikampf mit seinem früheren Teamkollegen Ricciardo auf Platz drei.

Ein Viertel vor Rennende kam Rosberg während einer erneuten Virtuellen-Safety-Car-Phase an die Box - Hamilton blieb indes draußen. Eine riskante Strategie. In Umlauf 42 überholte Rosberg Vettel und schob sich auf den zweiten Platz. Zu diesem Zeitpunkt war der Führende Hamilton zum dritten Mal Weltmeister.

Fehler von Rosberg

Im Reifenroulette zog der Brite wie auch Vettel dann zwölf Runden vor Schluss während einer erneuten Safety-Car-Phase frische Pneus auf. Der Thriller von Texas spitzte sich dramatisch zu. Sieben Runden vor Schluss nutzte Hamilton den Fehler seines Silberpfeil-Kontrahenten und raste seinem 43. Karrieresieg und dem dritten WM-Titel entgegen. Vettel konnte nun nicht mehr in den Kampf eingreifen.

Statt sich bei seinem Kollegen auch noch einmal öffentlich zu entschuldigen, sprach Hamilton später nur kurz von "Respekt" vor Rosberg, feierte sich dann aber lieber selbst: "Wenn es an diesem Tag eine Botschaft an die Jugend in der Welt gibt, dann die, dass man seine Träume nie aufgeben sollte." Die Botschaft, die sein Fahrverhalten vermittelte, war allerdings definitiv nicht für die Jugend der Welt geeignet.

Stand: 26.10.2015, 01:04

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