Bottas siegt, Vettel baut WM-Führung aus

Sebastian Vettel (links) und Valtteri Bottas bei der Siegerehrung in Spielberg

Großer Preis von Österreich

Bottas siegt, Vettel baut WM-Führung aus

Wieder kein Sieg, aber die WM-Führung ausgebaut: Ferrari-Star Sebastian Vettel hat sich im heißen Formel-1-Titelkampf mit Lewis Hamilton zwar mehr Luft verschafft, verpasste als Zweiter hinter Valtteri Bottas jedoch erneut seinen ersten Triumph beim Großen Preis von Österreich.

Der viermalige Weltmeister aus Heppenheim musste sich in Spielberg am Sonntag (09.07.2017) Mercedes-Fahrer Bottas geschlagen geben, der einen souveränen Start-Ziel-Sieg feierte. Der dreimalige Weltmeister Lewis Hamilton wurde im zweiten Silberpfeil Vierter.

Große Probleme mit den Reifen

"Ich hatte massive Blasenbildung hinten links, das hat es am Rennende sehr schwer gemacht", berichtete Bottas nach dem Rennen. "Aber trotzdem den Sieg eingefahren zu haben, macht mich optimistisch für die Zukunft." Über seine WM-Ambitionen sagt er: "Ich entwickle mich weiter, das Team entwickelt sich weiter - aber es ist erst die Hälfte der Saison rum."

Vettel haderte ein wenig: "Tja, wie fühlt man sich, wenn man eine halbe Sekunde hinter dem Sieger über die Linie fährt. Ich denke, ich hätte noch eine Runde mehr gebraucht, um hier zu gewinnen, aber auch so war es ein gutes Ergebnis."

20 Punkte Vorsprung

Nach neun von 20 Saisonläufen führt Vettel (171 Punkte) in der WM-Wertung nun mit 20 Zählern vor Hamilton (151), dahinter folgt Bottas (136), der in Spielberg den zweiten Sieg seiner Karriere feierte. Vettel schaffte es zwar erstmals in der Alpenrepublik auf das Podium, 14 Jahre nach dem bis dato letzten Ferrari-Sieg durch Michael Schumacher muss die Scuderia aber weiter auf einen Triumph warten.

Spielberg: Vettel kommt nicht an Bottas heran

Sportschau | 09.07.2017 | 00:38 Min.

Rang drei ging an Baku-Sieger Daniel Ricciardo (Australien) im Red Bull, der sich riesig freute: "Es war unheimlich hart am Ende gegen Hamilton, der immer näher kam. Aber dann am Ende im Heimrennen von Red Bull das Podium zu schaffen, ist einfach überragend."

Diskussionen um möglichen Frühstart

Bottas kam auf dem Red-Bull-Ring perfekt ins Rennen und ließ der Konkurrenz an der Ampel keine Chance. Zwar wurde zunächst ein möglicher Frühstart untersucht, doch der 27-Jährige hatte sich dank der schnellsten Reaktionszeit offenbar regelkonform abgesetzt.

Kurz vor der Siegerehrung sagte Vettel aber zu Bottas: "Ich bin sicher, dass Du zu früh dran warst. Absolut sicher." Bottas konterte: "Nein, nein. Es war einfach ein perfekter Start, der beste in meiner ganzen Laufbahn." Von der Spitze kontrollierte der Polesetter den Grand Prix und zog unaufhaltsam davon.

Hamilton lange hinter Räikkönen

Bottas' Stallrivale Hamilton hatte schon früh mehr als 15 Sekunden Rückstand und biss sich bis zum ersten Boxenstopp an Kimi Räikkönen (Finnland/Ferrari) die Zähne aus. Der 32-jährige Hamilton war nur von Rang acht gestartet, da er wegen eines verbotenen Getriebewechsels um fünf Plätze in der Startaufstellung strafversetzt wurde.

Im Rennen gingen die Probleme weiter, Hamilton, der im Qualifying hinter Bottas und Vettel nur die drittbeste Zeit gefahren war, beklagte früh Probleme an seinem Auto. "Die Hinterreifen fühlen sich nicht gut an", funkte er unter anderem an die Box. Immerhin kämpfte sich der dreimalige Weltmeister aber bis zur Hälfte des Rennens auf den vierten Platz, aus dem von den Fans ersehntem, packenden Rad-an-Rad-Duell mit Vettel wurde jedoch nichts.

Verhältnis spürbar abgekühlt

Durch den umstrittenen Rammstoß vor zwei Wochen in Baku hatten sich die Spannungen zwischen den beiden Ex-Champions verstärkt. Auch wenn sich Vettel dafür entschuldigte, dass er dem Silberpfeil-Star mit Absicht ins Auto gefahren war, kühlte das zuvor entspannte Verhältnis merklich ab. Das war in der Steiermark mehrfach spürbar.

Der souverän agierende Bottas verlor seine Spitzenposition nach dem ersten Boxenstopp zwischenzeitlich an Räikkönen. In einem an Überholmanövern armen und lange recht eintönigem Rennen kehrte der Polesetter jedoch rasch wieder an die Spitzenposition zurück und ließ wenig Zweifel an seinem zweiten Saisonsieg. Zuvor hatte er im April bereits im russischen Sotschi gewonnen.

Kwjat verursacht Crash

Vettel hatte in den Alpen auf seinen vierten Erfolg in diesem Jahr gehofft, konnte dabei aber genauso wenig mithalten wie die Red Bull. Beim Heimrennen des Rennstalls schied Max Verstappen (Niederlande) nach einem Crash gleich in der ersten Kurve aus. Der Russe Daniil Kwijat hatte ihn mit seinem Toro Rosso unsanft von der Strecke geräumt und schoss bei dem Manöver auch gleich noch Ex-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) im McLaren ab. Für Verstappen war es bereits der fünfte Ausfall in den letzten sieben Rennen - eine ernüchternde Bilanz für den Hoffnungsträger.

Nico Hülkenberg (Emmerich) blieb im Renault auf Platz 14 ebenso ohne Punkte wie Pascal Wehrlein (Worndorf). Der 22-Jährige musste nach einem Motorenwechsel aus dem Boxengasse starten und landete auf Rang 15.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 09. Juli 2017, 22.50 Uhr

red/dpa | Stand: 09.07.2017, 15:44

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