Formel 1 - Vettel kassiert drei Strafpunkte für Ausraster

Der Teamchef vom Team Scuderia Ferrari, Maurizio Arrivabene (l), spricht mit Sebastian Vettel

Großer Preis von Aserbaidschan

Formel 1 - Vettel kassiert drei Strafpunkte für Ausraster

Sebastian Vettel sieht rot: Mit einem unerklärlichen Rammstoß gegen seinen großen Rivalen Lewis Hamilton während einer Safety-Car-Phase hat der Ferrari-Pilot den WM-Kampf in der Formel 1 eskalieren lassen - und wurde dafür auch bestraft.

Beim Sieg von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo im Chaosrennen von Baku brannten bei dem viermaligen Weltmeister aus Heppenheim am Sonntag (25.06.2017) die Sicherungen durch.

Zwar fuhr Vettel beim Großen Preis von Aserbaidschan den vierten Platz ein und baute dadurch seinen Vorsprung in der WM vor dem fünftplatzierten Mercedes-Star aus, doch das lange von Respekt geprägte Titelduell der beiden mehrmaligen Weltmeister dürfte nach der Entgleisung des Deutschen eine andere Richtung einschlagen.

Absichtlicher Crash?

Daniel Ricciardo (l.) jubelt, Sebastian Vettel muss sich mit Platz vier begnügen

Daniel Ricciardo (l.) jubelt, Sebastian Vettel muss sich mit Platz vier begnügen

In einem unübersichtlichen Rennen mit einem zwischenzeitlichen Abbruch kam es während der zweiten von drei Safety-Car-Phasen zu Vettels Wutausbruch. Zunächst bremste Hamilton in der 20. von 51 Runden hinter dem Safety Car etwas überraschend ab, sodass Vettel auf den Mercedes des Engländers auffuhr. Dann setzte der 29-Jährige seinen Ferrari links neben den Boliden seines Rivalen und rammte den Silberpfeil seitlich.

Vettel uneinsichtig

Die Rennleitung sprach zunächst eine Zehn-Sekunden-Strafe gegen Vettel aus, der uneinsichtig blieb und an seine Box funkte: "Was habe ich Gefährliches gemacht?" Hamilton befand das Strafmaß für Vettels Kontrollverlust für zu gering. "Zehn Sekunden dafür sind ein Witz. Du weißt das, Charlie", funkte Hamilton an die Adresse von Rennleiter Charlie Whiting.

Später kassierte Vettel noch drei Strafpunkte vom Weltverband FIA, damit ist sein Punktekonto auf neun gewachsen. Bei drei weiteren Zählern muss er ein Rennen aussetzen. Die Regel besagt, dass ein Fahrer, der innerhalb eines Jahres zwölf Strafpunkte sammelt, für ein Rennen gesperrt wird.

"So sollte sich ein Fahrer nicht verhalten"

Nach dem Rennen wollte sich Hamilton nicht mehr in das Thema hineinsteigern: "Das interessiert mich nicht wirklich. Es gibt nichts, was ich sagen kann - es ist fertig und vorbei", sagte Hamilton. "So sollte sich ein Fahrer nicht verhalten", meinte er noch über Vettel.

Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel

Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel

Mehr wolle er aber nicht mehr sagen. Sein Unfall-Kontrahent konnte seine Strafe indes nicht nachvollziehen: "Er hat zweimal hart gebremst. Das war nicht gut. Ich verstehe nicht, warum man nur mich bestraft", klagte Vettel und meinte zu seiner Aktion: "Ich habe ihm nur gezeigt, dass es so nicht geht."

Das zusätzliche Pech des Briten: Weil sich die Abdeckung seines Cockpitschutzes löste, musste der mit Abstand schnellste Mann im Feld zur Fixierung des Teiles an die Box und büßte seine Führung ein. Von Rang neun aus startete der Pole-Setter eine Aufholjagd. In der 33. Runde saß Vettel in der Box seine Strafe ab und kam direkt vor Hamilton wieder auf die Strecke.

Der 18-jährige Stroll feiert Podiumsplatz

Hinter Ricciardo, der seinen fünften Karrieresieg feierte, schaffte es Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas im Fotofinish noch auf Rang zwei vor Rookie Lance Stroll (Williams), der als zweitjüngster Fahrer nach Max Verstappen ein Formel-1-Podest erreichte. Der Worndorfer Pascal Wehrlein sammtelte als Zehnter einen WM-Punkt für Sauber. Renault-Pilot Nico Hülkenberg schied nach einem Fahrfehler aussichtsreich auf Rang sechs liegend aus.

Disqualifikation von Vettel gefordert

Die spektakulärste Szene des Rennens weckte leise Erinnerungen an den Rammstoß von Ferrari-Pilot Michael Schumacher im Saisonfinale 1997 in Jerez gegen den Kanadier Jacques Villeneuve. Dem Rekordweltmeister aus Kerpen wurden damals rückwirkend alle Punkte der Saison aberkannt, während Villeneuve seinen einzigen Titel feierte.

Ex-Weltmeister Damon Hill forderte im englischen Fernsehen die Disqualifikation des Heißsporns Vettel: "Das war gravierend, wenn man sein Auto benutzt, um jemandem zu schaden. Das ist ein Mangel an Kontrolle, das ist Wut und Aggression, die im Sport nicht gestattet werden darf. Er ist viermaliger Weltmeister, das darf er sich nicht erlauben", erklärte der Champion von 1996.

Ferrari-Pressesprecher Alberto Antonini spielte die Aktion dagegen herunter und fand vielmehr in Hamilton den Schuldigen: "Wir haben alle gesehen, was passiert ist. Es war unnötig von Hamilton, an diesem Punkt so langsam zu fahren. Sebastian ist nicht schuld, aber die Entscheidung liegt bei der Rennleitung." Während der Rennunterbrechung redete Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene energisch auf den stirnrunzelnden Vettel ein, während Hamilton seine Sonnenbrille aufsetzte und cool auf den Neustart wartete.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 25. Juni 2017, 22.50 Uhr

sid/dpa | Stand: 25.06.2017, 18:36

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