Renaults Rückkehr in die Formel 1

Das neue Auto des Teams

Neues Team "Renault Sport F1"

Renaults Rückkehr in die Formel 1

Von Chaled Nahar

Die neue Saison in der Formel 1 bringt ein neues Team mit sich: Renault schickt nach sechs Jahren Auszeit wieder ein Werksteam ins Rennen und übernahm dafür das Lotus-Team - zu einem guten Preis.

Wie der Telegraph im Dezember berichtete, musste Renault nur ein britisches Pfund, also rund 1,30 Euro, für die Übernahme von 90 Prozent des Lotus-Teams bezahlen. Damit holte sich Renault zu einem kleinen Preis das zurück, was zuvor lange in seinem Besitz gewesen war - und will jetzt mit dem Team "Renault Sport F1" wieder den vollen Nutzen aus seiner Präsenz in der Formel 1 ziehen.

Renaults Konzernchef Carlos Ghosn hatte vor der Präsentation der neuen Teamstrukturen am Mittwoch (03.02.2016) im französischen Guyancourt in einer Pressemitteilung verlauten lassen, dass Renault als Werksteam wieder mit Siegen in der Formel 1 auf sich aufmerksam machen wolle. Als Motorenlieferant sei das Echo gering gewesen, mit dem neuen Team soll für Renault eine neue starke Phase in der Formel 1 beginnen. Die letzte endete allerdings unrühmlich.

"Crashgate" als Ende des alten Renault-Teams

Hier noch vereint: Flavio Briatore (r.) mit Nelson Piquet jr.

Hier noch vereint: Flavio Briatore (r.) mit Nelson Piquet jr.

Ende 2009 hatte Renault sein Werksteam nach acht Jahren aus der Formel 1 zurückgezogen. Vorausgegangen war ein Skandal, der mehrere Sponsoren zur Kündigung ihrer Verträge veranlasst hatte. Das Team befand sich damals ohnehin in einer sportlichen Krise und beendete die Saison 2009 auch mit dem zweifachen Weltmeister Fernando Alonso als Fahrer nur auf Rang acht der Konstrukteurswertung. Beim Rennen in Ungarn löste sich zudem ein Rad von Alonsos Fahrzeug, Nelson Piquet jr. wurde wegen schlechter Leistungen aus dem Team verbannt.

Piquet erhob daraufhin schwere Vorwürfe gegen sein Team, die zu Ermittlungen gegen Renault durch die FIA führten. Piquet bezichtigte Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds, ihn zu einem absichtlichen Unfall beim Großen Preis von Singapur 2008 angewiesen zu haben. Briatore und Symonds wurden in der als "Crashgate" bekannt gewordenen Affäre entlassen und gesperrt, später wurden die Strafen wegen der dünnen Beweislage aufgehoben. Doch für das Werksteam von Renault war die Affäre das Ende.

Die Verbindung zu Renault war gekappt

Nach dem Abgang der Sponsoren verkaufte der französische Konzern zunächst 75 Prozent des Teams an den luxemburgischen Investor "Genii Capital", ein Jahr später auch die restlichen 25 Prozent. Ab 2011 fuhr das Team unter dem Namen "Lotus Renault GP" und zuletzt als "Lotus F1". Die letzte offensichtliche Verbindung zu Renault wurde 2015 gekappt, als Lotus seine Motoren von Mercedes bezog. Konstant großen Erfolg hatte des Lotus-Team jedoch nie. In den sechs Jahren nach Renaults Rückzug gab es zwei Siege bei Grand-Prix-Rennen, zwei vierte Plätze waren das höchste der Gefühle in der Konstrukteurswertung.

Nun ist das Renault-Werksteam zurück, der Name Lotus verschwindet aus der Formel 1. Das finanziell verlustreiche Geschäft für den luxemburgischen Investor ist damit beinahe zu Ende, nur zehn Prozent der Anteile behält "Genii Capital". Das neue Team soll nun wieder an die erfolgreicheren Zeiten vor dem "Crashgate" anknüpfen. Der Sitz des Teams bleibt das englische Enstone, das neue Auto für die Saison 2016 heißt RS16 und ist weitgehend in schwarz gehalten.

Junge Fahrer für das neue Team

Der bisherige McLaren-Ersatzfahrer Kevin Magnussen aus Dänemark kommt als zweiter Stammfahrer neben Jolyon Palmer aus Großbritannien in das Team. Ersatzpilot wird der GP3-Meister Esteban Ocon, Pastor Maldonado hat Renault dagegen verlassen. Für den 25 Jahre alten Palmer ist es die erste Saison in der Formel 1, er gewann aber 2014 immerhin die GP2-Serie. Magnussen, 23 Jahre alt, hat 2014 und 2015 bei McLaren erste Erfahrungen in der Königsklasse gesammelt und holte bei 19 Starts 55 WM-Punkte.

"Jetzt ist es offiziell bekanntgegeben - und wir können kaum abwarten, zu starten", twitterte Palmer im Anschluss an die Präsentation des Teams. Ein wenig Geduld braucht er allerdings noch - das erste Rennen steigt am 20. März in Melbourne mit dem Großen Preis von Australien.

Und gleich das erste Rennen dürfte mit Erwartungen verbunden sein. Renault-Chef Ghosn gab als Ziel "Podiumplatzierungen in den kommenden drei Jahren" aus. Sportchef Jerome Stoll sagte: "Renault ist zurück, um zu gewinnen. Wir haben das Budget, wir haben das Talent, wir haben den Willen und die Leute, um das zu schaffen."

Stand: 03.02.2016, 14:45

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