Regenchaos vertagt WM-Entscheidung in der Formel 1

Lewis Hamilton

Großer Preis von Brasilien:

Regenchaos vertagt WM-Entscheidung in der Formel 1

Nico Rosbergs Hoffnungen, schon im vorletzten Rennen der Saison den WM-Titel einzufahren, sind im Starkregen von Interlagos abgesoffen. Der Mercedes-Pilot beendete den Grand Prix von Brasilien als Zweiter hinter Lewis Hamilton.

Rosbergs Vorsprung auf seinen Teamkollegen Hamilton in der Fahrerwertung beträgt damit vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi in zwei Wochen nur noch elf Punkte. Dort reicht ihm ein dritter Platz, um den Titel unter Dach und Fach zu bringen. Allerdings gibt Hamilton noch nicht auf. "Ich bin weiter auf der Jagd", sagte er nach dem Rennen. Rosberg dürfte vor allem froh sein, heil durch die extrem schwierigen Bedingungen in Sao Paulo gekommen zu sein. "Ich hätte lieber gewonnen, aber Lewis hat einen Superjob gemacht, deshalb kann ich mit dem zweiten Platz leben", sagte Rosberg. Der 31 Jahre alte Mercedes-Pilot profitierte dabei auch von einer Fehlentscheidung von Max Verstappens Red-Bull-Team, durch die der an diesem Tag herausragende Niederländer nur als Dritter ins Ziel kam.

Umstrittene Unterbrechung

Geprägt wurde das Rennen vom Safety Car und einer umstrittenen Rennunterbrechung durch die Jury. Zwei Mal ließ die Rennleitung die Rote Flagge schwenken. Beim ersten Mal, nach einem Unfall von Kimi Raikkönen im Ferrari, gab es keine Debatte. Die zweite Unterbrechung wegen des stärker werdenden Regens sorgte dagegen für großen Unmut auf den Tribünen und Kontroversen im Fahrerlager. "Die Formel 1 ist überreglementiert", haderte Niki Lauda, während Mercedes-Teamchef Toto Wolff Verständnis für die Entscheidung äußerte. Die Sicherheit der Fahrer gehe vor, erklärte er.

Wegen des starken Regens war das Rennen bereits mit zehn Minuten Verspätung hinter dem Safety Car gestartet worden. Vor allem Eingangs der Zielgerade lief Wasser auf die Strecke und sorgte dort für Aquaplaning. In der Installationsrunde war das schon dem Franzosen Romain Grosjean zum Verhängnis geworden. In Kurve 14 verlor er die Kontrolle über seinen Haas-Ferrari und lädierte beim Aufprall in der Mauer die Radaufhängung so stark, dass er nicht an den Start gehen konnte.

Verstappen attackiert

Sieben Runden dauerte die neutralisierte Rennphase zu Beginn. Als das Saftey Car schließlich die Strecke verließ, nutzte Hamilton seinen Vorteil an der Spitze und setzte sich etwas von Rosberg ab. Hinter dem deutschen Mercedes-Piloten zog Verstappen gleich in der ersten Kurve an Räikkönen vorbei. Der Red-Bull-Pilot übte anschließend auch sofort Druck auf Rosberg aus, der diesem aber Stand hielt. In den hinteren Reihen wurde danach schnell von Regenreifen auf Intermediates gewechselt. Sauber-Pilot Marcus Ericsson war der erste Fahrer in der Box.

Fünf Runden später rutschte der Schwede von der Strecke und sorgte für die nächste Saftey-Car-Phase des Rennens, weil sein liegen gebliebener Bolide mit abgerissener Radaufhängung die Boxeneinfahrt blockierte. Auch Sebastian Vettel hatte kurz zuvor einen Dreher ausbalancieren müssen, stand kurzzeitig gegen die Fahrtrichtung auf der Piste, kam aber glimpflich davon. Dennoch entschied sich der dreimalige Weltmeister danach auch für Intermediates.

Raikkönen kracht in die Mauer

Die zweite Saftey-Car-Phase dauerte bis zur 20. Runde. Doch kaum war das Rennen erneut freigegeben, war es schon wieder unterbrochen. Raikkönen verlor beim Beschleunigen trotz Vollregenreifen die Kontrolle über seinen Ferrari, krachte in die Mauer, schleuderte quer über die Strecke und kam auf der Zielgeraden zum Stehen. Dass auch diesmal kein anderes Fahrzeug in den Unfall verwickelt wurde, war pures Glück. "Wir müssen das Rennen beenden. Wie viele Fahrer sollen hier noch verunglücken", schimpfte Vettel via Funk. Konsequenterweise wurde diesmal tatsächlich die Rote Flagge gezogen.

Nach 35 Minuten Unterbrechung wurde das Rennen hinter dem Safety Car und mit Vollregenreifen für alle fortgesetzt. Acht Runden ging es danach hinter dem Sportwagen von Bernd Mayländer hinterher, bevor die Rennleitung erneut die Rote Flagge schwenken ließ und damit für Unverständnis sorgte. "Es ist nicht so nass, ich verstehe nicht, warum wir anhalten", wunderte sich Hamilton via Funk. Für Niko Hülkenberg hatte schon die Safety-Car-Phase einen Rückschlag bedeutet. Wegen eines platten rechten Hinterreifens musste er seinen Force-India an die Box steuern und viel vom Vierten auf den 15. Platz zurück, kämpfte sich später aber zurück auf Rang sieben, hinter Vettel auf Rang fünf und Carlos Sainz im Toro Rosso auf Platz sechs.

Red Bull verzockt sich

Während der zweiten, erneut rund eine halbe Stunde dauernden Unterbrechung, hatten sich die Bedingungen eher verschlechtert, was das Sicherheitsriskio erhöhte. Nach zwei weiteren Runden hinter dem Safety Car nutze Verstappen die Gelegenheit, den vor ihm liegenden Rosberg zu attackieren und am WM-Führenden vorbeizuziehen. Rosberg verlor danach an Boden, aber die nächste Safety-Car-Phase ließ die Abstände 20 Runden später wieder zusammenschmelzen. Diesmal war das Aus von Felipe Massa im Williams in seinem letzten Heimrennen die Ursache für die Neutralisierung des Rennens.

Verstappen wurde in der Safety-Car-Phase gleich zwei Mal zum Reifenwechsel in die Box beordert: Von Regenreifen auf Intermediates und zurück, nachdem sein Team den Fehler bei wieder schlechter werdenden Bedingungen bemerkte. Statt Zweiter war er nun nur noch auf Rang 13. Das Rennen beendete er nach einer grandiosen Aufholjagd dann aber doch noch auf dem Podium. Rosberg konnte dadurch den zweiten Platz sicher nach Hause bringen, womit er es im letzten Rennen in Abu Dhabi weiter selbst in der Hand hat, den ersehnten Titel zu holen.

Stand: 13.11.2016, 22:06

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