Vettel siegt - auch weil Mercedes patzt

Sebastian Vettel (vorne)

Großer Preis von Bahrain

Vettel siegt - auch weil Mercedes patzt

Von Christian Hornung und Volker Schulte

Zweiter Saisonsieg für Sebastian Vettel: Mit dem Triumph beim Großen Preis von Bahrain hat sich der Ferrari-Pilot die alleinige Führung in der WM zurückgeholt. Dabei profitierte er auch von zwei Patzern bei Mercedes.

Vettel gewann am Sonntag (16.04.2017) vor den beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Hamilton war punktgleich mit Vettel (43) in den dritten Saisonlauf gegangen. Er musste aber bei seinem zweiten Reifenwechsel in Runde 41 eine fünfsekündige Zeitstrafe wegen Blockierens von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo (Australien) bei der Einfahrt in die Boxengasse absitzen.

Bottas als rollende Blockade

Diese Strafe war aber nicht der einzige Fehler bei den Silberpfeilen. Bottas war nach seinem starken Qualifying als Polesetter ins Rennen gegangen, doch schon bald erwies er sich als rollende Blockade für die Fahrer hinter ihm. Durch eine brillante Strategie mit einem frühen Reifenwechsel ("Undercut") übernahm schließlich Vettel die Führung und baute vorne seinen Vorsprung aus.

In dieser Phase blockierte Bottas seinen eigenen Kollegen Hamilton, der erst in der 27. Runde vorbei durfte. Vorher hatte er über Boxenfunk seinem Team versprochen: "Wenn ihr mich vorbeilasst und ich an Vettel nicht vorbeikomme, gebe ich den Platz wieder an Bottas zurück."

Platz doch nicht zurückgegeben

Als Hamilton dann endlich vorbei war, machte er sofort großen Druck und verkürzte den Rückstand auf die Spitze deutlich. Teilweise nahm der Brite dem Deutschen anderthalb Sekunden pro Runde ab, erst nach Vettels erneutem Reifenwechsel lief es wieder besser für den Vierfach-Weltmeister.

Am Ende fehlte Hamilton dann exakt die Zeit, die zum einen die Strafe und zum anderen das viel zu späte Vorbeifahren an Bottas gekostet hatte - den Platz an den Finnen gab der Brite aber natürlich zu Recht auch nicht mehr zurück., weil der einfach zu weit hinterherhinkte.

"Entschuldige mich beim Team"

"Klar, die Strafe hat mich einiges gekostet, das war mein Fehler, für den ich mich beim Team entschuldige", zeigte sich Hamilton immerhin sehr selbstkritisch, obwohl sich sein Team auch durchaus bei ihm hätte entschuldigen können.

Insgesamt wirkt Hamilton in dieser Frühphase der Saison aber sehr entspannt, sogar das Verlieren scheint er gelernt zu haben: "Gratulation an Ferrari und Sebastian, die einen Super-Job gemacht haben. Ich bin enttäuscht, aber es wird noch ein lange und spannendes Duell zwischen uns."

Vettel schwärmt von "Wahnsinnsgefühl"

Vettel war nach seinem Triumph natürlich überglücklich: "Unglaublich! Die letzte Runde war ein Wahnsinnsgefühl, als ich das Feuerwerk im Ziel gesehen habe." Zum Rennverlauf meinte er: "Ich habe früh gesehen, dass wir schnell sind und hier ein Wörtchen mitreden können. Es hat sich super angefühlt, ich konnte die Pace gut bis zum Ende kontrollieren, obwohl Lewis nochmal viel Druck gemacht hat."

Frustriert war natürlich Bottas über seinen dritten Platz und vor allem über seine Langsamkeit auf der Strecke: "Es war ein sehr schwieriges Rennen für mich, ich hatte große Probleme mit dem Reifendruck und damit auch mit der Renngeschwindigkeit. Das ist eine Riesenschande, einfach schade, sonst hätte es hier heute ganz anders ausgehen können."

Hülkenberg sammelt Punkte

Deutlich besser gelaunt als Bottas war Nico Hülkenberg, der im Renault als Neunter seine ersten beiden Punkte der Saison gesammelt hat. Pascal Wehrlein beendete sein erstes Rennen für Sauber als Elfter knapp hinter den Punkterängen, er hatte zuvor wegen einer Nackenverletzung die ersten beiden Rennen in Melbourne und Peking gefehlt.

Thema in: Sport am Sonntag, Deutschlandfunk, 16.4., 19.10 Uhr

Stand: 16.04.2017, 20:34

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