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2000 - Frankreich bricht die Serie
"Nationalelf der Schande", "vaterlandslose Gesellen". Am deutschen Team wird nach dem blamablen Aus in der Vorrunde kein gutes Haar gelassen. Der Auftritt der Mannschaft von Erich Ribbeck ist in der Tat mehr als peinlich. Guten Fußball gibt es trotzdem jede Menge: Frankreich wird als erster amtierender Weltmeister auch Europameister.
Gedemütigter Nationalspieler: Dietmar Hamann
Auch die Europameisterschaft 2000 hat wieder ein Novum zu bieten. Erstmals gibt es zwei Gastgeber. In je vier Stadien in Belgien und den Niederlanden wird das Turnier ausgespielt. Geboten wird phasenweise toller Offensivfußball. Vor allem die vier Halbfinalisten Frankreich, Portugal, Italien und die Niederlande demonstrieren im Verlauf des Turniers Fußball auf höchstem technischen und taktischen Niveau.
Für die deutsche Nationalmannschaft gilt das nicht. Schon die Qualifikation ist mal wieder ein eher zähes Unterfangen. Das Turnier gerät dann vollends zum Desaster. Bundestrainer Erick Ribbeck reist ohne taktisches Konzept, ohne eine Stammformation und mit einem umstrittenen Lothar Matthäus, der seinen Leistungszenit überschritten hat, an. Im Vorfeld scheitert eine Spieler-Revolte gegen Ribbeck am mangelnden Mut der Profis und so nimmt das Debakel seinen Lauf.
Lediglich ein Unentschieden (1:1) gegen Rumänien bringt das Team zustande. Es folgt eine 0:1-Niederlage gegen schlechte Engländer. Das Aus wird schließlich durch ein hochnotpeinliches 0:3 gegen Portugal besiegelt. Die bereits sicher für das Viertelfinale qualifizierten Portugiesen bieten dabei nicht einmal ihre beste Elf auf. Figo und Co. besehen sich das Spektakel ihrer Ersatzleute von der Bank aus.
Erich Ribbeck tritt am nächsten Tag von seinem Amt zurück. Einige der auf dem Rasen vorgeführten Kicker feiern die Nacht durch, was empörte Schlagzeilen auf dem Boulevard zur Folge hat. Doch viel schlimmer ist der fußballerische Notstand, der sich offenbart hat. Man konstatiert einen allgemeinen taktischen und technischen Rückstand. Es werde Jahre dauern, bis Deutschland wieder zu den Spitzennationen aufgeschlossen habe, heißt es.
Während in Deutschland Sondersendungen zum Zustand des heimischen Fußballs stattfinden, geht das Turnier ohne die DFB-Auswahl munter weiter. Vor allem die Halbfinals haben es in sich. Italien trotzt den offensivstarken Niederländern, wobei das Team von Bondscoach Frank Rijkaard eine unübertroffene Nervenschwäche beim Elfmeter offenbart. Bereits in der regulären Spielzeit verschießen die Gastgeber zwei Elfmeter. Im entscheidenden Elfmeterschießen scheiterten dann Frank de Boer, Stam und Bosvelt.
Schuss ins Glück: Trezeguet macht Frankreich zum Europameister.
Auch das zweite Halbfinale bietet jede Menge aufregenden Fußball. In einem packenden Spiel gegen Portugal besorgte Frankreichs Superstar Zinedine Zidane den 2:1-Erfolg durch ein "Golden Goal " per Elfmeter, nachdem Abel Xavier den Ball im Strafraum an die Hand geschossen bekommt. Die Portugiesen toben auch nach Spielschluss noch. Doch es hilft nichts. Frankreich steht im Endspiel.
Im Finale hat die Equipe tricolore wieder das glücklichere Ende für sich. Diesmal gelingt dem eingewechselten Trezeguet das "goldene Tor" in der Verlängerung (103.). Dabei haben die Italiener schon wie der neue Europameister ausgesehen: Delvecchios Führungstreffer nach 55. Minuten hat bis kurz vor Schluss bestand. Del Piero versäumt es zwei Mal, frei vor dem französischen Tor stehend für die Entscheidung zu sorgen. Stattdessen schafft Wiltord in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich und leitet so die Wende ein. So endet bei der elften Ausgabe der Europameisterschaft eine Serie. Frankreich gelingt es als erstem amtierenden Weltmeister auch noch den europäischen Titel zu gewinnen.
most | Stand: 18.04.2008, 00:00
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