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Rückblick

1996 - ein Titel für Vogts

Golden Goal für die Ewigkeit

Nicht einmal eine halbe Stunde hat es gedauert, um aus dem spät entdeckten Stürmer Oliver Bierhoff eine Legende zu machen. Sein Name wird für immer mit dem ersten "Golden Goal" der Fußball-Geschichte verknüpft sein. Erzielt hat er es im Finale der Europameisterschaft 1996 gegen Tschechien.

"Football is coming home" - 30 Jahre nach der WM macht der internationale Fußball wieder einmal Station im "Mutterland" England. Die Lightning Seeds liefern die passende Hymne dazu, die bis heute zu den besten Liedern über Fußball gehört. Doch die Heimkehr des Fußballs ist nicht nur aus pophistorischen Gründen bemerkenswert. Auch sonst ist die zehnte Auflage der Europameisterschaft ein neuer Höhepunkt in der Geschichte des Turniers: Erstmals nehmen 16 Teams an der Endrunde teil. TV-Übertragungen, Erlöse aus Kartenverkauf und Vermarktung sorgten für Millionen-Umsätze.

Durchmarsch ins Halbfinale

Die Verdopplung der Teilnehmerzahl hat neben der Aussicht auf mehr Geld noch einen weiteren Grund: Nach dem Ende des Kommunismus und dem Zerfall der Sowjetunion sind in Osteuropa viele neue Staaten entstanden und mit ihnen neue Fußballverbände, die in die UEFA eintreten. 47 Staaten melden ihre Mannschaften zur Qualifikation an. So viele wie nie zuvor. Doch die meisten von ihnen haben keine Chance auf ein Endrunden-Ticket. Die alten Favoriten bleiben weitgehend unter sich. Lediglich Kroatien und die Tschechische Republik können sich als "neue" Nationen für die Endrunde qualifizieren. Beide spielen auch im Verlauf des Turniers eine bedeutende Rolle.

Deutschland startet mit einem relativ ungefährdeten 2:0 gegen die Tschechen in das Turnier. Es folgen ein souveräner 3:0-Erfolg gegen Russland und ein 0:0 gegen Italien, bei dem Torhüter Andreas Köpke kurz vor der Pause einen Elfmeter hält. Das torlose Remis reicht, um als Gruppensieger das Viertelfinale zu erreichen, wo es gegen Kroatien geht. Matthias Sammer, Chef der Nationalmannschaft auf dem Platz, markiert den Siegtreffer (59.) in einem überaus harten Spiel.

Todt kommt nach

Im Halbfinale kommt es dann im Wembleystadion zur Neuauflage des WM-Endspiels von 1966. Nach 120 Minuten steht es durch Tore von Alan Shearer (3.) und Stefan Kuntz (16.) 1:1. Im Viertelfinale haben die Engländer im Elfmeterschießen gegen Spanien gewonnen. Doch ihr Elfmeter-Trauma wird gegen Deutschland wiederbelebt. Diesmal ist Garreth Southgate die tragische Figur. Torhüter Köpke hält seinen Elfmeter und anschließend sorgt Andreas Möller für die Entscheidung. Deutschland steht im Finale.

Zwei Tage vor dem Endspiel sitzt der Bremer Jens Todt beim Italiener, als sein Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung der Bundestrainer, der den Mittelfeldspieler nach London bestellt. Denn Vogts plagen vor dem Spiel gegen Tschechien, das sich im Halbfinale ebenfalls im Elfmeterschießen gegen Frankreich durchgesetzt hat, arge Personalnöte. Ganze 13 Feldspieler sind noch einsatzfähig: Andy Möller und Stefan Reuter sind gesperrt. Jürgen Kohler, Mario Basler, Fredi Bobic und Steffen Freund sind wegen Verletzungen vorzeitig nach Hause zurückgekehrt und auch der Einsatz von Kapitän Jürgen Klinsmann ist nach seinem Muskelfaserriss in Gefahr. Vogts lässt in der Not schon Feldspielertrikots für die Ersatzkeeper Oliver Kahn und Oliver Reck anfertigen, ehe die UEFA dem DFB "wegen höherer Gewalt" die Nachnominierung erlaubt.

Bierhoff und das goldene Tor

So wird auch Todt Europameister. Zu verdanken hat er das Oliver Bierhoff. Der Stürmer, der beim Hamburger SV einst aussortiert wurde, ist über den Umweg Österreich in der italienischen Serie A und wenige Wochen vor der Europameisterschaft auch in der Nationalmannschaft gelandet. Nachdem Patrick Berger die Tschechen per Foulelfmeter mit 1:0 in Führung gebracht hat (59.), schlägt seine Stunde. Unter den Augen von Königin Elisabeth II. schafft Bierhoff vier Minuten nach seiner Einwechselung den Ausgleich (73.) und erzwingt so eine Verlängerung.

Dort wird er dann endgültig zum Helden für die Ewigkeit. Mit einem abgefälschten Schuss aus der Drehung erzielt er in der 95. Minute sein zweites Tor. Es ist das letzte des Turniers und macht Deutschland zum dritten Mal zum Europameister. Denn danach wird die Partie nicht mehr angepfiffen. So will es die erstmals zum Einsatz kommende Golden-Goal -Regel. Die Regel ist längst wieder abgeschafft, aber die Erinnerung an den Schützen des ersten goldenen Tores ist nicht verblasst, wie er selbst weiß: "Es ist einfach so, dass die Menschen, wenn sie an Oliver Bierhoff denken, an dieses Golden Goal denken."

most | Stand: 12.04.2008, 00:00

 

 

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