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Rückblick

1992 - Dänen düpieren die Favoriten

Vom Strand zum Titel

Deutschland auf Jahre unschlagbar! Franz Beckenbauer hat der Fußballwelt diese Prophezeiung nach dem Gewinn des WM-Titels 1990 in Italien mit auf den Weg gegeben. Dass das nicht stimmt, zeigte sich schon zwei Jahre später bei der Europameisterschaft. Der Titel ging am Ende nach Dänemark, dessen Spieler eigentlich im Urlaub hätten sein sollen.

Erst zehn Tage vor dem Start der Endrunde in Schweden steht das endgültige Starterfeld fest. Aufgrund eines UNO-Embargos schließt die UEFA Jugoslawien, dessen Vielvölkerstaat gerade in einem blutigen Bürgerkrieg auseinander fällt, von den Titelkämpfen aus. Dänemark, in der Qualifikationsgruppe 4 auf Platz zwei hinter den Jugoslawen gelandet, rückt nach und Trainer Richard Möller-Nielsen muss seinen Kickern kurz vor dem Turnier in halb Europa hinterher telefonieren, um sie aus dem Urlaub nach Schweden zu beordern.

Durchgewurschtelt ins Halbfinale

Die dramatischen politischen Umbrüche in Europa haben weitere Folgen. Als UdSSR in die Qualifikation gestartet, kommt das Team aus der ebenfalls in Auflösung begriffenen Sowjetunion mit zahlreichen Westprofis unter dem Namen Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zur Europameisterschaft. Die überwiegend aus Russen und Ukrainern bestehende Mannschaft ist auch der erste Gruppengegner der deutschen Elf. Ein Freistoßtor von Thomas Häßler in der 90. Minute rettet dem DFB-Team zumindest einen Punkt.

Die gesamtdeutsche Nationalmannschaft, die von Bundestrainer Berti Vogts betreut wird, macht da weiter, wo sie in der Qualifikation mit einem quälenden 3:2-Sieg in Luxemburg und einer 0:1-Niederlage in Wales angefangen hat. Souveränen oder gar attraktiven Fußball bietet sie nicht. Zudem fehlt der am Knie verletzte Kapitän Lothar Matthäus und der als Leitwolf vorgesehene Rudi Völler bricht sich im Spiel gegen die GUS den Arm.

Und so wurschtelt sich Deutschland gerade noch so ins Halbfinale durch: Einem glücklichen 2:0 gegen die Schotten, die zahlreiche Großchancen ungenutzt lassen, folgt eine 1:3-Pleite gegen die Niederlande, wobei die Vogts-Truppe eine Halbzeit lang vorgeführt wird. Nur den Schotten, die das Team der GUS mit 3:0 bezwingen, verdanken die Deutschen schließlich den Einzug in die Runde der letzten Vier.

Überzeugend gegen Schweden

Dort warten die Gastgeber auf die DFB-Auswahl. Und die Partie gegen die Schweden wird zum besten Spiel der Deutschen bei dieser EM. 3:2 heißt es am Ende, doch das knappe Ergebnis täuscht über die wahre Überlegenheit der deutschen Mannschaft hinweg. Die Schweden sind mit dem Ergebnis gut bedient. Deutschland steht im Finale.

Dem Titelgewinn stehen nun nur noch die Dänen im Wege. Die Nachrücker aus dem Norden haben im Verlauf des Turniers für reichlich Furore gesorgt. Die lebensfrohe Reise-Combo hat den großen Favoriten Frankreich mit einem 2:1 nach Hause geschickt und im Halbfinale die Niederländer im Elfmeterschießen geschlagen. Dennoch glaubt kaum ein Experte, dass Dänemark im Endspiel gegen die Deutschen eine Chance haben wird.

Den Faden verloren

Der Däne Brian Laudrup (l.) im Zweikampf mit Thomas Häßler; Rechte: dpa Nicht zu stoppen: Brian Laudrup entwischt Thomas Häßler.

Sie alle täuschen sich: Zwar beginnen die Deutschen überlegen und haben beste Chancen zur Führung, doch nach einem Fehler von Andreas Brehme sorgt John Jensen für das 1:0 der Dänen (19.). Danach verliert der Favorit den Faden. Die Dänen stehen sicher in der Abwehr und wenn sich den DFB-Kickern doch einmal eine Chance bietet, finden sie ihren Meister in Torhüter Peter Schmeichel. Zwölf Minuten vor dem Ende schließt Kim Vilfort einen dänischen Konter mit der 2:0 ab. Die Sensation ist perfekt. Fleming Poulsen, damals Profi bei Borussia Dortmund, fasst das Erfolgsgeheimnis später wie folgt zusammen: "Wir haben viel getrunken, viel gelacht, viel Mini-Golf gespielt, sind zu McDonald's gegangen und haben Hamburger gegessen. Das ist die typische dänische Mentalität, nur so kommen wir Dänen zum Erfolg."

most | Stand: 18.04.2008, 00:00

 

 

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