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1984 - überragender Platini
In seiner Rolle als UEFA-Präsident ist Michel Platini umstritten. Daran aber, dass er die alles überragende Figur beim Titelgewinn der Franzosen bei ihrer Heim-EM 1984 war, gibt es keinen Zweifel. Die Deutschen spielten dagegen eine unrühmliche Rolle.
Mann für entscheidende Tore: Michel Platini (l.)
Schon die Qualifikation geriet für das DFB-Team zu einer zähen Angelegenheit. Dabei hatte die Nationalmannschaft eine nicht allzu starke Gruppe erwischt: Neben Nordirland und der Türkei waren es einmal mehr Albanien, das den Deutschen das Leben schwer machte. Im Hinspiel in Tirana mühte sich das Team von Bundestrainer Jupp Derwall zu einem 2:1. Das Rückspiel geriet zur entscheidenden Partie für die Qualifikation. Ein Sieg war Pflicht, doch erst ein spätes Tor von Gerd Strack zum 2:1 sicherte die Endrunden-Teilnahme.
Auch sonst lieferte die Qualifikation Schlagzeilen en masse. Weltmeister Italien gewann nur eines seiner Gruppenspiele und qualifizierte sich nicht. Spanien, das später bis ins Finale vordrang, musste sein letztes Qualifikationsspiel gegen Malta mit elf Toren Vorsprung gewinnen. Und trotz eines verschossenen Elfmeters und eines Gegentors sicherten sich die Iberer die Fahrkarte zur Endrunde - mit einem 12:1, was Untersuchungen der UEFA nach sich zog, aber schließlich nicht beanstandet wurde. Die DDR scheiterte in ihrer Qualifikationsgruppe hinter Belgien und der Schweiz.
Die europäischen Fußball-Funktionäre hatten nach dem Flop auf dem Apennin vier Jahre zuvor noch einmal den Modus geändert. Das Spiel um Platz drei wurde abgeschafft, dafür gab es wieder zwei Halbfinals, für das sich jeweils die beiden Gruppen-Ersten qualifizierten. Das Turnier wurde ein Erfolg. Die Endrunde verzeichnete einen Zuschauer- und Torrekord. Und Europa verneigte sich vor den "Blauen" und dem neuen französischen Nationalhelden Michel Platini, der die "Equipe tricolore" mit insgesamt neun Toren fast im Alleingang zum Titel schoss.
Auch Matthäus (l.) konnte Bundestrainer Derwall nicht retten.
Insgesamt bot die Endrunde begeisternden Angriffsfußball. Nur die Deutschen verweigerten sich diesem Trend hartnäckig, die Adlerträger setzten stattdessen ihren "Sinkflug" fort. Einem 0:0 gegen Portugal folgte ein glücklicher 2:1-Sieg gegen Rumänien, so dass ein Remis im letzten Gruppenspiel gegen Spanien für das Halbfinale gereicht hätte. Und das Glück schien der DFB-Auswahl mal wieder hold zu sein. Bis zur 90. Minute stand es 0:0, doch dann traf Spaniens Libero Maceda und besiegelte damit das Aus der Deutschen und das Ende der Ära Derwall bei der Nationalmannschaft.
Die Autorität des Bundestrainers war schon länger dem bloßen Verfall preisgegeben und so waren schon im Vorfeld des Turniers die Spekulationen über eine vorzeitige Ablösung ins Kraut geschossen, nun wurde aus den Vermutungen eine Gewissheit. Als erster Cheftrainer des DFB erlebte Derwall das Ende seiner Dienstzeit nicht im Amt.
Die beiden Halbfinals boten ohne die Deutschen spannenden Fußball. Vor allem die Partie Frankreich gegen Portugal sorgte für Begeisterung. 1:1 stand es nach 90 Minuten, den Portugiesen gelang durch Rui Jordao in der Verlängerung sogar die Führung. Doch die Franzosen hielten dagegen und schnürten ihren Gegner förmlich ein. Domerque gelang in der 114. Minute der Ausgleich, doch die Krönung des Abends war dem König der Europameisterschaft vorbehalten. Eine Minute vor Schluss sorgte Platini für das 3:2 und den Einzug der Franzosen ins Finale.
Dort wartete am 27. Juni 1984 Spanien als Gegner. Die Iberer hatten sich in einem nicht minder spannenden Halbfinale erst im Elfmeterschießen gegen die Dänen durchgesetzt, deren Offensivfußball ebenfalls zu den Höhepunkten des Turniers gezählt hatte. Auch das Endspiel hielt, was es versprach. Beide Teams spielten forsch nach vorne, doch nur die Franzosen brachten den Ball im gegnerischen Tor unter. Als erster traf – na klar – Platini, dessen 1:0 in der 57. Minute die Franzose auf die Siegerstraße brachte. Bellones Treffer zum 2:0 in der 90. Minute brachte den Franzosen endgültig den viel umjubelten Titel.
most | Stand: 18.04.2008, 00:00
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