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1980 - zweiter Titel für den DFB
Die EM 1980 in Italien ist ein Minusgeschäft für alle Beteiligten. Selbst der DFB geht trotz des Titelgewinns mit 750.000 Mark Miesen aus dem Turnier. Auch sportlich bleiben viele Wünsche offen. Horst Hrubesch aber darf sich als Gewinner fühlen.
Bester Spieler des Turniers: Bernd Schuster (M.) im Endspiel gegen Belgien
Man beschreitet neue Wege bei dieser sechsten Europameisterschaft. Erstmals dürfen acht statt bisher vier Mannschaften an der Endrunde teilnehmen. Ermittelt werden die Teilnehmer in sieben Vorrundengruppen. Gastgeber Italien ist automatisch qualifiziert. Während sich das DFB-Team ohne Mühe in seiner Gruppe gegen Malta, Wales und die Türkei durchsetzt, verspielt die DDR-Auswahl die Endrundenteilnahme im letzten Spiel gegen die Niederlande. Das Team von Trainer Georg Buschner geht schnell mit 2:0 in Führung und schnuppert an der Sensation. Doch am Ende können sich die Niederländer mit 3:2 durchsetzen.
Neben Deutschland, der Niederlande sowie Gastgeber Italien haben sich England, Belgien, Spanien, die Tschechoslowakei und Griechenland für das Turnier qualifiziert. Gespielt wird in zwei Gruppen mit je vier Mannschaften. Die Halbfinals entfallen, die Gruppensieger bestreiten das Finale und die Gruppen-Zweiten kämpften um Platz drei. Sportlich ist die Sache jedoch ein Debakel, das Turnier schleppt sich dem Finale entgegen, weitgehend ignoriert vom italienischen Publikum, das seinem Unmut über einen gerade öffentlich gewordenen Betrugsskandal in der Serie A durch Bepöbeln der eigenen Mannschaft oder Fernbleiben Luft macht.
Die auswärtigen Fans – allen voran die Engländer - benehmen sich zudem ordentlich daneben. Prügelnde Hooligans nötigen die italienische Polizei, bei der Partie zwischen England und Belgien Tränengas einzusetzen, zum Leidwesen auch der belgischen Spieler. Unbeirrt davon lassen die "Roten Teufel" jedoch nicht nur die Engländer, sondern auch Italien und Spanien hinter sich und ziehen überraschend ins Finale ein, wo sie am 22. Juni 1980 auf das deutsche Team treffen.
In Erinnerung geblieben: Horst Hrubesch (re.) köpft das 2:1 im Finale
Die DFB-Auswahl, die inzwischen von Jupp Derwall trainiert wird, hat sich in ihrer Gruppe mit zwei Siegen und einem Unentschieden durchgesetzt und dabei im besten Spiel der Endrunde die Niederlande 3:2 besiegt. Klaus Allofs schießt die Deutschen im Alleingang mit 3:0 in Führung (20., 60., 66.), ehe der eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselte Debütant Lothar Matthäus einen Elfmeter verschuldet und die Sache noch einmal spannend macht.
Im Endspiel sind die Deutschen der klare Favorit. Derwall hat nach seinem Amtsantritt einen behutsamen Verjüngungsprozess eingeleitet. Einer der besten Spieler des Turniers ist Bernd Schuster, der "blonde Engel", der außerhalb der Stadien Furore macht, weil seine Frau Gaby ihn im Mannschaftshotel besucht. Schuster ist es, der Horst Hrubesch das 1:0 gegen Belgien auflegt (10.). Es ist Hrubeschs erstes Länderspieltor im fünften Spiel, sein zweites erzielt der als "Kopfballungeheuer" bekannte Hüne genau 79 Minuten später.
Zuvor aber kommen die Belgier in einer weitgehend ausgeglichenen Partie auch noch zu ihrem Tor: Uli Stielike foult Francois van der Elst außerhalb des Strafraums, Schiedsrichter Nicolae Rainea aus Rumänien entscheidet auf Elfmeter. René Vandereyken verwandelt sicher (72.). Als alles auf eine Verlängerung hinausläuft, gibt es noch einmal Eckball für Deutschland. Rummenigge von rechts, Hrubesch mit dem Kopf, 2:1. Deutschland ist zum zweiten Mal nach 1972 Europameister. Hrubesch wird auch heute noch auf diesen Moment angesprochen. "Daran erinnern sich die Leute", sagt er. Der Rest dieser Europameisterschaft geriet zum Glück schnell in Vergessenheit.
most | Stand: 11.04.2008, 00:00
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