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Rückblick

1976 - Elfmeterkrimi im Finale

Schuss in den Himmel über Belgrad

Er habe gar keinen Elfmeter schießen wollen, beteuert Uli Hoeneß. Angetreten ist er dennoch im Endspiel von 1976 in Belgrad. Die Folge war ein Fehlschuss, der bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden ist und die Deutschen den Titel kostete.

Die UEFA ist inzwischen stolz auf ihre Europameisterschaft. Zum fünften Mal steht das kontinentale Turnier inzwischen an und fernbleiben will dem Wettbewerb längst keiner mehr. Die Europameisterschaft – das betonen die Funktionäre jetzt mit stolz geschwellter Brust – ist nach der Weltmeisterschaft der zweitwichtigste internationale Wettbewerb. Und nachdem bei der WM 1974 Deutschland, die Niederlande und Polen die ersten drei Plätze belegt haben, gilt das für das nun anstehende Turnier erst recht.

Hoeneß ebnet den Weg

Der Titelverteidiger bekleckerte sich in seiner eher leichten Gruppe mit Griechenland, Bulgarien und Malta zwar nicht mit Ruhm - so quälte man sich auf Malta zu einem 1:0 -, erreichte letztlich aber ungefährdet das Viertelfinale. Die DDR-Auswahl, die 1974 bei der WM in der Bundesrepublik noch überrascht hatte, musste in ihrer Gruppe dagegen Belgien den Vortritt lassen.

In der Runde der letzten Acht wartete auf das Team von Bundestrainer Helmut Schön Spanien als Gegner. Nach dem 1:1 im Hinspiel in Madrid, schaffte der Weltmeister im Rückspiel in München ein 2:0. Torschützen waren der junge Klaus Toppmöller und Uli Hoeneß, der der deutschen Nationalmannschaft damit den Weg zur Endrunde ebnete, wo er dann zur tragischen Figur werden sollte.

Drei Mal Müller

Vier Mannschaften hatten sich in Belgrad zur Endrunde eingefunden. Deutschland bezwang im Halbfinale Gastgeber Jugoslawien mit 4:2 nach Verlängerung. Der Kölner Dieter Müller erzwang bei seinem Länderspiel-Debüt nach seiner Einwechslung gleich mit der ersten Ballberührung die Verlängerung und avanciert mit zwei weiteren Treffern zum umjubelten Helden. Der Endspielgegner hieß Tschechoslowakei, die sich in einem furiosen Halbfinale mit drei Platzverweisen 3:1 nach Verlängerung gegen die Niederlande durchgesetzt hatte.

Vor dem Finale hatten die beider Länder auf Vorschlag des DFB vereinbart, dass man kein Wiederholungsspiel bestreiten werde, würde es nach 120 Minuten immer noch Unentschieden stehen. Stattdessen solle ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Dass es dazu kommen würde, danach sieht es zunächst allerdings gar nicht aus.

Ein Lupfer entscheidet das Finale

Die Tschechoslowaken führen durch Tore von Svehlik (8.) und Dobias (25.) schnell mit 2:0, bevor Dieter Müller mit seinem vierten Tor im zweiten Länderspiel seiner Karriere, den Anschlusstreffer erzielt (28.). In der zweiten Halbzeit haben beide Mannschaften ihre Chancen, doch es dauert bis zur 90. Minute: Nach einem Freistoß gelingt Bernd Hölzenbein mit dem Hinterkopf der Ausgleich. Die Verlängerung bleibt torlos. Erstmals wird das Finale eines großen Turniers im Elfmeterschießen entschieden.

Die Tschechoslowaken legen vor. Rainer Bonhof, Heinz Flohe und Hannes Bongartz gleichen jeweils aus. Nach dem 4:3 für die Tschechoslowaken ist Uli Hoeneß an der Reihe. Der Ball zischt hoch über das Tor, verschwindet im dunklen Nachthimmel von Belgrad. Anschließend lupft Antonin Panenka den Ball rotzfrech vorbei an Deutschlands Torhüter Sepp Maier ins Netz. Die Sensation ist perfekt. Fehlschütze Hoeneß vermutet, dass der von ihm geschossene Ball erst Jahre später bei den Aufräumarbeiten nach dem Balkan-Krieg wieder gefunden worden ist.

most | Stand: 12.04.2008, 00:00

 

 

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