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Rückblick

1972 - Deutschland holt den Titel

Netzer aus der Tiefe des Raumes

Bis heute wird von der deutsche Nationalmannschaft, die 1972 den Titel holte, als die spielstärkste DFB-Elf aller Zeiten geschwärmt. Der Grundstein für den Mythos dieser Mannschaft wurde in Wembley gelegt, seine Erfüllung fand er im Finale.

Albanien! Auch beim zweiten Anlauf der DFB-Auswahl auf den Europameister-Titel bescherte die Gruppenauslosung den Deutschen jenen Gegner, dem sie die Schmach von Tirana zu verdanken hatten. Diesmal allerdings konnte sich das Team von Bundestrainer Helmut Schön durchsetzen. Wenn auch mit Mühe. In Albanien sorgte ein Tor von Gerd Müller für einen beschwerlichen Erfolg. Am Ende reichte ein 0:0 gegen Polen in Hamburg für den Einzug ins Viertelfinale. Die DDR-Auswahl überstand die Vorrunde dagegen als Gruppen-Dritter hinter Jugoslawien und den Niederlanden nicht.

Notelf in Wembley

Nichts deutete nach der Gruppenphase darauf hin, dass hier die Geburt einer großen Mannschaft bevorstand. Im Viertelfinale hieß der Gegner England, eine Neuauflage des WM-Finals von 1966. Doch den Bundestrainer plagten vor dem Hinspiel in Wembley große Sorgen. Die Schalker Nationalspieler fehlten wegen des Bundesliga-Skandals, Overath, Vogts und Weber waren verletzt. Schön musste eine Notelf zusammenbasteln, der niemand auch nur den Hauch einer Chance gab.

Doch dem zusammengewürfelten Team gelang die Sensation. Der junge Uli Hoeneß traf mit einem abgefälschten Schuss zum 1:0 (26.). Danach drückten die Engländer auf den Ausgleich, der Lee in der 77. Minute dann auch gelang. Doch die Deutschen kamen zurück. Netzer erzielte per Foulelfmeter die erneute Führung (85.), drei Minuten später sorgte Gerd Müller für die Entscheidung. Das durchaus glückliche 3:1 bedeutete den ersten Sieg einer deutschen Nationalmannschaft auf der Insel. Zu verdanken war diese auch einem taktischen Kniff des Bundestrainers. Schön hatte Netzer aus dem Mittelfeld zurück in die Abwehr gezogen. Im Wechsel mit Beckenbauer stieß der Gladbacher dann nach vorne, was die Engländer in stete Verwirrung stürzte und die FAZ zu dem viel zitierten Satz "Netzer kam aus der Tiefe des Raumes" inspirierte.

Europa feiert den deutschen Fußball

Nach dem 0:0 im Rückspiel gegen die Engländer stand nun also erstmals eine deutsche Mannschaft in der Endrunde der Europameisterschaft. Gegner im Halbfinale war Gastgeber Belgien, das im Viertelfinale sensationell Titelverteidiger Italien aus dem Rennen geworfen hatte. Im zweiten Halbfinale standen sich Ungarn und die Sowjetunion gegenüber, die es damit zum vierten Mal in Folge unter die besten vier Mannschaften in Europa geschafft hatte.

Schon im Halbfinale, das mit 2:1 zwar ein knappes Ergebnis hatte, war die deutsche Mannschaft deutlich überlegen. Im Finale gegen die Sowjetunion nahm das DFB-Team am 18. Juni 1972 im Brüsseler Heysel-Stadion den Gegner nach allen Regeln der Kunst förmlich auseinander. 3:0 hieß es am Ende durch zwei Tore von Gerd Müller (28., 57.) und Herbert "Hacki" Wimmer (52.). Der Sieg gegen die bemitleidenswerten Sowjets, die zuvor 19 Mal ungeschlagen geblieben waren, hätte auch deutlich höher ausfallen können. Die Deutschen zelebrierten angeführt von den beiden Pass- und Ideengebern Beckenbauer und Netzer einen atemberaubenden Angriffsfußball.

Die Art und Weise, wie diese Mannschaft sich den Titel holte, wurde in ganz Europa gefeiert. Die internationale Presse schwelgte in Superlativen. Nie wieder hat eine deutsche Nationalmannschaft seitdem ähnlich brilliert. Und auch diese Elf tat das nicht mehr lange. Schon bei der WM im eigenen Land zwei Jahre später war der Zauberfußball einem pragmatischeren Stil gewichen.

most | Stand: 10.04.2008, 00:00

 

 

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