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1968 - DFB-Premiere misslingt
Die UEFA wollte beim dritten Europapokal der Nationen endlich auch die Westdeutschen mit im Boot wissen. Der Qualifikationszeitraum wurde ausgedehnt, um das DFB-Argument "Terminnot" zu entkräften. Doch bei ihrer Premiere blamierte sich die Nationalmannschaft kräftig.
Aus in Albanien: Der deutsche Stürmer Peter Meyer (l.)
Der neue Modus sah eine Vorrunde mit Gruppenspielen vor. Erst ab dem Viertelfinale, für das sich die Gruppensieger qualifizierten, ging es nach dem K.o.-System weiter. Gleichzeitig bekam der Wettbewerb einen neuen Namen und hieß ab sofort offiziell "Europameisterschaft der Nationalmannschaften". Das DFB-Team startete mit einem 6:0 gegen Albanien in ihre erstes europäisches Turnier. Viermal Gerd Müller und zweimal Hannes Löhr hießen die Torschützen. Es folgten eine 0:1-Niederlage im Hin- und ein 3:1-Sieg im Rückspiel gegen Jugoslawien.
Das Team von Bundestrainer Helmut Schön musste nun nur noch in Albanien gewinnen, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Niemand zweifelte daran, dass der Vizeweltmeister von 1966 in Tirana als Sieger vom Platz gehen würde, am wenigsten Schön selbst. Der Bundestrainer ließ die komplette Bayern-Achse mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller zu Hause. Ein Fehler. Denn auf dem eher einem Acker als einem Rasen ähnelnden Boden kam die umformierte DFB-Elf gegen beherzt verteidigende Albaner nicht über ein 0:0 hinaus, was den Jugoslawen den Einzug ins Viertelfinale ermöglichte.
Die Blamage sorgte allerdings nicht für allzu große Aufregung in der Heimat. "Sicher waren wir enttäuscht", erinnert sich Hannes Löhr, der damals dabei war. Der immer noch geringe Stellenwert des Europa-Turniers ließ das Aus zur allerdings zur Randnotiz werden. Zwar stellte die Bild-Zeitung erstmals einen Bundestrainer in Frage. "Lasst doch mal den Merkel ran", lautete die Schlagzeile. "Aber nach ein paar Tagen war das vergessen", so Löhr.
Grenzenloser Jubel über den Titel bei den Tifosi
Das Viertelfinale fand also ohne deutsche Beteiligung statt. Auch die DDR-Auswahl war bereits in der Gruppenphase gescheitert und musste als Gruppen-Zweiter den Ungarn den Vortritt lassen. Titelverteidiger Spanien strich im Viertelfinale gegen England die Segel. Die Endrunde im Juni 1968 mit den beiden Halbfinals, dem Spiel um Platz drei und dem Finale fand in Italien statt. Neben den Gastgebern hatten sich England, Jugoslawien und erneut die Sowjetunion qualifiziert.
Am Ende holte die "Squadra Azzurra" den Titel und hatte dabei das Glück und die Schiedsrichter auf ihrer Seite. Im Halbfinale gegen die Sowjets fiel in 120 Minuten kein Tor. Da man das Elfmeterschießen immer noch nicht erfunden hatte, musste das Los entscheiden. Italiens Kapitän Giacinto Faccheti entschied sich für die "richtige" Seite der Münze. Im Finale trafen die Gastgeber auf Jugoslawien, das sich im Halbfinale überraschend gegen England durchsetzte.
Das erste Endspiel endete 1:1, wobei der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst, der schon im WM-Finale 1966 eine unrühmliche Rolle gespielt hatte, die Jugoslawen klar benachteiligte. Beim Ausgleich durch einen Freistoß von Angelo Domenghini (78.) dirigierte Dienst noch die jugoslawische Mauer als der Italiener den Ball ins Tor hämmerte. Den Treffer gab er dennoch. Schließlich verweigerte er den Jugoslawen auch noch einen Elfmeter. Im Wiederholungsspiel setzten sich die Italiener dann mit 2:0 durch. Die Treffer erzielte Gigi Riva (12.) aus stark abseitsverdächtiger Position und Pietro Anastasi (31.). Das "kleine Finale" um Platz drei gewann Weltmeister England gegen die Sowjetunion ebenfalls mit 2:0.
Stand: 16.04.2008, 08:45
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