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Rückblick

1960 - Premiere ohne den DFB

Ein lang gehegter Traum wird wahr

"Europapokal der Nationen" - es war ein etwas sperriger Titel, den sich Europas Fußball-Funktionäre für das erste kontinentale Länderturnier 1960 ausgedacht hatten. Europameisterschaft wollten sie die Veranstaltung lieber nicht nennen, nachdem viele der großen Fußballnationen dem Wettbewerb die kalte Schulter zeigten. Die Sowjetunion gewann die Erstauflage.

Als Idee geisterte eine Europameisterschaft schon lange durch die europäische Fußball-Landschaft. Bereits 1927 hatte der Generalsekretär des französischen Fußballverbandes, Henri Delaunay, erstmals beim Weltverband FIFA vorgesprochen, um die Austragung eines Europaturniers analog zur Copa America in Südamerika vorzuschlagen. Doch die Herren der FIFA wollten lieber gleich das ganz große Ding drehen und so hoben sie die Weltmeisterschaft aus der Taufe. Mit dem zweiten Weltkrieg und den Nachkriegswirren verschwand die Idee eines europäischen Nationenturniers dann zunächst ganz in der Schublade.

Herberger lehnt ab

Delaunay erlebte die Verwirklichung seines Traumes nicht mehr, obwohl er seine Bemühungen auch nach dem Krieg fortsetzte, zuletzt als UEFA-Generalsekretär. Er starb 1955, zwei Jahre bevor sein Sohn Pierre es schließlich doch schaffte, die Idee einer Europameisterschaft durchzusetzen. Bei der Abstimmung der UEFA-Mitglieder 1957 stimmten 14 Nationen für die Ausrichtung des Turniers. Der endgültige Startschuss fiel aber erst im folgenden Jahr und das auch nur mit Mühe. Denn die Mindestzahl von 16 Teilnehmern wurde zunächst nicht erreicht. Ein Schub verspäteter Anmeldungen rettete das Turnier.

Auch die Bundesrepublik verzichtete genau wie England, Schottland, Italien und Schweden dankend auf die Teilnahme. Bundestrainer Sepp Herberger erklärte: "Zwischen zwei Weltmeisterschaften ist der Neuaufbau einer starken Nationalelf die erste Aufgabe, da stört ein Europaturnier bloß." So vertrat die Mannschaft der DDR das geteilte Land bei der ersten Europameisterschaft, scheiterte aber in der ersten Runde im Hin- und Rückspiel sang- und klanglos an Portugal.

Spanien bleibt zuhause

Das eigentliche Turnier, das in Frankreich ausgetragen wurde, bestand damals nur aus den beiden Halbfinals und dem Finale. Pierre Delaunay war sicher, dass die Idee einer Europameisterschaft auf Dauer ein Erfolg werden würde, wenn der erste Schritt erst einmal getan sei. Er behielt Recht, der erste Schritt allerdings war ein Flop. Die Spiele um den "Coupe Henri Delauney" hatten nicht das erhoffte Echo. Schon in der zweiten Runde hatte ein politisch motivierter Eklat das Europaturnier weiter geschwächt. Das faschistische Spanien hatte auf Befehl General Francos sein Team nicht zum Zweitrundenspiel in die kommunistische Sowjetunion reisen lassen, diese wollte wiederum die Spiele nicht auf neutralem Boden austragen.

Jaschin, der erste EM-Held

Im Juli 1960 schließlich fanden sich in Frankreich das Team des Endrunden-Gastgebers sowie die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Jugoslawien zum Halbfinale ein. Aber die Franzosen zeigten der Veranstaltung die kalte Schulter und begeisterten sich lieber für die "Tour de France" der Radprofis, zumal das französische Team im Halbfinale in Paris mit 2:4 den Jugoslawen unterlag.

Erster Europameister wurde die Sowjetunion, die im Finale Jugoslawien mit 2:1 nach Verlängerung bezwang. Viktor Ponedelnik erzielte in der 114. Minute das entscheidende Tor, nachdem Slawa Metreweli (49.) die Führung der Jugoslawen durch Milan Galic (41.) ausgeglichen hatte. Der erste große Star war jedoch die sowjetische Torwartlegende Lew Jaschin, der im Endspiel mit seinen Paraden die jugoslawischen Stürmer schier zur Verzweiflung brachte.

most | Stand: 18.04.2008, 00:00

 

 

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