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Spaniens Torschütze Fernando Torres

Killer mit Engelsgesicht

Spaniens König Juan Carlos war baff. Die Leistung von Siegtorschütze Fernando Torres im EM-Endspiel gegen Deutschland hatte den Monarchen so sehr beeindruckt, dass er sie sich nicht erklären konnte.

"Junge! Du bist so stark. Was geben sie Dir denn in England zu essen?", fragte er den Helden des Abends, als er ihm bei der Siegerehrung gratulierte. Ob es tatsächlich an den ungahnten Qualitäten der englischen Küche, von Fish and Chips oder Hammel in Minzsoße, liegt? Außergewöhnlich war die Vorstellung des Stürmers jedenfalls. Mit seinem Tor (33.) schenkte er Spanien nach 44 Jahren endlich den ersehnten zweiten Titel und stürzte das Land in einen Jubeltaumel.

Ziel: Bester Spieler der Welt

Wie er dieses "Wunder von einem Tor" überhaupt habe schießen können, wurde der 24 Jahre alte Angreifer des FC Liverpool gefragt. Schließlich war Philipp Lahm, einer der besten Verteidiger der Welt, in diesem Moment sein Gegner. "Er hat für einen Augenblick nachgelassen. Dieses Detail gab den Ausschlag", sagte Torres. Es sind diese Winzigkeiten, die Stürmer wie Torres von weniger starken Offensivspielern unterscheiden. Sie lauern, desinteressiert und scheinbar unbeteiligt - ehe sie doch zuschlagen. Torres' weiche Gesichtszüge und sein blondes Haar passen zu diesem Stil: Er ist der "Killer" mit dem Engelsgesicht. Die deutsche Abwehr hatte kein Mittel gegen den Sturm, den "El Nino" (der Junge) entfachte.

Dass Spanien EURO-Schützenkönig David Villa ersetzen musste, fiel so nicht ins Gewicht. "Außergewöhnlich", fand Trainer Luis Aragones Torres' Auftritt: "Dabei ist er noch so jung. Er kann einer der besten Spieler der Welt werden." Genau das sei sein Ziel, gab Torres zurück. "Ich will einer der wichtigsten Spieler Europas, ja der Welt werden und noch mehr Titel gewinnen." Er ist auf einem guten Weg dazu. Seit seinem Wechsel nach England vor einem Jahr hat er einen weiteren großen Schritt gemacht: 24 Tore schoss er in 33 Spielen - in der härtesten Liga der Welt.

Super nett und cool

Das Final-Tor ist der vorläufige Höhepunkt in seiner Karriere, von der heimischen Presse wird er dafür wie ein Heiliger verehrt. "Spanien brauchte ihn wie nie zuvor - und das Kind wurde gefunden", schrieb die Sporttageszeitung Marca. AS schwärmte vom "Koloss, der allein gegen die deutsche Abwehr kämpfte - und siegte". Dabei ist dieser Torres noch immer ein ganz normaler Junge aus dem Madrider Armenviertel Fuenlabrada, der sich am Rande der EURO schonmal mit österreichischen Jungs zum Kicken traf. "Super nett, ganz cool", sei er aufgetreten, berichteten die Nachwuchsspieler, und am Ende habe er sogar sein Trikot mit den Kids getauscht.

Wobei. Ein kleiner Heiligenschein schwebt wohl doch über "San Fernando". Er habe sein Tor vorausgeahnt, sagte er. "Ich wollte in die Geschichte eingehen. Wie damals Marcelino." Marcelino Martinez schoss Spanien 1964 zum ersten EM-Titel. "Seinen Namen kennt bei uns jedes Kind", sagte Torres: "Er ist unsterblich." Torres jetzt auch.

sid | Stand: 30.06.2008, 14:40

 

 

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