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Abschluss Euro 08
Von Volker Schwenck, ARD Genf
Die Fanzonen zum Teil leer, die "Nati" schnell draußen - die Voraussetzungen für ein Euro-Stimmungsfeuerwerk in der Schweiz waren denkabr schlecht. Aber dann kamen zum Glück die Holländer!
Das Bild hat gar nichts mit Fußball zu tun. Trotzdem ist es mir zum Symbolbild dieser EURO 08 in der Schweiz geworden. Es war in Bern. Vor dem Schweizer Parlamentssitz, dem Bundeshaus, umzäunten Metallgitter die offizielle Fanzone. An den Gittern waren als Sichtschutz Planen angebracht, die in UEFA-Design Namen und Signet der „Host-City“ Bern trugen. Zwischen Bundeshaus und abgrenzendem Metallgitter war eine breite Gasse, in der sich Polizisten, Sanitäter, normale Berner und Reporter bewegten. Also diesseits des Zauns der Bürger, jenseits die Fans.
Als die Holländer kamen, war das Wetter schön, die Laune prächtig, der Durst riesig und Toiletten waren knapp. Da wurden die Planen-behängten Metallgitter zu Urinalen, und auf Meterlänge sah man von der Fan-abgewandten Seite einen nicht versiegenden Sturzbach. Fahrradfahrer querten die Richtung Rinnstein fließende Lache und lupften schnell die Füße, als sie begriffen, wo hindurch sie gerade pedalierten. Doch die Schweizer liebten es. Sie kleideten sich in Oranje, setzten alberne Hüte auf und schunkelten mit. Mit jedem Glas Bier in der Hand und "Hup Holland" auf den Lippen wurden sie fröhlicher.
Dabei waren die Voraussetzungen für ein Stimmungsfeuerwerk bei der EURO 08 in der Schweiz eher schlecht. Das selbst gewählte Vorbild der Megasause in Deutschland 2006 verurteilte die Eidgenossen zu zwanghafter Vorfreude. Schon Wochen vor Turnierbeginn wurden sie alle paar Tage gefragt, ob sie denn schön euphorisch seien. Das muss einem ja auf die Nerven gehen. Dann setzte pünktlich zum Turnierstart mieses Wetter ein. Elf Grad am Basler Rheinufer, Wind und Regen. Und schließlich schied die Schweizer "Nati" früh aus – nicht unerwartet, aber unglücklich. Da war die Stimmung auf dem Tiefpunkt und wegen menschenleerer Fanzonen tauften Scherzbolde die vier Schweizer Host-Cities in "Ghost-Cities " um.
Zum Glück kam dann doch die Sonne und zum Glück kamen die Holländer. Sie brachten eine Freude in die Schweiz, die selbst das Ausscheiden der orangefarbenen Stimmungskanonen überdauerte. Ein Stück weit verstummte in der zweiten Halbzeit des Turniers sogar die Kritik an der geschäftstüchtigen Autokratie der UEFA. Es kam im Land der direkten Demokratie nicht gut an, dass öffentliche Fanzonen zu selbstbestimmungsfreien Exklaven wurden, in denen der Fan trinken und tragen muss, was der UEFA passt. Der Fan wird nicht gern auf seine Rolle als Umsatzbringer reduziert. Und viele irritiert es noch immer, dass die UEFA dank eines kleinen Schweizer Steuerprivilegs einen steuerfreien Millionengewinn einstreicht, während die Millionenkosten für Sicherheit und Sauberkeit am Steuerzahler hängen bleiben.
Aber trotzdem. Die EURO ist vorbei und die Schweiz ist mit sich sehr zufrieden. Die Organisation war perfekt. Randale, Verkehrschaos und andere befürchtete Horrorszenarien blieben aus. Da kann es sich der Verteidigungsminister sogar leisten, im Nachhinein wolkig von Anschlagsplanungen während des Turniers zu berichten: es ist ja nichts passiert. Der Gastgeber hat seinen Job bravourös erledigt: Europameister im Organisieren. Weil Hochdruckreiniger alles wegspülen, kann man großzügig sein: man hatte alles zu jeder Zeit gut gelaunt im Griff. Selbst als in Bern die echten und die verkleideten Holländer über die Stränge schlugen.
Stand: 30.06.2008, 19:07
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