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Kleine Republik - große Gastfreundschaft
Von Brigitte Abold, ARD-Studio Wien
Sportlich schwach, als Gastgeber stark. In Österreich stieg das Fußball-Fieber nur langsam. Aber die Gäste fühlten sich in der Alpenrepublik wohl. Und auch die Fußballverweigerer in Österreich wurden in den Euro-Wochen immer leiser.
Österreich hat es gleich gewusst: In Umfragen hatten viele Österreicher bereits vor dem Endspiel die Spanier zu Siegern erklärt. "Deutschland soll eine auf den Deckel bekommen." Und: "Ich bin immer gegen die Piefkes", waren noch gemässigte Aussagen.
Als dann feststand, dass es die Deutschen nur auf Platz zwei geschafft hatten - war das ein wenig Balsam für die geschundene Fußballseele der Ösis. Der große deutsche Bruder sollte schließlich nicht zu übermütug werden.
Warum? Namhafte Schriftsteller der Alpenrepublik bemühen da schon einmal die Geschichte. Opernball-Autor Josef Haslinger erinnert an die militärische Niederlage der Österreicher gegen die Preußen in Königgrätz 1866 und daran, daß die Ösis in der Folge von der Groß- zur Zwergenmacht geschrumpft seien. Das habe man den Preußen nie verziehen.
In den Fanzonen der Hauptstadt waren alle Piefkes aber willkommen, auch weil die Deutschen als eher zahlungskräftige Besucher gelten. Die Ösis selbst haben sich in den Meilen zumindest anfangs eher rar gemacht. Es war ihnen einfach zu eng, zu laut und es roch schon mal nach Urin. Doch auch in Ösiland stieg bei allen Reserven das Fußballfieber und gegen Ende stürmten immer mehr Einheimische die Fanmeilen. Die Fußballverweigerer gerieten deutlich ins Hintertreffen. Ein eigens gegründeter Verein, der dazu aufrief, Österreich möge wegen schlechter fußballerischer Leistungen gar nicht erst an der EM teilnehmen,wurde merklich stiller.
Als Gastgeberland machte die tourismuserfahrene kleine Republik schon vor Beginn eine gute Figur. Die Marketingmeister wissen, wie sie Urlauber ins Land holen. Die Gäste genossen in schmucken Hotels, gepflegten Pensionen oder Fancamps in guter Lage ihren Besuch. Die Schmankerln erfreuten sowieso alle. Und auch sicherheitstechnisch ging nichts schief, trotz aller Unkenrufe im Vorfeld. Keine Anschläge, kaum Raufereien, dafür viel gelebte multi-kulti Integration.
Ein politisches Drama spielte sich da eher im Hintergrund ab. Im Windschatten der EM mußte Österreichs Kanzler Alfred Gusenbauer seinen Parteivorsitz abgeben. Zunächst im Glauben, so besser als Spitzenkandidat in die nächste Wahl gehen zu können. Doch im Moment sieht es eher so aus, als könnte damit der Anfang vom Ende der Ära Gusenbauer eingeläutet sein.
Sollte es eine Parallele zwischen Politik und Fußball geben, dann hätte sie sich hier erfüllt. Das Ösi-Team schied in der Vorrunde aus und das Land steht möglicherweise bald vor Neuwahlen.
Kein Wunder von Wien. Trotzdem für Fußballfreunde/innen - ein Sommermärchen.
Stand: 30.06.2008, 13:42
Witzige Schnappschüsse, schräge Fotos - schicken Sie uns Ihr schönstes Euro-Bild! [mehr]