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Deutschland verliert das Finale von Wien
Von Robert Müller
Die deutsche Mannschaft hat es nicht geschafft. Das Team von Trainer Joachim Löw verlor das Euro-Finale in Wien mit 0:1 (0:1) gegen Spanien. Im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion erzielte Fernando Torres vor 51.428 Zuschauern das einzige Tor.
Die deutsche Mannschaft konnte mit Kapitän Michael Ballack auflaufen. Die Wade hielt - und auch eine Platzwunde am Kopf konnte Ballack nicht stoppen. Doch nach guter Anfangsphase musste das deutsche Team den Spaniern das Feld allzu oft überlassen. Die Strafe, der Rückstand, folgte auf dem Fuß. Das Team von Bundestrainer Löw bäumte sich in der zweiten Halbzeit vergeblich auf und musste schließlich die Überlegenheit der Spanier anerkennen. Die Spieler von Luis Aragones dominierten das Finele ebenso wie das ganze Turnier.
Dabei hatte Löws Mannschaft das Spiel eigentlich gut begonnen und war in den ersten Minuten zu einigen viel versprechenden Chancen gekommen: In der vierten Minute kam Miroslav Klose in Tornähe an den Ball, kurz danach versuchte Philipp Lahm, es ihm gleich zu tun. Auch Thomas Hitzlsperger, der von Klose eingesetzt worden war, traf den Ball nicht voll. Bei den Spaniern ging runde zehn Minuten nicht viel zusammen.
Dann aber gab die deutsche Mannschaft das Heft aus der Hand und sorgte sogar gleich selbst für die erste Topchance der Iberer: Christoph Metzelder hatte einen Schuss von Xavi fast ins eigene Tor abgefälscht, doch Jens Lehmann konnte das mit einer tollen Parade verhindern. Anscheinend ein Weckruf für die Spanier: Die kamen in der Folgezeit immer wieder in den deutschen Strafraum.
In der 23. Minute war es der Pfosten, der ein Tor durch Fernando Torres verhinderte. Wenig später konnte Per Mertesacker den spanischen Stürmer nur mit großer Mühe stoppen. In der 33. Minute wurde die zögerliche Abwehrleistung der Deutschen bestraft: Torres traf zum 1:0. Lahm war neben ihm hergelaufen und hatte ihn nicht am Schuss hindern können. Das tat weh – ebenso eine Platzwunde, die sich Michael Ballack kurz darauf bei einem Kopfballduell zuzog. Doch der Kapitän biss auf die Zähne und kam zurück ins Spiel.
Die zweite Halbzeit begann mit einem weiteren Schock für die deutsche Mannschaft: Lahm musste mit einer Fleischwunde in der Kabine bleiben. Für ihn kam sein Münchner Vereinskamerad Marcell Jansen ins Spiel. Der Verteidiger führte sich gleich gut ein, aber auch die Spanier blieben gefährlich. In der 55. Minute konnte Lehmann gegen den durchgebrochenen Torres klären.
Löw versuchte es in der Folgezeit mit Kevin Kuranyi für Hitzlsperger. Sollte das der Weckruf für die Deutschen sein? Ja! Viermal direkt hintereinander kamen sie gefährlich in Strafraumnähe. Ballack und Schweinsteiger hatten jeweils zwei Chancen. Aragones reagierte und wechselte den defensiven Xabi Alonso für Cesc Fabregas ein. Die deutsche Mannschaft agierte jetzt mit mehr Biss: Jansen holte einen Freistoß heraus, Torsten Frings konnte die Chance aber nicht nutzen. Löw versuchte es in der 78. Minute mit einer weiteren Offensivkraft: Mario Gomez ersetzte Klose. Doch ein effektiver Sturmlauf blieb aus. Es blieb beim 0:1.
Michael Ballack, der einen internationalen Titel erneut verpasste, zeigte er sich enttäuscht. "Wir haben ein, zwei Fehler zuviel gemacht und haben nicht unverdient verloren." Der Wille sei bei seiner Mannschaft zwar erkennbar gewesen, so der Team-Kapitän. "Aber die Kraft hat am Ende gefehlt." Trotzdem bilanzierte er das gesamte Turnier genauso wie Löw mit den Worten: "Die Mannschaft hat Großartiges geleistet." Und der Bundestrainer sagte: "Ins Finale gekommen zu sein, ist schon etwas Besonderes."
Die spanische Bilanz dieser Endrunde: sechs Spiele, sechs Siege, 12:3 Tore. So erfolgreich waren sie lange nicht mehr: Den letzten und bis zu diesem Tag einzigen EM-Erfolg hatten die Spanier im Jahr 1964 erringen können. Seit dem Endspiel der EM 1984 gegen Frankreich war das Team nicht mehr über ein Viertelfinale bei einem großen Turnier hinausgekommen. Dementsprechend glücklich zeigte sich Fernando Torres nach dem Spiel: "Wir hätten nie geglaubt, dass wir soweit kommen. Aber jetzt haben wir unseren Platz in Europa gefunden", sagte der Torschütze des Siegtreffers.
Für Trainer Aragones war das Finale mit dem Titelgewinn die letzte Partie mit der "Selección". Wegen Unzufriedenheit mit seinem Verband tritt er nach der Europameisterschaft von seinem Amt zurück.
mit dpa/sid | Stand: 29.06.2008, 23:59
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |