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Deutsches Team

Joachim Löw

Als Mensch und Trainer an Profil gewonnen

Von Martin Heuser

Er hatte an Rücktritt gedacht, "falsche" Spieler eingewechselt und sich mit der UEFA gezofft. Trotzdem stand er bei seiner selbst ausgerufenen "Bergtour" fast auf dem Gipfel. Jogi Löw ist trotz Finalpleite bei der Euro 2008 aus dem Schatten seines Vorgängers Jürgen Klinsmann herausgetreten.

Den "netten Jogi" gibt es nicht mehr, stellte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß fest, als der "Herr Löw" diplomatisch korrekt formuliert, aber in der Sache hart, die UEFA wegen seiner Verbannung auf die Tribüne kritisierte. Löw hatte beim Österreich-Spiel einen längeren Disput mit dem vierten Offiziellen. "Ich habe 40 Minuten in mehreren Sprachen versucht, ihm zu erklären, dass ich in Ruhe coachen will. In der 40. Minute bin ich dann etwas deutlicher geworden", sprach er in die Mikrofone und alle wussten: Löw ist richtig angefressen.

Besonnen formulierend, sachlich bei Kritik - "Högschde Disziplin" eben. Joachim Löw wirkte manchmal schon erschreckend beherrscht in all dem Trubel, den Blitzlicht-Gewittern und Dauer-Interviews. Nun hat er bei dieser Euro auch kurze Einblicke ins Innenleben offenbart.

Der Absturz drohte bei der "Bergtour"

Joachim Löw wütend; Rechte: dpa Bild groß... manchmal aber auch richtig wütend.

Seine von ihm selbst ausgerufene "Bergtour 2008" hätte auch im totalen Absturz enden können. Das Aus in der Vorrunde war nach dem Kroatien-Spiel möglich. Und damit auch ein Rücktritt des DFB-Coaches. Solche Gedanken habe er gehabt, sagte er, "aber ich habe mich nicht lange damit befasst und direkt wieder versucht, sie in etwas Positives umzumünzen".

Menschlich hat Joachim Löw bei dieser Euro zweifellos an Profil gewonnen. Und auch als Trainer hat er sich flexibel gezeigt. Nicht strikt an der geplanten EM-Taktik mit dem bevorzugten 4-4-2-System festzuhalten, war ein kluger Schachzug. Die Umstellung auf ein 4-2-3-1 brachte im Viertelfinale gegen Portugal den Erfolg und Anerkennung für den Taktiker Löw. Und auch, dass er ein schlechtes Spiel wie das gegen Kroatien nicht schönredete und die Kritik an seinen Einwechslungen annahm, zeigt eine innere Stärke.

Das "Projekt" geht weiter

Joachim Löw hat mit der Mannschaft die Krise nach den Spielen gegen Kroatien und Österreich durchgestanden. Das gelingt auch nicht jedem Trainer. Er hat die DFB-Elf wachgerüttelt. Wie er es gemacht hat, was intern geredet wurde, erfuhr die Öffentlichkeit so wenig wie die Aufstellungen, die erst kurz vor Spielbeginn bekannt werden.

Der 48-Jährige aus Südbaden hat mit dem Einzug ins Endspiel gleich bei seinem ersten Turnier etwas geschafft, was seinem früheren Chef und Initiator des "Sommermärchens 2006", Jürgen Klinsmann, verwehrt blieb. Schon das Erreichen des Finales ist - trotz der Niederlage gegen Spanien - ein großer Erfolg und was noch viel wichtiger ist: Die von Klinsmann angestoßene Erneuerung des deutschen Fußballs wird nun weitergehen. Das "Projekt" wie Klinsmann und er es 2006 genannt haben, ist noch nicht abgeschlossen.

Löw hatte vor der Euro 2008 eine Nationalmannschaft ohne "teutonische Eisenfüße" angekündigt. Das hat er bei diesem Turnier - mit gewissen Abstrichen – geschafft und damit die Hoffnung genährt, dass das deutsche Team nicht nur knappe Spiele gewinnen kann, sondern manchmal auch richtig schön spielt.

Stand: 29.06.2008, 23:01

 

 

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2.Deutschland36
3.Österreich31
4.Polen31
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