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Deutschland - Spanien
Von Andreas Haaß
Die deutsche Mannschaft hatte sich das Motto "Bergtour 2008" selbst gewählt. Am Sonntagabend (20.45 Uhr, live im Ersten) kann sie nun den europäischen Fußball-Gipfel besteigen. Doch auch die spanische Seilschaft um Luis Aragones hat dieses Ziel fest im Blick.
"Die Mannschaft" trifft auf die "Favoritos ", die wahlweise auch die "Toreros" sind. Für das Endspiel Deutschland – Spanien haben die Zeitungen bereits passende Schlagwörter gefunden. Denn sie geben den Eindruck wieder, den beide Teams bei der diesjährigen Europameisterschaft hinterlassen haben: Die fußballerisch überzeugendste Mannschaft Spaniens trifft auf Deutschland, das Team mit dem vermutlich besten Zusammenhalt.
Für das Team um Bundestrainer Joachim Löw bedeutet die sechste EM-Endspiel-Teilnahme die Chance auf den vierten EM-Titel nach 1972, 1980 und 1996. Entsprechend motiviert äußerte sich auch DFB-Präsident Theo Zwanziger am Vorabend des Endspiels gegenüber der Mannschaft: "Ich bin stolz auf euch. Aber jetzt setzt das Tüpfelchen auf das i. Wir können nach langer Zeit wieder etwas Großartiges leisten."
Und in der Tat liegt der letzte deutsche Erfolg bei einem großen Turnier mittlerweile zwölf Jahre zurück. 1996 sicherte das "Golden Goal" von Oliver Bierhoff im Endspiel gegen Tschechien den Europameistertitel bei der EM in England. So ist es dann auch für Löw klar, dass die Mannschaft trotz der unzureichenden Leistung im Halbfinale beim 3:2 gegen die Türkei "hundertprozentig weiß, worauf es ankommt".
Bis auf die Verletzung von Torsten Frings, der sich einen Rippenbruch im Spiel gegen Österreich zugezogen hatte, blieb das deutsche Team weitgehend frei von Verletzungssorgen. Umso ärgerlicher, dass am Samstagnachmittag herauskam, dass Kapitän Michael Ballack seit Freitag muskuläre Beschwerden in der rechten Wade hat. Ausgerechnet Ballack, der gegen das starke spanische Mittelfeld zu einem zentralen Spieler der Partie werden sollte. Aber schließlich gab die medizinische Abteilung des DFB Entwarnung: Ballack kann auflaufen.
Aber auch die Spanier beklagen Verletzungspech. Torjäger David Villa, der die EM-Torschützenliste anführt, zog sich im Halbfinalspiel gegen Russland eine Muskelverletzung im rechten Bein zu und soll im Finale nicht spielen können.
Allerdings hat Spaniens Trainer Luis Aragones im Halbfinale gezeigt, dass er ein Team hat, das solch einen Ausfall problemlos wettmachen kann. Andres Iniesta, Cesc Fabregas, Xavi, Daniel Güiza und David Silva zauberten die Russen aus dem Turnier.
"Wir haben eine Kultur des Sieges entwickelt", erklärte Mittelfelspieler Xavi. Die spanische Bilanz dieser Endrunde: fünf Spiele, fünf Siege, 11:3 Tore. Entscheidenden Anteil daran hatten das starke Mittelfeld und die "Tiqui-taca ": das Kurzpassspiel. Die Spanier lassen dabei den Ball über viele Stationen in ihren eigenen Reihen zirkulieren, um schließlich den schnellen Pass in die Spitze zu spielen.
Nach dem EM-Erfolg 1964 ist dieses Finale wieder einmal eine Möglichkeit für Spanien, einen großen Titel zu holen. Bis zu dieser Euro sind die Spanier seit dem Endspiel der EM 1984 gegen Frankreich nicht mehr über ein Viertelfinale bei einem großen Turnier hinausgekommen.
Daher wird ihnen auch der König persönlich die Daumen drücken. Juan Carlos hat sich mit Gattin Sofia zum Endspiel angesagt. Auf deutscher Seite wird Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso im Stadion sein wie Jürgen Klinsmann.
Für Wien in diesem Sommer ganz ungewöhnlich: Das Wetter soll mitspielen. Nach einem Tag mit viel Sonnenschein bei Temperaturen von 27 bis 29 Grad werden am Abend zum Anstoß im Ernst-Happel-Stadion bei aufgelockerter bis wechselnder Bewölkung 24 Grad erwartet. Das Gewitterrisiko wird als gering eingeschätzt. Was ja auch besser ist, so kurz vor dem Gipfel einer "Bergtour".
Spanien:
1 Casillas - 15 Sergio Ramos, 4 Marchena, 5 Puyol, 11 Capdevila - 6 Iniesta, 19 Senna, 8 Xavi, 21 Silva - 10 Fabregas - 9 Torres
Deutschland:
1 Lehmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 8 Frings, 15 Hitzlsperger - 7 Schweinsteiger, 13 Ballack, 20 Podolski - 11 Klose
mit sid/dpa | Stand: 29.06.2008, 22:38
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |