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Thomas Hitzlsperger vor dem Finale
Von Wolfram Porr, Wien
Geduldig, fleißig, bescheiden - wenn von Thomas Hitzlsperger die Rede ist, fallen fast immer diese drei Adjektive. Und genau so hat sich der 26-Jährige vom VfB Stuttgart bei der Euro in die Mannschaft gespielt. Das Finale gegen Spanien ist der Höhepunkt seiner Karriere.
WM-Dritter 2006 und Deutscher Meister 2007 mit dem VfB Stuttgart sind die größten Erfolge, die Hitzlsperger bisher aufzuweisen hat. Ein großer internationaler Titel fehlt ihm noch: "Wir alle sind sehr fokussiert auf das Finale", so Hitzlsperger auf der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel. "Das ist der beste Moment in meiner Laufbahn, und ich hoffe natürlich, dass wir das Spiel auch gewinnen."
Gegen Spanien im Ernst-Happel-Stadion wird er wohl das linke Mittelfeld beackern. Spätestens seit dem Österreich-Spiel ist der 26-Jährige auf der Seite vor Philipp Lahm gesetzt, auch wenn das lilafarbene Leibchen, das er beim Abschlusstraining trug, keinen hundertprozentigen Aufschluss darüber zulässt: Mit dem gleichen Leibchen spielten zwar sowohl einige gesetzte Spieler wie Miroslav Klose oder Lahm, allerdings auch Piotr Trochowski, der bei dieser Euro noch keine Minute auf dem Feld stand.
Dass er zu Beginn der Euro nicht zur Startformation gehörte, weckte den Kampfgeist des als ehrgeizig und extrem trainingsfleißig bekannten Musterprofis. Hitzlsperger hängte sich rein und drängte sich Bundestrainer Joachim Löw förmlich auf. Mit der taktischen Umstellung vom klassischen 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 schlug seine Stunde.
Schon im Trainingslager auf Mallorca hatte er gesagt, dass er zwar geduldig sei, bei der Euro aber trotzdem einen Stammplatz anstrebe. "Das muss mein Ziel sein." Immerhin bestritt er in der EM-Qualifikation fünf Spiele von Beginn an und ist derjenige, der seit der WM 2006 von allen Spielern im EM-Kader die meisten Einsätze (18) aufzuweisen hat.
In seinen bisherigen vier Turnierspielen hat er Löw dann überzeugt. Mit seinem Partner auf links, Philipp Lahm, versteht sich Hitzlsperger ausgezeichnet – und das nicht nur, weil beide in München geboren sind. Wertvoll ist er für die Mannschaft aber auch und besonders durch seine Distanzschüsse. Hitzlsperger gilt als der schussstärkste Spieler im deutschen Team. In seiner Zeit bei Aston Villa in der englischen Premier-League (2002 bis 2005) bekam er deshalb den Spitznamen "The Hammer" verpasst.
Dass Finalgegner Spanien als das spielerisch bessere Team gilt, ficht den Linksfuß nicht an. Er setzt auf die eigenen Stärken der deutschen Mannschaft: "Wir haben dafür eine große Geschlossenheit an den Tag gelegt und uns von unserem Ziel, dem Finaleinzug, nicht abbringen lassen. Jetzt wollen wir den Spaniern Probleme bereiten, die sie bisher bei diesem Turnier noch nicht hatten und auf die sie vielleicht keine Antwort haben."
Der mögliche Ausfall von Michael Ballack würde die Deutschen härter treffen, als die Spanier die Verletzung von Villa, glaubt Hitzlsperger: "Michael ist seit Jahren ein ganz wichtiger Spieler bei uns, ein Leader, den man braucht in so einem Spiel."
Ob er selbst in die "Leaderrolle" rücken kann? In bisher 33 Länderspielen hat es Hitzlsperger auf fünf Tore gebracht. Einmal – im März 2007 beim 0:1 gegen Dänemark in Duisburg – führte er die DFB-Auswahl sogar als Kapitän aufs Feld. Ein großes Bohei macht das jüngste von sieben Geschwistern, das als Hobbys Lesen, Kino und Golf angibt, darum aber nicht. Dafür ist er zu bescheiden. Dazu passt auch, dass er als einziger deutscher Nationalspieler noch keine eigene Homepage hat. Als Europameister dürfte sich wenigstens das dann aber ändern.
Stand: 28.06.2008, 22:34
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |