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Spanien vor dem Finale

Mission noch nicht erfüllt

Von Wolfram Porr, Wien

Die spanische Fiesta bei der Euro geht mindestens bis zum Finale am Sonntag weiter: Nach dem überzeugenden 3:0-Erfolg gegen Russland wollen die Iberer auch den letzten Schritt machen und ihre Mission erfüllen. Allerdings wird wohl ihr bester Torschütze David Villa gegen Deutschland fehlen.

Andrés Iniesta; Rechte: dpa Bild großÜberglücklich über den Finaleinzug: der "Man of the Match", Andrés Iniesta

50 Minuten Anlaufzeit brauchte die Mannschaft von Trainer Luis Aragonés im Halbfinale gegen die Russen, ehe sie dann aber richtig aufdrehte. Das 1:0 durch Xavi brach den Bann, und in der Folge führte die "Selección" ihren Gegner phasenweise sogar vor. "Wir haben wirklich ein tolles Spiel gemacht, in der zweiten Halbzeit vielleicht sogar das beste bei dieser Euro", sagte der überglückliche Vorbereiter des 1:0, Andrés Iniesta, nach dem Spiel. Der "Man of the Match" schaute aber sogleich nach vorne: "Jetzt sind wir im Endspiel, das wir jetzt auf jeden Fall auch gewinnen wollen. Dafür sind wir hier."

Keine Zeit zum Feiern

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – die alte Fußballerweisheit scheinen die Spanier verinnerlicht zu haben. Viel Zeit ist auch nicht bis zum großen Finale: Wie schon nach dem Viertelfinale haben die Spanier nur wenig Zeit zur Regeneration, diesmal sogar nur zwei Tage. Im bisherigen Turnierverlauf waren kurze Pausen zwischen den Spielen aber ja eher selten ein Nachteil für die Mannschaften. Als echtes Handicap könnte sich dagegen allerdings die Verletzung des vierfachen EM-Torschützen David Villa herausstellen. Der Torjäger hatte sich in der 30. Minute verletzt und musste mit einer Leistenzerrung ausgewechselt werden.

Ohne David Villa im Finale

Für den spanischen Top-Torjäger David Villa ist die EM endgültig beendet. Laut Teamarzt Jesus Jimenez fällt der Stürmer definitiv aus. "Es ist schade, dass ich nicht dabei bin. Aber es ist besser, dass ein Teamkollege spielt, der fit ist", meinte Villa am Freitagabend nach dem langen Hin und Her um seinen Einsatz.

Aber auch ohne Villa – die Spanier haben in jedem Fall das Zeug, erstmals nach 1964 wieder Europameister zu werden. Dass die ballsichere Mannschaft erst nach Villas Ausscheiden auf Touren kam, sollte Warnung genug sein für die DFB-Auswahl.

Mittelfeld ist das "Prunkstück"

David Silva und Cesc Fabregas ; Rechte: dpa Bild großJubeln über das 3:0: Torschütze David Silva (li.) und Vorbereiter Cesc Fabregas

Die Einwechslung von Cesc Fabregas brachte auch eine taktische Änderung mit sich: Der Mann von Arsenal London zog sich etwas weiter zurück als vorher Villa, spielte eher hinter als neben Stürmerstar Fernando Torres, und sorgte so für eine nummerische Überzahl im Mittelfeld. Das "Prunkstück" der Spanier (ARD-Experte Günter Netzer) mit Iniesta, Fabregas, Xavi und David Silva machte dann spätestens nach der Pause den Unterschied im Spiel zweier spielstarker Mannschaften. Dazu strahlten Iker Casillas im Tor genauso wie seine Vorderleute Carlos Puyol, Carlos Marchena, Sergio Ramos oder Marcos Senna stets viel Ruhe aus.

Hiddink schwärmt vom "One-Touch-Fußball"

"Wir waren mit ihnen etwa eine Stunde auf einem Level, dann hatten sie uns mit ihrem "One-Touch -Fußball" müde gespielt", so ein beeindruckter Guus Hiddink, der den Spaniern jetzt auch den Titel zutraut. Die alte russische Mentalität, nach einem Rückstand zu früh zu resignieren, spielte den Spaniern freilich zusätzlich in die Karten.

"Haben noch nichts erreicht"

Aragonés' Händchen bei den Auswechslungen war ein weiterer Trumpf im Ärmel der Spanier: Daniel Güiza ersetzte in der 69. Minute Torres, der sich gleich gegen zwei russische Innenverteidiger aufgerieben hatte, und erzielte nur vier Minuten später prompt das 2:0. David Silva erhöhte schließlich nach einem formidablen Konter über den (eingewechselten) Fabregas auf 3:0, den Endstand. "Das ist ein großartiger Erfolg für uns, aber noch haben wir noch nichts erreicht", mahnte Fabregas. "Der EM-Titel ist unser großes Ziel. Jeder in Spanien erwartet jetzt Großes von uns. Aber es wird sehr schwer."

Istanbul oder Santiago di Compostela?

Respekt vor der deutschen Mannschaft zeigen sie alle, nicht zuletzt aufgrund der großen Erfolge und der vielen Titel, die Deutschland vorzuweisen hat. "Wir sind im Finale, aber der Gegner heißt Deutschland. Das ist eine große Aufgabe", so Aragonés, der im Falle des EM-Triumphes angekündigt hat, nach Santiago di Compostela zu pilgern. Zwar hat der scheidende Nationalcoach bereits bei Fenerbahce Istanbul unterschrieben. Die Pilgerreise würde er aber dennoch gerne antreten. Dafür und damit die spanische Fiesta noch länger dauert, muss seine Elf am Sonntag gewinnen, notfalls auch ohne Villa. "Das war unser Plan." Noch hat die Mannschaft ihre Mission nicht erfüllt.

Stand: 27.06.2008, 12:15

 

 

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