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Roman Pavlyuchenko
Von Ernst Eisenbichler
Andrei Arshavin war schon vorher ein Superstar. Die russische Entdeckung dieser Euro ist Roman Pavlyuchenko. Das wissen inzwischen auch die Spanier, Gegner der Russen am Donnerstag (26.06.08) im Halbfinale. Aber Pavlyuchenko gilt auch als ein schlampiges Genie.
Eigentlich war der 26-jährige Stürmer von Spartak Moskau nur als Ersatzmann mitgereist. Gesetzt waren Arshavin und Pavel Pogrebnyak, das kongeniale Angriffs-Duo vom russischen Meister und UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg. Doch Pogrebnyak verletzte sich vor der EM und Arshavin war die ersten beiden Spiele gesperrt. Pavlyuchenko nutzte seine Chance: Er erzielte bislang drei Tore, darunter das wichtige 1:0 im Viertelfinale gegen die Niederlande. Aber er ist weit mehr als ein Goalgetter: Er gehört zur Garde junger Spieler, die für die überraschende Fußball-Renaissance Russlands unter dem holländischen Trainer Guus Hiddink stehen. Wenn Yuri Zhirkov, Konstantin Zyryanov oder Arshavin mit ihren Kurzpass-Festivals den Gegner schwindlig spielen, ist auch Pavlyuchenko meist nicht weit weg.
Zusammen mit Arshavin bildet Pavlyuchenko den neuen "Wundersturm" der Russen, dem bisher fünf Treffer gelangen. Den kennt - und fürchtet - nun auch Halbfinalgegner Spanien, den ein anderes Russland erwartet als beim 4:1-Sieg im Vorrundenspiel der beiden Kontrahenten. Pavlyuchenko konnte damals nur noch seinen Beitrag zur Ergebniskosmetik leisten, aber ihm fehlte auch Arshavin. Nun können beide im Wechsel mit ihren blitzschnellen Vorstößen die iberische Abwehr irritieren. Die spanischen Innenverteidiger Carles Puyol und Carlos Marchena dürfen sich jetzt schon auf Dauerbeschäftigung einstellen. Weil das russische Sturmduo aber auch gerne und oft auf die Flügel ausweicht, um in den Rücken der Abwehr zu flanken, sollten auch die Außenverteidiger Sergio Ramos und Joan Capdevila mit einem arbeitsreichen Abend rechnen.
Russland im Halbfinale einer EM- ein unerwarteter Siegeszug. Dabei wäre es ohne Pavlyuchenko wahrscheinlich gar nicht mit von der Partie. In einem entscheidenden Qualifikationsspiel gegen England hatte der Gast lange Zeit 1:0 in Moskau geführt. Hiddink wechselte den Mann von Spartak ein - der Joker stach: Pavlyuchenko drehte die Partie mit seinen beiden Treffern noch zum 2:1-Sieg. Ein wichtiger Tag in seiner Karriere, die zunächst gar nicht so erfolgversprechend begonnen hatte. Von seinem Jugendklub Dinamo Stawropol wechselte er zu Shinnik Jaroslawl, wo man ihm allerdings die Erstligatauglichkeit absprach. Über Rotor Wolgograd kam er schließlich zu Spartak Moskau. Beim Hauptstadtklub stellte sich endlich der Erfolg ein, zwei Mal wurde er dort Torschützenkönig. Das führte dazu, dass er in Russland ein Star wurde. Es führte aber auch dazu, dass er abhob. Sein Klubtrainer Stanislav Cherchessov, hierzulande bekannt als ehemaliger Torhüter von Dynamo Dresden, musste sein Supertalent wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.
Es heißt, Pavlyuchenkos Mutter betet vor allen Spielen für ihren Sohn. Hiddink wird das vielleicht auch tun: dass er nicht wieder abhebt und am Donnerstag - wie schon in der Vorrundenpartie gegen Schweden - beste Torchancen verdribbelt. Pavlyuchenkos Spielkunst verendet nämlich zuweilen an einer alten russischen Fußball-Krankheit: In Schönheit sterben. Und Spanien betet sowieso: dass der russische "Wundersturm" nicht wieder zuschlägt.
mit sid/dpa | Stand: 25.06.2008, 17:12
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Portugal | 3 | 6 |
| 2. | Türkei | 3 | 6 |
| 3. | Tschechien | 3 | 3 |
| 4. | Schweiz | 3 | 3 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Niederlande | 3 | 9 |
| 2. | Italien | 3 | 4 |
| 3. | Rumänien | 3 | 2 |
| 4. | Frankreich | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Spanien | 3 | 9 |
| 2. | Russland | 3 | 6 |
| 3. | Schweden | 3 | 3 |
| 4. | Griechenland | 3 | 0 |