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Spaniens Trainer Aragones wird gefeiert
Von Michael Ostermann
Fußball-Anhänger haben kein gutes Gedächtnis. Das ist ziemlich praktisch, denn so kann man ganz schnell jemandem zum Helden verklären, den man noch vor kurzem am liebsten zum Teufel gejagt hätte. Die spanischen Fans machen das gerade vor - mit ihrem Nationaltrainer Luis Aragones
"Quedate Luis!", flehen die Spanier nun, nachdem Aragones die "Seleccion" ins Halbfinale gegen Russland geführt hat und damit den Traum vom ersten Titelgewinn seit dem EM-Triumph 1964 genährt hat. Doch der 69 Jahre alte Kauz hat sich festgelegt: Nach der Euro ist Schluss - definitiv. Aragones wird nach dem Turnier neuer Trainer bei Fenerbahce Istanbul "Ich bin wie Milch", hat Aragones in der ihm eigenen Art erklärt. "Wenn das Verfallsdatum abgelaufen ist, kann man sie nicht mehr trinken."
Dabei sind die Spanier gerade erst auf den Geschmack gekommen, nachdem ihnen Aragones Jahre lang sauer aufgestoßen ist. Im Oktober 2006, als die Spanier zu Beginn der EM-Qualifikation Niederlagen gegen Nord-Irland und Schweden hatte einstecken müssen, sprachen sich in einer Umfrage 85 Prozent der Anhänger für Aragones' Ablösung aus. Der Trainer selbst bot seinen Rücktritt an, durfte aber bleiben. Wohl vor allem deshalb, weil der spanische Verband sich nicht um einen neuen Coach bemühen mochte.
Auch die Tatsache, dass Aragones Stürmer Raul von Real Madrid - eine Art Nationalheiligtum - schon seit längerem nicht mehr berücksichtigt, war vor der EM Gegenstand heftigster Debatten. "Wieviele Titel haben wir mit Raul denn gewonnen? Gar keine!", blaffte Aragones seinen Kritikern entgegen. Von Raul redet inzwischen niemand mehr. Stattdessen hat vor allem David Villa, Stürmer vom FC Valencia, die Schlagzeilen beherrscht. Seine vier Tore in der Vorrunde haben den Grundstein für das Fortkommen der Spanier gelegt. Aragones selbst sieht die Gründe für den Erfolg aber woanders. "Bei der WM 2006 hatten wir gute Einzelspieler, aber jetzt sind wir ein Team", erklärt er.
Ein Team, das vor allem von einem exzellenten Mittelfeld profitiert. Marco Senna, David Silva, Andres Iniesta und Xavi lassen den Ball mit gepflegtem Kurzpassspiel zirkulieren. Auch gegen die Russen wird deshalb Cesc Fabregas vom FC Arsenal nur auf der Bank Platz nehmen. "Ich habe keinen Grund an der Formation etwas zu ändern", sagt Aragones, obwohl Senna leicht angeschlagen aus dem Viertelfinale gegen Italien gekommen ist.
In der Vorrundenpartie gelang den Spaniern gegen allerdings naiv verteidigende Russen ein 4:1. So leicht wird es diesmal nicht, ahnt Aragones. Zumal diesmal mit Andrei Arshavin, der im ersten Spiel noch gesperrt war, einer der bislang besten Spieler des Turniers auf Seiten der Russen mitwirken wird. In Spanien aber vertrauen sie ihrem Opa auf dem Trainerstuhl, dem "Weisen aus Hortaleza", inzwischen grenzenlos. "Mit Senna und Sergio Ramos will er auf dem Boden der Schnelligkeit des Teufels Arschawin entgegenwirken", behauptet die Sporttageszeitung AS. Die größte Anerkennung hat Aragones allerdings schon nach dem Viertelfinalsieg gegen Italien erfahren: Nach dem Sieg im Elfmeterschießen erschien der spanische König Juan Carlos in der Kabine und gratulierte dem Team. Anschließend schloss er den Grantler im Trainingsanzug in die Arme.
mit sid/dpa | Stand: 25.06.2008, 16:23
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Portugal | 3 | 6 |
| 2. | Türkei | 3 | 6 |
| 3. | Tschechien | 3 | 3 |
| 4. | Schweiz | 3 | 3 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Niederlande | 3 | 9 |
| 2. | Italien | 3 | 4 |
| 3. | Rumänien | 3 | 2 |
| 4. | Frankreich | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Spanien | 3 | 9 |
| 2. | Russland | 3 | 6 |
| 3. | Schweden | 3 | 3 |
| 4. | Griechenland | 3 | 0 |