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Vorsicht in den letzten Minuten
Von Daniel Schwenk
Spielerisch glanzlos, dafür mit viel Einsatz und schon wieder einem unglaublichen Last-Minute-Tor. Die Stärken und Schwächen des Gegners der deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale am Mittwoch (25.06.2008) in Basel.
Das Wichtigste vorneweg: Spielt die Türkei so wie gegen Kroatien, dann hat Deutschland eine mehr als realistische Chance auf das Finale. Vor dem Spiel warnte Kroatiens Trainer Slaven Bilic seine Mannschaft vor der großen Moral des türkischen Teams. "Die geben nie auf", sagte er, was er anschließend ja selbst schmerzlich erfahren musste. Zum dritten Mal hintereinander hat die Türkei in letzter Minute ein verloren geglaubtes Spiel noch gedreht. Für das Team von Joachim Löw heißt das: Absolute Konzentration bis zum Schluss.
So sehr die Moral und Leidenschaft dieser türkischen Mannschaft Respekt verlangt, so wenig konnte sie - zumindest im Viertelfinale - spielerisch überzeugen. Einzige Ausnahmen Hamit Altintop und - mit Abstrichen - Tuncay Sanli. Gelingt es der deutschen Mannschaft Altintop aus dem Spiel zu nehmen, dann wäre damit das Mittelfeld der Türken seiner wichtigsten Schaltstelle beraubt. Bei den dynamischen Vorstößen Altintops über die rechte Seite dürfte diese Aufgabe vor allem auf seinen Bayern-Kollegen Philipp Lahm zukommen - und der müsste ihn ja eigentlich kennen.
Auch wegen Altintops Offensivdrang ist die türkische Abwehr vor allem auf der rechten Seite verwundbar. Im Viertelfinale kamen Modric und Rakitic immer wieder über den linken Flügel, von Gökhan Zan oft nicht zu halten. Am Mittwoch möglicherweise die Chance für Lukas Podolski. Dazu kommt: Die durch Verletzungen gegen Kroatien schon unsichere Abwehr muss gegen Deutschland auch noch auf Verteidiger Emre Asik verzichten, der die zweite Gelbe Karte kassiert hat. Vor allem bei schnellen steilen Pässen in die Spitze von Modric hatten die türkischen Defensivspieler oft das Nachsehen.
Größtes Sicherheitsrisiko in der türkischen Abwehr war aber - trotz Torvorlage und gehaltenem Elfmeter - Torwart Recber Rüstü. Und der wird voraussichtlich auch gegen Deutschland dabei sein, denn Volkan Demirel ist noch für ein weiteres Spiel gesperrt. Allerdings haben die Türken Einspruch gegen die Sperre von insgesamt zwei Spielen eingelegt. Die UEFA will sich am Montag (23.06.08) mit dem Fall befassen.
Rüstü wirkte vor allem bei Eckbällen und Flanken oft völlig überfordert. Paradebeispiel die kroatische Führung in der 119. Minute. Für das Team von Joachim Löw kann das nur heißen: Schießen und Flanken, was das Zeug hält.
Defensive durchaus zu knacken, und die Offensive? Hat über weite Strecken gegen Kroatien nicht stattgefunden. Nihat Kahveci, bisher zweifacher Torschütze bei der Euro, war bei den kompromisslosen Verteidigern Josip Simunic und Robert Kovac so gut wie abgemeldet. In der Schlussphase der Verlängerung musste Nihat dann nach einem Freistoß sogar ausgewechselt werden - der Angreifer hatte sich unglücklich verletzt.
Wer bleibt da noch, der für die dezimierten Türken Tore schießen kann? Gökdeniz Karadeniz, der für Nihat ins Spiel kam? Der ward' im Spiel nicht gesehen. Einzig und allein Semih Sentürk, der glückliche Torschütze, dessen Glücks- und Sonntagsschuss der Türkei das Elfmeterschießen brachte, hat seine Tor-Qualitäten bislang neben Nihat unter Beweis gestellt. Zumindest in der Nachspielzeit der Verlängerung.
Fatih Terims Sorgen beziehen sich aber nicht auf den Angriff. Der Trainer weiß bald gar nicht mehr, wen er aufstellen soll: Emre Güngör verletzt, Servet verletzt, Tümer verletzt, Emre Belözoglu kann am Mittwoch gegen die Deutschen voraussichtlich ebenfalls nicht eingesetzt werden. Volkan bleibt, wie erwähnt, rot-gesperrt und jetzt haben wegen der zweiten gelben Karte Emre Asik, Tuncay Sanli und Arda Turan ebenfalls ihr Spielrecht verwirkt. Um ehrlich zu sein: In Terims Haut möchte in diesen Tagen wohl keiner stecken.
Stand: 21.06.2008, 19:16
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| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |