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Buntes

Eine Hommage an Karl Wald

Elfmeterschießen, eine bayerische Erfindung

Von Robert Müller

Ab dem Viertelfinale greift sie wieder um sich: Die Angst vor einer möglichen Entscheidung im Elfmeterschießen. Jens Lehmann würde, falls es dazu kommt, wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren einen Zettel zugesteckt bekommen, das ist bereits bekannt. Was auf dem ominösen Stück Papier geschrieben stünde, ist natürlich streng geheim. Vermutlich stehen dort die bevorzugten Ecken der in Frage kommenden Torschützen. Vielleicht findet sich auf dem Zettel aber auch eine Widmung an den 92-jährigen Karl Wald aus dem oberbayerischen Penzberg.

Berechtigt wäre ein solcher Hinweis allemal. Denn dem Mann aus der oberbayerischen Kleinstadt ist es zu verdanken, dass Spiele nach einer Verlängerung nicht durch pures Glück entschieden werden. Vor 1970 warf bei einem Remis der Schiedsrichter nämlich eine Münze, um den Sieger zu bestimmen. So geschehen letztmals im Halbfinale der Europameisterschaft des Jahres 1968 Italien gegen die damalige UdSSR. Ein Münzwurf entschied, dass Italien nach dem torlosen Remis ins Endspiel einzog - und später den Titel gewann.

Karl Wald leistete Pionierarbeit

Karl Wald; Rechte: dpa Bild großKarl Wald - mit einem Gratulationsschreiben von FIFA-Präsident Sepp Blatter

"So was von ungerecht – und das soll Sport sein", fand Karl Wald, der nicht nur gelernter Friseur war, sondern auch als Schiedsrichter mehr als 1.000 Partien vom Oberland bis in die höchste Spielklasse aktiv geleitet hatte. Seine Idee: Die Entscheidung per Elfmeterschießen statt des Münzwurfs oder dem gelegentlich durchgeführten Wiederholungsspiel. Doch bis zur Durchsetzung dieser Idee sollte einige Überzeugungsarbeit nötig werden.

Zwar hatte Wald die Entscheidung per Elfmeterschießen in mehreren Freundschaftsspielen im Oberland ausprobiert. Die Genehmigung durch den Bayerischen Fußballverband erwies sich aber als schwierig. Präsident Karl Huber war streng gegen diese Neuerung – aber Wald konnte sich in einer Kampfabstimmung im Jahr 1970 mit 60 Prozent der Stimmen durchsetzen.

Von der ersten Hürde bis zum ersten Opfer

Einfacher war dann der Weg durch die nationalen und internationalen Gremien: Der DFB, die UEFA und auch die FIFA schlossen sich dem Modell an. Und so kam es, dass als erstes großes Turnier das EM-Finale 1976 durch Elfmeterschießen entschieden wurde. Zur Erinnerung: Uli Hoeneß vom FC Bayern München war es, der den Ball in den Nachthimmel schoss. Deutschland verlor, die Tschechoslowakei wurde Europameister. Und das nicht durch Münzwurf.

Stand: 19.06.2008, 00:00

 

 

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