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Löw droht Sperre gegen Portugal
Von Peter Mühlfeit
Muss Joachim Löw gegen Portugal erneut auf die Tribüne? Heute entscheidet die UEFA, welche Konsequenzen der Platzverweis gegen Österreich hat.
Es war schon ein Bild, das nicht einer gewissen Komik entbehrte: Bastian Schweinsteiger, der gegen Kroatien kurz vor Schluss die Nerven verloren hatte, saß einträchtig neben seinem Trainer auf der Tribüne. Der spanische Referee Manuel Mejuto Gonzales hatte Jögi Löw und dessen österreichischen Kollegen Josef Hickersberger von der Bank verwiesen.
Doch während der FC Bayern-Spieler wusste, weshalb er vom Platz geflogen war, konnte sich Löw keinen Reim auf die Szene in der 40. Minute im Ernst-Happel-Stadion von Wien machen. "Gestern haben wir Bekanntschaft gemacht mit dem vierten Mann", sagte Löw in Anspielung auf den berühmten Orson Wells- Film "Der dritte Mann", der in Wien spielt.
"Ich habe den vierten Mann in keiner Weise beleidigt. Ich habe ihm nur gesagt, dass ich in meiner Zone arbeiten möchte", erklärte Löw bei der täglichen Wasserstandsmeldung am Dienstag (17.06.2008) aus dem deutschen Quartier in Tenero.
Auf Nachfrage räumte er ein: "In der 40. Minute bin ich gegenüber dem vierten Mann etwas deutlicher geworden." Mit Hickersberger habe es aber keinerlei "Scharmützel" gegeben. "Wir haben überhaupt kein Problem miteinander, sondern uns beide beschwert, dass wir in Ruhe arbeiten möchten."
Er sei der "Letzte, der die Schuld beim Schiedsrichter" suche: "Ich habe aber zunehmend ein Problem mit dem vierten Mann." In diesem Falle der Slowene Damir Skomina. "Ständig hat er mich aufgefordert, zur Bank zurückzugehen. Ich wollte ihm klar machen, dass die Zone dafür da ist, dass man sich auch darin bewegen kann."
Die sogenannte Coaching oder Technische Zone gibt es seit einigen Jahren. Das Viereck ist genau markiert und kann je nach Stadion unterschiedlich groß sein. Sie reicht aber maximal einen Meter an das Spielfeld heran. Zu jedem Zeitpunkt des Spiels darf nur eine Person in der Coaching Zone Anweisungen an die Spieler geben.
Auf die Einhaltung der Regel wacht der vierte Mann. Den vierten Offiziellen zur Unterstützung des Schiedsrichters und seiner Assistenten gibt es seit 1991 im Profi-Fußball. Dieser ist in der Regel auch ein ausgebildeter Schiedsrichter und hat klare Aufgaben: zum Beispiel dem Schiri anzeigen, falls sich eine oder mehrere Personen in der Technischen Zone ungebührlich benehmen.
Laut Artikel 9 Absatz 1 der UEFA-Regularien müsste Löw nun auch für das Viertelfinal-Spiel gegen Portugal auf die Tribüne. Denn da heißt es, "bis zu einer anderen Entscheidung durch die Disziplinarkommission ist ein des Feldes verwiesener Spieler oder ein aus der technischen Zone verwiesener Offizieller automatisch für das nächste Spiel des Wettbewerbs gesperrt, in dem der Ausschluss erfolgte".
Heute trifft sich die Kommission. Löw hofft auf ein gnädiges Urteil: "Ich gehe davon aus, dass es möglicherweise einen Freispruch geben kann und hoffe, dass ich Donnerstag auf der Bank sitzen kann."
Wenn nicht, dann werde man sich etwas überlegen. Für Torhüter Jens Lehmann ohnehin ein "Modell der Zunkunft": Der Teamchef solle oben sitzen und seine Anweisungen an den Assistenztrainer funken, meinte Lehmann leicht ironisch. Auch der Bundestrainer nahm's locker: "Vielleicht bin auch der erste Cheftrainer, der nach einer Sperre oben bleibt."
Stand: 17.06.2008, 14:35
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |