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Deutsches Team

Vor dem Spiel Österreich - Deutschland

Löw vor "Endspiel" siegessicher

Von Wolfram Porr, Wien

Vor dem Prestigeduell gegen Deutschland, dem "Endspiel" in Gruppe B, beschwören die Österreicher ein neues "Cordoba". Doch DFB-Bundestrainer Joachim Löw will davon nichts wissen. Er gibt sich kämpferisch wie noch nie.

Joachim Löw; Rechte: dpa Bild großGlaubt fest ans Weiterkommen: Joachim Löw

So viel Druck hatte die deutsche Mannschaft lange nicht, zuletzt vielleicht bei der WM 2006 im Halbfinale gegen Italien. Nach dem Durchmarsch in der EM-Qualifikation und der neuen Euphorie um die DFB-Auswahl war zuletzt alles "Friede, Freude, Eierkuchen" rund ums deutsche Team – bis zur 1:2-Niederlage gegen Kroatien. Die Vehemenz, mit der jetzt plötzlich vieles von dem in Frage gestellt wurde, was in den letzten zwei Jahren gut und toll war, hat auch Löw überrascht. Bangemachen gilt aber nicht für Löw, der sich zwar äußerlich gelassen, aber kämpferisch wie selten gibt.

Siegen für die Nation

"Die Mannschaft wird gegen Österreich definitiv anders auftreten", wiederholte der 48-Jährige 24 Stunden vor dem Match gegen Österreich (Anpfiff: 20.45 Uhr), was er direkt nach dem Kroatien-Spiel schon angekündigt hatte. Dafür packt er seine Spieler, denen er hundertprozentig vertraue, an der Ehre: "Jedem Spieler ist bewusst, dass in Deutschland 30 Millionen Fans zuschauen und auf uns hoffen. Für diese Fans, für die ganze Nation stehen wir in der Pflicht, ein gutes Spiel zu machen."

Rückt Hitzlsperger ins Team?

Personell wird es zwangsläufig einige Änderungen geben: Marcell Jansen fällt verletzt aus. Bastian Schweinsteiger ist nach seiner Roten Karte gesperrt, im Sturm wackelt Mario Gomez. Die freien Plätze könnten Thomas Hitzlsperger, Arne Friedrich oder Tim Borowski einnehmen. Als sicher gilt, dass Philipp Lahm auf die linke Abwehrseite rückt; Hitzlsperger könnte vor ihm spielen und der dreifache EM-Torschütze Lukas Podolski dafür neben Miroslav Klose in den Angriff rücken. Rechts könnte entweder Arne Friedrich hinter oder Tim Borowski vor Clemens Fritz spielen.

An die Grenzen und darüber hinaus

Aber egal wer im Wiener Ernst-Happel-Stadion aufläuft: Wichtig ist, dass die Mannschaft kämpft: "Österreich wird alles in die Waagschale werfen, was möglich ist. Aber wir werden dagegenhalten, das ist klar." Seine taktische Ausrichtung will Löw bei allem Respekt aber nicht nach dem Gegner richten: "Wir werden unser Spiel durchziehen, energisch und selbstbewusst auftreten und bis an die Grenzen und darüber hinaus gehen."

Cordoba ist kein Thema

Josef Hickersberger; Rechte: dpa Bild großMuss eine Mannschaft nicht motivieren: Josef Hickersberger

Das Thema Cordoba spielt in der Mannschaft keine Rolle. „Einige Spieler waren da ja noch nicht mal geboren", so Löw. Und auch Löws Widersacher Josef Hickersberger will davon nichts wissen: "Wir sind nicht in Cordoba, sondern in Wien. Hier haben wir mal die DDR geschlagen", sagte der 60-Jährige, der aber zugibt, dass es auch für ihn das wichtigste Spiel seiner Trainerkarriere ist. "Definitiv. Und es wird für immer das wichtigste Spiel bleiben, wenn wir gewinnen."

Hickersberger: "Die Chance lebt"

Die Chancen auf einen Sieg seiner Mannschaft beziffert Hickersberger auf 40 Prozent. "Die Chance lebt. Und wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dann hätte ich das dankend angenommen." Allerdings müsse seine Mannschaft dafür effektiver spielen und Fehler des Gegners nutzen.

Nur Prödl fehlt den Österreichern

Bis auf den Gelb-gesperrten Verteidiger Sebastian Prödl kann der Teamchef der Österreicher personell aus dem Vollen schöpfen: "Alle Spieler sind hundertprozentig fit. Und alle wollen spielen."

Die Deutschen erwartet der erfahrene Coach aggressiv: "Deutschland muss sich für das Kroatien-Spiel rehabilitieren, und deshalb werden sie versuchen, das Spiel so schnell wie möglich zu entscheiden", glaubt Hickersberger, der seine Spieler nicht großartig motivieren muss. "Bei einem Länderspiel gegen Deutschland habe ich den leichtesten Job, weil sich jeder selbst motiviert."

Lineker-Spruch gilt nicht mehr

Damit seinen Spieler bewusst wird, welche historische Chance sie haben, schickte sie Hickersberger am Wochenende zum Teampsychologen. "Denn es ist nicht mehr so, wie Gary Lineker gesagt hat, dass beim Fußball 22 Mann auf dem Platz stehen und am Ende immer die Deutschen gewinnen."

Für Joachim Löw ist es freilich keine Frage, wer morgen Abend das Happel-Stadion als Sieger verlassen wird: "Ich weiß, dass wir mit dem Druck umgehen können. Wenn wir unser Können abrufen – und davon bin ich überzeugt – wenn wir leidenschaftlich kämpfen, dann werden wir ein gutes Spiel machen und ins Viertelfinale einziehen."

Stand: 16.06.2008, 20:02

 

 

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