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Entscheidung in der Gruppe B
Von Robert Müller
Eine Halbzeit lang musste die deutsche Mannschaft im Prestigeduell mit Österreich arg um den Einzug ins Viertelfinale bangen, dann aber traf Michael Ballack. Mit dieser Initialzündung nahm das Team das Heft in die Hand. Und das in Abwesenheit von Trainer Joachim Löw – ihn hatte Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez gemeinsam mit dem österreichischen Trainer Josef Hickersberger auf die Tribüne verbannt.
Die zweite Halbzeit begann mit dem alles entscheidenden Paukenschlag: Michael Ballack nahm sich ein Herz und versenkte den Ball in der 49. Minute per Freistoß aus gut 25 Metern ins obere Eck. In der Folge hatten die Deutschen viel mehr Platz zum Kombinieren. Podolski und Lahm kamen zu guten Flanken, die die Stürmer aber nicht verwerten konnten. Besonders Mario Gomez sah, wie bereits in der ersten Halbzeit bei einer Riesenchance aus einem Meter Torentfernung, unglücklich aus. Folglich wurde er ausgewechselt, für ihn kam Thomas Hitzlsperger ins Team. Podolski machte es etwas besser als sein Kollege, aber verwertbares kam leider auch bei ihm nicht raus. Und in der 83. Minute musste auch der offensive Mittelfeldspieler unter die Dusche. Für ihn kam Oliver Neuville ins Team. Aber auch der konnte bis auf eine Schusschance in der letzten Minute nichts mehr aufweisen.
In den ersten 45 Minuten sahen die 51.428 Zuschauer im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien ein offenes Spiel mit Übergewicht für die Deutschen, aber auch Chancen für die Österreicher. Jens Lehmann hatte noch vor Spielbeginn gezeigt, worum es geht: Mit geballter Faust betrat er das Spielfeld und gab dem neu hinzugekommenen Arne Friedrich einen aufmunternden Klaps. Nach einem kurzen Abtasten begann die deutsche Mannschaft engagiert. Die erste Großchance hatte Löws Team in der dritten Minute. Aber Mario Gomez bekam den Ball aus einem Meter Entfernung nichts ins Tor. Sechs Minuten später zwei weitere sehenswerte Angriffe: Erst flankte Lukas Podolski, danach Arne Friedrich – doch ohne Erfolg. Vereinzelten Angriffen der Österreicher stand die deutsche Abwehr meist sehr sicher gegenüber.
Doch in der 17. Minute hatte Metzelder mit Hoffer arg im Strafraum zu kämpfen, etwas später tauchte der österreichische Stürmer wieder gefährlich im deutschen Strafraum auf. Das rotweißrote Team hatte zu dieser Zeit durchaus Vorteile. In der 22. Minute kamen die Deutschen wieder zu einer Chance: Podolski zog aus 20 Metern ab, doch Macho hielt. Wer glaubte, die deutsche Mannschaft würde jetzt wieder das Heft in die Hand nehmen, sah sich aber getäuscht. Zu sicher standen die Österreicher, sie verhinderten einen konstruktiven Spielaufbau – notfalls auch mit Fouls. Zwar kam die deutsche Mannschaft zu einigen guten Strafraumszenen, doch fehlte die letzte Konsequenz.
In der 40. Minute folgte die aufregendste Szene der ersten Halbzeit: Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez aus Spanien verbannte beide Trainer auf die Tribüne, nachdem ihn den vierte Offizielle alarmiert hatte. Beide nahmen daraufhin, nach einem Shakehands, auf der Tribüne Platz. Löw verstand die Entscheidung auch nach dem Spiel nicht recht: "Ich habe dem vierten Offiziellen gesagt, dass Josef Hickersberger und ich in der Coaching-Zone unserem Job nachgehen wollen. Daraufhin sind wir des Feldes verwiesen worden. Ich habe die Coaching-Zone nicht verlassen. Beide Trainer haben das Recht, Anweisungen zu geben. Es entzieht sich meiner Kenntnis, was die UEFA jetzt tut."
Philipp Lahm bewertete die Spielweise als genau richtig für solch eine entscheidende Partie: "Man muss die richtige Mischung finden. Es geht ums Viertelfinale, da kann man nicht alles auf eine Karte setzen. Wir waren diszipliniert und organisiert, haben im richtigen Moment das 1:0 gemacht." Michael Ballacks bewertete das Spiel ähnlich: "Es stand heute viel auf dem Spiel. Es war schwer zu überzeugen, die Mannschaft hat einen großen Fight geliefert." Joachim Löw zeigte sich erleichtert über den Sieg: "Ich fühle mich gut und bin über den Sieg zufrieden. Es war eine enorme Drucksituation, aber man freut sich auch, wenn man solche Spiele mit Druck und Emotion hat." Bundeskanzlerin Angela Merkels Bilanz schlug ins gleiche Horn: "Ich bin natürlich erleichtert. Manchmal hat man ein bisschen gebangt, aber Ende gut, alles gut. Das Ergebnis stimmt. Das gibt Kraft und Mut für die nächste Runde." Für das Viertelfinale erwartet Löw von seiner Mannschaft aber eine deutliche Steigerung: "Wenn wir unser erklärtes Ziel erreichen wollen, müssen wir auf das Niveau kommen, das wir in den letzten zwei Jahren manchmal erreicht haben."
Österreichs Trainer Hickersberger sagte nach dem Spiel und dem Ausscheiden aus dem Turnier: "Wir haben heute durch einen sensationellen Freistoß von Michael Ballack verloren. Das muss man anerkennen. Wir haben im ganzen Turnier ganz gut gespielt. Wir wollten unter die besten Acht kommen. Das ist uns nicht gelungen." Zu seiner Zukunft als Trainer meinte er: "Ich weiß noch nicht, was ich jetzt mache."
mit dpa/sid | Stand: 16.06.2008, 22:39
Aus dem geplanten "Gipfelsturm" wurde nichts: Finalgegner Spanien war zu stark. [mehr]
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |