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Deutsches Team

Platzverweis

Löw droht Sperre

Von Daniel Schwenk

Die Promi-Dichte auf der Ehrentribüne war eigentlich hoch genug. Kanzlerin Angela Merkel, in Begleitung von fünf Ministern. Ihr österreichischer Amtskollege, diverse Schauspielerinnen, Ex-Sportler und Musiker. In der 41. Minute wurde es dann noch ein bisschen enger: Joachim Löw und Josef Hickersberger brauchten überraschend noch ein Plätzchen.

Kurz vor der Pause hatten sich die Gemüter der beiden als besonnen bekannten Trainer am Spielfeldrand erhitzt – nach einem eher unbedeutenden Foul an Per Mertesacker im deutschen Strafraum. Zunächst versuchte der vierte Offizielle Damir Skomina aus Slowenien die beiden zu beruhigen. Dann funkte er Schiedsrichter Manuel Enrique Mejuto Gonzales an und das Unheil nahm seinen Lauf. Alle Diskussionen waren umsonst, Gonzales schickte die beiden auf die Tribüne. Warum wird wohl erst aus dem Spielbericht eindeutig hervorgehen.

"Das war ein Selbstdarsteller"

Löw beteuerte, seine Coaching-Zone nicht verlassen zu haben. Und fügte im ARD-Interview deutlich angefressen an, beide Trainer hätten das Recht Anweisungen zu geben, er sei in seiner Coaching-Zone geblieben. Ähnliches Unverständnis auch beim österreichischen Coach: "Sowohl Joachim Löw als auch ich haben nur unseren Beruf ausgeübt. Der vierte Offizielle hat die Nerven verloren und dann hat uns der Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt." Österreichs Teammanager Andreas Herzog wettere: "Der Schiedsrichter wollte sich in Szene setzen. Er sollte seinen Job machen und sich nicht wichtig machen. Das war ein Selbstdarsteller".

Smalltalk mit der Kanzlerin

Jogi Löw und Angela Merkel; Rechte: dpa Bild großErste Aufmunterung von der Kanzlerin.

Der sich dann auch vom sofort folgende Handschlag der beiden Streithähne nicht mehr überzeugen ließ. Oliver Bierhoff begleitete Löw auf die Tribüne. Kurzer Smalltalk mit der Kanzlerin, die im ARD-Interview nicht verraten wollte, was die beiden besprochen hatten, und mit Boris Becker. Dann hatte Löw einen freien Sitz gefunden – direkt neben dem rot-gesperrten Schweinsteiger. Der dadurch trotz Sperre zu dem unverhofften Privileg kam, als erster mit dem Trainer den Siegtreffer zu bejubeln. Für seinen Chef übernahm Hansi Flick an der Linie das Kommando. Und auch in der Kabine, wie Phillip Lahm nach dem Spiel zu berichten wusste. Löws sei nur kurz da gewesen.

Heute Entscheidung über Sperre

Hoffentlich eine einmalige Ausnahme, denn eine Sperre für Löw ist durchaus denkbar. Die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) wird heute über den Fall entscheiden. "Das ist abhängig vom Bericht des Schiedsrichters", erklärte UEFA-Mediendirektor William Gaillard unmittelbar nach dem Spiel. Josef Hickersberger - faire Geste - forderte "Freispruch": "Es wäre völlig unverständlich, wenn Löw deshalb eine Spielsperre erhalten würde. Bei mir ist es ja egal."

dpa/sid | Stand: 16.06.2008, 23:44

 

 

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