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"Endspiel" in Gruppe A
Von Ernst Eisenbichler
Sensationelle Aufholjagd in Genf: Die Türkei lag bereits aussichtslos gegen Tschechien zurück - und machte aus einem 0:2 kurz vor Schluss noch ein 3:2. Die Türkei trifft damit im Viertelfinale auf Kroatien.
Unermüdlicher Antreiber und Vorbereiter aller drei türkischen Tore: Hamit Altintop vom FC Bayern
Bei dieser EM gab es schon einige Spiele mit dramatischen Schlussphasen, doch das "Endspiel" der Gruppe A im Stade de Genève toppte alles. Innerhalb von nur 14 Minuten verwandelten die Türken einen 0:2-Rückstand gegen Tschechien in einen 3:2-Sieg. Die Aufholjagd begann in der 75. Minute, als Arda die Partie plötzlich wieder spannend machte: Völlig freistehend verkürzte der junge Mittelfeldspieler von Galatasaray Istanbul mit einem trockenen Flachschuss aus etwa 16 Metern auf 1:2. Davon beflügelt, zogen die Türken jetzt ein regelrechtes Powerplay auf - angetrieben vom FC Bayern-Spieler Hamit Altintop.
Den finalen Doppelschlag setzte dann Nihat: In der 88. Minute nutzte der türkische Kapitän einen krassen Fehler vom sonstigen Weltklasse-Keeper Petr Cech zum 2:2-Ausgleich aus. Nur eine Minute später überwand Nihat Tschechiens Torwart noch einmal - durch einen kapitalen, unter die Latte gedonnerten Weitschuss. Ein schon verloren geglaubtes Spiel war gedreht. Wie schon beim 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen die Schweiz gestalteten die Türken Fußball auch diesmal in kaum zu überbietender Dramatik. Wermutstropfen: Wegen einer Tätlichkeit gegen Jan Koller sah der türkische Schlussmann Volkan Demirel in der Nachspielzeit die Rote Karte und wird wohl mindestens für das Viertelfinale gesperrt.
Dabei hatte alles so gut für Tschechien angefangen. Der EM-Dritte von 2004 nahm von Spielbeginn an das Heft in die Hand. Einer der auffälligsten Akteure war - wie schon in den Spielen gegen die Schweiz und Portugal - Libor Sionko. Der Mittelfeldmann vom FC Kopenhagen sorgte immer wieder für mächtig Druck vor dem Tor von Volkan. In der 33. Minute wurde der tschechische Vorwärtsdrang belohnt: Zdenek Grygera flankte von rechts - der Zwei-Meter-Mann Jan Koller wuchtete den Ball per Kopf in den linken oberen Torwinkel. Der Schachzug von Karel Brückner schien aufzugehen: Der 68-jährige Trainer-Altmeister hatte den kopfballstarken Stürmer vom 1. FC Nürnberg statt Milan Baros gebracht. Für Koller war es bereits der 55. Treffer im 90. Länderspiel.
Statt Pausentee gab es in der türkischen Kabine dann wohl eine saftige Ansprache von Trainer Fatih Terim - einem Mann, der schon bei geringeren Anlässen dabei beobachtet wurde, wie er wie ein Rumpelstilzchen am Spielfeldrand auf- und abhüpfte. Seine Spieler waren zu Beginn der zweiten Hälfte nicht wiederzuerkennen. In den ersten zehn Minuten schnürten sie die Tschechen regelrecht ein. Doch zunächst stoppten diese jäh die türkische Drangperiode. 62. Minute: Wieder ging die Initiative von Sionko aus. Seine Flanke verwertete Jaroslav Plasil zum 2:0. Kurz darauf hätten die Tschechen beinahe auf 3:0 erhöht, doch der Pfosten hatte etwas dagegen. Aber dann kam die 75. Minute ...
Der türkische Trainer Fatih Terim kommentierte den Auftritt seiner Mannschaft: "Es wird hoffentlich noch besser. Ich habe gesagt, man wird sich an uns erinnern. Das habe ich nach dem Spiel gegen die Schweiz gesagt, und ich sage das heute wieder."
Hamit Altintop vom FC Bayern München, einziger Bundesliga-Profi der Türkei, begann gegen Tschechien in der Verteidigung. Zum Krimi gegen Tschechien sagte er: "Wir haben bis zum 0:1 nicht schlecht gespielt, danach haben wir kaum noch ans Weiterkommen geglaubt. Unserer Trainer hat aber gut umgestellt. Er hat mich ins Mittelfeld gestellt, dadurch haben wir organisierter gespielt. Am Ende war es auch glücklich, wie wir gewonnen haben."
Der tschechische Trainer Karel Brückner war nach Spielende fassungslos: "Das erste Gegentor kann passieren, das zweite war ein individueller Fehler, das dritte ein kollektiver Kollaps. So ein Spiel am Ende noch zu verlieren, ist unfassbar. Eine Viertelstunde vor Schluss sahen wir schließlich noch wie der Sieger aus. Selbst fünf Minuten vor dem Ende liegen wir noch vorne." Brückner hatte bereits vor dem Turnier seinen eventuellen Abschied als Nationalcoach angekündigt.
Stand: 15.06.2008, 23:27
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Portugal | 3 | 6 |
| 2. | Türkei | 3 | 6 |
| 3. | Tschechien | 3 | 3 |
| 4. | Schweiz | 3 | 3 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Niederlande | 3 | 9 |
| 2. | Italien | 3 | 4 |
| 3. | Rumänien | 3 | 2 |
| 4. | Frankreich | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Spanien | 3 | 9 |
| 2. | Russland | 3 | 6 |
| 3. | Schweden | 3 | 3 |
| 4. | Griechenland | 3 | 0 |