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Van Basten widerlegt die Skeptiker
Von Michael Ostermann
"Verrat!" Johan Cruyff hat dem niederländischen Bondscoach Marco van Basten diesen Vorwurf vor Beginn der Euro mit auf den Weg gegeben, weil dieser es gewagt hatte, das traditionelle 4-3-3-System über Bord zu schmeißen. Doch nach den spektakulären Siegen gegen Italien und Frankreich sind die Kritiker zu Fans geworden.
"Das ist nicht normal. Sieben Tore in zwei Spielen. Dass wir die Vorrunde so ausgezeichnet spielen, ist phantastisch", jubelte selbst Dauernörgler Cruyff nach dem 4:1 gegen die Franzosen. Systemdiskussionen führt inzwischen keiner mehr. Denn van Basten lässt sein Team zwar im inzwischen europaweit favorisierten 4-2-3-1 auflaufen, doch die Hauptsorge seiner Landsleute, die den Systemwechsel skeptisch beäugten, hat sich als unbegründet erwiesen: Das Spektakel ist immer noch orange.
Dabei hat sich van Basten selbst nur mühsam vom 4-3-3-Fundamentalisten zum flexiblen Taktiker gewandelt. Im vergangenen Sommer sah der 44-Jährige das nationale Vermächtnis in Gefahr, weil die niederländische U21 unter Foppe de Haan auf dem Weg zum EM-Titel plötzlich ein 4-4-2 praktizierte. Noch unmittelbar vor Beginn des Turniers suchte van Basten nach der richtigen Strategie. Nun hat er sie rechtzeitig gefunden. Mit der "Doppelsechs" vor der Abwehr bestehend aus dem Hamburger Nigel de Jong und dem bei Schalke 04 begehrten Orlando Engelaar sowie dem ständig rochierenden Trio, Rafael van der Vaart, Wesley Sneijder und Dirk Kuyt hinter der einzigen Spitze Ruud van Nistelrooy.
Zudem kann die Mannschaft inzwischen das Tempo variieren. Wo die Niederländer früher mit Hurra ins Verderben stürmten, können sie nun auch Mal abwarten und dann einen messerscharfen Konter spielen. So wie beim zweiten Treffer gegen Frankreich, wo Ruud van Nistelrooy mit einem feinen Trick Arjen Robben auf die Reise schickte, dessen Flanke Robin van Persie ins Netz drückte. Die schnellen Robben und van Persie hatte van Basten zuvor eingewechselt, als der Druck der Franzosen immer größer wurde. "Dieses Wechselspiel gibt der Mannschaft mehr Stabilität", lobte van Nistelrooy das neue Spielsystem schon nach dem Sieg über Italien. "Auf dieser Grundlage können wir viel besser angreifen."
Nach den zwei überzeugenden Erfolgen gegen zwei Titelfavoriten ist van Basten nun auf bestem Weg in seiner Heimat zum zweiten Mal zum Helden zu werden. Das erste Mal gelang ihm das vor ziemlich genau 20 Jahren - auch bei einer Europameisterschaft. Mit seinem Traumtor im Finale von München gegen die Sowjetunion bescherte er den Niederländern den bislang einzigen Titel. Schon damals hatten Cruyff und Co. im Vorfeld gemäkelt, dass ihre Nachfolger in der Elftal nur an der Pommesbude abhängen würden. Sie wurden auch damals widerlegt.
1988 war Rinus Michels der Bondscoch, der knorrige "General", der sich in seinen Entscheidungen nicht beirren ließ. Van Basten sieht mit seinen kurz rasierten Haaren heute wie ein Widergänger Michels aus und lässt sich ebenfalls nicht beirren. "Die Leute müssen mich so akzeptieren, wie ich bin", hat er in den vergangenen Wochen stets gesagt. Das werden sie gerne tun, wenn er sein Team tatsächlich bis ins Finale führen sollte. Die 20 Jahre alten Bilder von der EM 1988 in Deutschland sind im Vorfeld der EURO 2008 immer wieder in die niederländischen Wohnzimmer geflimmert. Stürmer Ruud van Nistelrooy forderte genervt, die Geschichtsbücher endlich zuzuklappen. Nun scheinen er und seine Kollegen eine bessere Idee zu haben. Sie wollen einfach ein neues Kapitel schreiben.
Stand: 14.06.2008, 00:00
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Portugal | 3 | 6 |
| 2. | Türkei | 3 | 6 |
| 3. | Tschechien | 3 | 3 |
| 4. | Schweiz | 3 | 3 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Niederlande | 3 | 9 |
| 2. | Italien | 3 | 4 |
| 3. | Rumänien | 3 | 2 |
| 4. | Frankreich | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Spanien | 3 | 9 |
| 2. | Russland | 3 | 6 |
| 3. | Schweden | 3 | 3 |
| 4. | Griechenland | 3 | 0 |