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Ivica Vastic lässt Österreich hoffen
Von Michael Ostermann
Mit seinem humorlos verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit gegen die Polen hat Ivica Vastic Österreich ein "Endspiel" gegen Deutschland beschert. Der gebürtige Kroate ist der älteste EM-Spieler und passt damit eigentlich nicht ins Jugendkonzept von Östereichs Trainer Hickersberger, der inzwischen aber froh sein dürfte, den 38-Jährigen im Kader zu haben.
Eiskalt verwandelt: Ivica Vastic feiert seinen Elfer gegen Polen.
Noch im Dezember hatte Hickersberger Vastic in einem Interview ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass für ihn kein Platz sein werde im Team des Co-Gastgebers bei der EURO 2008. Der eingeschlagene Weg passe nicht zum 38-jährigen Vastic, erklärte der österreichische Coach unverblümt. Verjüngung hieß der Weg den Hickersberger eingeschlagen hatte und der im Erreichen des EM-Viertelfinales münden soll. Doch als der 60 Jahre alte Trainer Ende Mai seinen Kader berief, war Vastic dabei. "Wenn sich unser Spielmacher Andi Ivanschitz verletzt, brauchen wir einen erfahrenen Spieler mit Übersicht", erklärte Hickersberger den Sinneswandel.
Es war die voerst letzte überraschende Wende in Vastics an überraschenden Wendungen ohnehin nicht armen Karriere. In Split in Kroatien geboren, landete der gelernte Schiffsbauer 1991 in Österreich, als der Zerfall Jugoslawiens im Balkankrieg mündete. Ein kroatischer Wirt vermittelte ihm dann über Freunde ein Engagement bei First Vienna FC. Nach Stationen bei St. Pölten und Admira/Wacker machte Vastic einen kurzen, wenig gelungenen Abstecher in die Bundesliga zum MSV Duisburg.
Seine beste Zeit erlebte Vastic zwischen 1994 und 2002 bei Sturm Graz. Er war der Taktgeber im Mittelfeld und Kapitän der Mannschaft, die zwei Mal Meister, drei Mal Pokalsieger wurde und sich zwischen 1998 und 2000 drei Mal in Folge für die Champions League qualifizierte. 1996 erhielt Vastic den österreichischen Pass und debütierte im selben Jahr in der Nationalmannschaft seiner zweiten Heimat. "Kroatien wollte mich nicht", erklärte er. In einer Zeit in der die kroatische Mannschaft mit Suker, Prosinecki und Boban über jede Menge Stars verfügte, wären seine Chancen zu spielen aber auch nicht besonders groß gewesen.
Der Trainer und sein Jocker: Josef Hickersberger (r.) und Ivica Vastic
So reiste er mit Österreich zur WM 1998 nach Frankreich und erzielte dort im Vorrundenspiel gegen Chile in der Nachspielzeit den Treffer zum 1:1. Es war eines der schönsten Tore des Turniers. Nun, beim ersten fußballerischen Großereignis, bei dem Österreich seitdem wieder teilnehmen darf, ist er wieder dabei. Dass Hickersberger letztlich nicht an ihm vorbei kam, liegt an seiner glänzenden Saison in der österreichischen Bundesliga. Mit elf Toren hatte er entscheidenden Anteil am guten Abschneiden des Aufsteigers Linzer ASK, wo er nach einem einjährigen Gastspiel in Japan und zwei Jahren bei Austria Wien inzwischen sein Geld verdient.
Vastic hat das Vertrauen bisher mit guten Leistungen zurückgezahlt. Bei der 0:1-Niederlage gegen Kroatien wurde er nach 60 Minuten eingewechselt, prompt nahm das Spiel der ÖFB-Auswahl an Fahrt auf. Auch gegen Polen wurde Vastic gegen Ende eingewechselt. Entscheidende Impulse konnte er nicht setzen, doch mit welcher Nervenstärke Vastic den Elfmeter in der Nachspielzeit zum späten Ausgleich ins Netz drosch, war mehr als beeindruckend.
Nervenstärke wird auch im nun entscheidenden Gruppenspiel gegen Deutschland gefragt sein. "Wir haben gesehen, dass die Deutschen zu knacken sind", hat Vastic unmittelbar nach der Partie gegen Polen gesagt. "Die stärkeren Nerven werden entscheiden." Er selbst wird wohl auch gegen die DFB-Elf wieder in der Rolle des Jokers agieren. Vielleicht geht seine EM-Geschichte dann noch weiter. Wenn nicht, dürfte es wohl sein letztes Spiel im Dress der Österreicher werden. Für die Zukunft hat Vastic aber noch ein Ziel: "Ich würde gerne noch mit meinem Sohn in einer Mannschaft spielen. Ich als Libero, er als Stürmer." Es könnte klappen: Der Sohn heißt Toni und spielt bereits in der U16 für Österreich.
mit sid | Stand: 13.06.2008, 11:23
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Portugal | 3 | 6 |
| 2. | Türkei | 3 | 6 |
| 3. | Tschechien | 3 | 3 |
| 4. | Schweiz | 3 | 3 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Kroatien | 3 | 9 |
| 2. | Deutschland | 3 | 6 |
| 3. | Österreich | 3 | 1 |
| 4. | Polen | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Niederlande | 3 | 9 |
| 2. | Italien | 3 | 4 |
| 3. | Rumänien | 3 | 2 |
| 4. | Frankreich | 3 | 1 |
| Rang | Team | S | P |
|---|---|---|---|
| 1. | Spanien | 3 | 9 |
| 2. | Russland | 3 | 6 |
| 3. | Schweden | 3 | 3 |
| 4. | Griechenland | 3 | 0 |