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Bern
Sie sei die schönste Stadt, die er gesehen habe, schrieb der weit gereiste Johann Wolfgang Goethe über Bern. In der viertgrößten Stadt der Schweiz leben heute rund 130.000 Einwohner. Sie ist Hauptort des gleichnamigen Kantons, Regierungssitz und Bundesstadt der Schweiz, jedoch nicht Bundeshauptstadt. Nach Gesetz verfügt die föderalistisch organisierte Schweiz über eine solche nämlich nicht.
Auf Geheiß von Herzog Berchtold V. von Zähringen 1191 gegründet, gehört Bern zu den zwölf offiziellen "Zähringerstädten" Südwestdeutschlands und der Schweiz. Das Adelsgeschlecht ließ gerne an Handelsstraßen und an strategisch günstigen Orten bauen. So konnte man zum einen Wegzölle erheben, andererseits den Kaufleuten sicheres Lager für die Nacht bieten. Nicht nur geschützt, auch schön rastet man in Bern. Die Stadt ist von drei Seiten von Wasser umgeben, denn sie liegt in einer Schlaufe der Aare, eines der wichtigsten Nebenflüsse des Rheins. Hausberg ist der von den Bernern vielseitig genutzte Gurten: Der "Güsche" dient als Spiel-, Panorama-, Gourmet-, Musik-, Theater-, Sport- und bald auch Euro08berg.
Seit 1983 ist der Stadtkern Weltkulturerbe. Im Zentrum steht, wie es sich für eine Schweizer Bundesstadt schickt, der "Zytglogge" - der Zeitglockenturm. Aus dem Jahr 1405 stammt diese "Hauptuhr", auf sie bezogen sich alle Stundensteine der Kantonsstraßen. Die 1.400 Kilogramm schwere Glocke verkündet den Bernern noch heute, welche Stunde geschlagen hat. Das Glockenspiel und das zweite, 1530 fertig gestellte, Uhrwerk sind heute eine Touristenattraktion. Geschichte erzählen auch die weit über Hundert Brunnen der Stadt.
Der Bär kam ins Stadtwappen und der Name zur Stadt, weil ein Braunbär das erste Tier gewesen sein soll, das der Herzog während der Stadtgründung bei einer Jagd erlegte. Das jedenfalls ist die Legende, also die schönste, aber unwahrscheinlichste aller Spekulationen darüber.
Jedenfalls leben seit 1441 mit nur sehr wenigen Unterbrechungen bis heute Braunbären im Stadtgraben von Bern. Wie es dazu kam, ist bis heute unklar.
Der irische Schriftsteller Oscar Wilde hinterließ unter anderem den schönen Gedanken, die Engländer hätten nahezu alles gemein mit den Amerikanern - außer der Sprache. Diese Überlegung gilt auch für die Deutschen und die Schweizer. Das Schwyzerdütsch hat seine Tücken und seine Dialekte. Einer davon ist das Berndeutsch. Dies ist die einzige schweizerische Mundart, die das "Du" oder "Ihr" als Höflichkeitsform nutzt. Es heißt in Bern daher "Grüessdi" und "Grüessech" und nicht, wie im Rest der deutschsprachigen Schweiz, "Grüezi".
Eine Universallösung, für die Schweizer ja bekannt sind, bietet die berndeutsche Antwort "Äuä". Im Standarddeutsch bedeutet sie "Ja, sicher" oder genau das Gegenteil: "Nein, sicher nicht". Dieser kleine Unterschied hängt von der Betonung ab.
Stand: 15.04.2008, 13:37
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