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Wien
Merke: Ein Wiener Kaffeehaus ist kein Café. Ein Kaffeehaus ist, angelehnt an die "Café-Zentral-Theorie" von Wiens berühmtem Sohn Alfred Polgar, eine Weltanschauung, deren Sinn darin besteht, sich die Welt nicht anzuschauen. Stattdessen genießt man in bezaubernder Atmosphäre Wiener Delikatessen und die Kaffeehausliteratur. Einzig die Bestellung kann zu einer unüberwindlichen Hürde werden.
"Kaffee" ist so ziemlich das Einzige, was es in einem Wiener Kaffeehaus nicht gibt. Dafür offeriert der g'schamigste Diener mit unvergleichlichem Schmäh kleine und große Schwarze und Braune, Verlängerte und Kaffee verkehrt, goldene Schalen und Einspänner, Franziskaner und Kapuziner.
Wer sich die Welt anschauen will, für den ist Wien keine schlechte Startadresse. Österreichs Hauptstadt bietet vieles, was sich zu sehen lohnt. Grüne Flächen und die Donau teilen sich das Stadtgebiet. Vermutlich bezieht sich Johann Strauß' Klassiker "An der schönen blauen Donau" nicht auf Wien, sondern auf das südungarische Baja. Der "Donauwalzer" wurde dennoch bei den ersten Spielen der österreichischen Nationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet und bleibt die inoffizielle Nationalhymne Österreichs.
Mit 9,7 Millionen Übernachtungen im Jahr 2007 ist Wien Gast-erprobt. Für die UEFA EURO 2008™ müssen sogar die weltberühmten Fiaker weichen: Ihre Touren werden verlegt. Auf insgesamt 100.000 Quadratmetern "Fanzone" können 70.000 Fußballbegeisterte feiern. 86 Gastro-Stände sichern dort, dass alle, bei denen das im Kaffeehaus nicht geklappt hat, nicht durstig bleiben müssen. Und 1.200 WC-Anlagen sorgen dafür "man alle 50 Meter pinkeln kann, wo man das auch normalerweise tut", hofft Vizebürgermeisterin Grete Laska.
Zu den erwarteten 100.000 Gästen pro Tag kommen nach Schätzung der Stadt über den gesamten Zeitraum verteilt 400.000 Wiener in die Fanzone. Sicher nicht nur, weil jeder Zweite einen heimischen Streit wegen des Fernsehprogramms fürchtet.
Besonderes Augenmerk wird in der Hauptstadt des 3/4-Taktes naturgemäß auf die musikalische Begleitung gelegt: Die Wiener Polizei rät zu dämpfenden, aber nicht einschläfernden Klängen, die zum Mitsingen anregen. Die Texte des Donauwalzers und von "Wiener Blut" sind mit Sicherheit schnell gelernt. Und getanzt haben dazu sogar schon Raumschiffe, dokumentiert in "2001: Odyssee im Weltraum".
Alternativ gibt es zahlreiche Gaststätten mit Großbildleinwand. Wer selbst in Österreichs Hauptstadt lieber Schnitzel nach Wiener Art statt Wiener Schnitzel isst, der schaut Fußball eben in Gaststätten mit deutscher Küche. Österreichischen, polnischen, kroatischen und deutschen Fans seien im Falle eines Vorrunden-Aus Worte aus dem Musical Elisabeth ans Herz gelegt: "No, und wenn schon ... wir sitzen im Kaffeehaus 'rum und erwarten gähnend die Apokalypse."
Stand: 17.04.2008, 09:44
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