
Gastgeber Österreich war vor seiner ersten Euro-Teilnahme der wohl größte Außenseiter in der Euro-Geschichte. Noch nie nahm ein in der FIFA-Weltrangliste derart schlecht platziertes Team (101.) an einer kontinentalen Endrunde teil. 1998 erreichte "Team Austria" letztmals ein großes Turnier - bei der WM in Frankreich war in der Vorrunde Schluss. 2007 wurde nur eines von zwölf Länderspielen gewonnen, kein Teamspieler ist Stammkraft bei einem europäischen Spitzenklub.
Dennoch war nicht nur Teamchef Josef Hickersberger zuversichtlich, dass eine Überraschung möglich ist. "Unterschätzt mir die Österreicher nicht. Der Heimvorteil könnte ihnen zusätzlichen Auftrieb geben", warnte "Kaiser" Franz Beckenbauer Österreichs Gruppen-Gegner Deutschland, Polen und Kroatien.
Immerhin: In den ersten beiden Länderspielen des Euro-Jahres hatte die rot-weiß-rote Elf eine Entwicklung gezeigt, die Hickersberger "Hoffnung macht". Beim 0:3 gegen Deutschland war Österreich eine Stunde lang die bessere Mannschaft, beim 3:4 gegen die Niederlande verhinderte nur eine katastrophale Schlussphase die Sensation. "Wenn Griechenland den Titel holen kann, muss man auch an uns glauben", sagte Kapitän Andreas Ivanschitz deshalb.
Mit der Nominierung des 38 Jahre alten Alt-Stars Ivica Vastic von LASK Linz sorgte Hickersberger für eine faustdicke Überraschung. Das Euro-Ticket erhielten auch Martin Harnik (Werder Bremen) und Ramazan Özcan vom Zweitligisten 1899 Hoffenheim. Auch taktisch bewies der umstrittene Coach Mut. Er rückte vom defensiven 4-5-1-System ab und brachte zwei Spitzen, was ihm seine Elf mit drei Toren gegen die Niederlande dankte. "Auch in Österreich ist es Zeit für einen Wechsel", sagte Hickersberger.
Am Ende war's doch nichts mit dem erhofften "Wunder von Wien". Niederlage gegen Kroatien, Unentschieden gegen Polen - mit einem Sieg gegen Deutschland, die "Piefkes", sollte der Einzug ins Viertelfinale gelingen. Doch einmal mehr setzten sich die Deutschen durch - und Österreich schied aus.